Romeo & Julia – Liebe ist alles

Wolfgang Karg

Berlin, 06.09.20225 – Wir waren Rahmen der IFA-Berichterstattung in Berlin. Schon mal in der Hauptstadt bot es sich an, sich das Stage Entertainment-Musical „Romeo & Julia – Liebe ist alles“ anzuschauen, von dem wir schon viel Positives gehört hatten.

Das prämierte Musical (Deutscher Musical Theater Preis 2023) feierte seine Weltpremiere am 19. März 2023 im Stage Theater des Westens. Die erste Spielzeit lief bis zum 4. Januar 2024, insgesamt gab es 259 Aufführungen mit etwa 250.000 Besuchern. Beginn der zweiten Spielzeit am war am 17. April 2025, voraussichtlich gastiert es dort noch bis zum 31. Januar 2026. Im Sommer 2026 zieht es dann nach Köln um.

Das denkmalgeschützte Theater des Westens im Stil des Historismus mit Jugendstil-Elementen ist eines der traditionsreichsten und berühmtesten Theatergebäude Deutschlands – mit einer über 125-jährigen Geschichte, die tief in Berlins Theater- und Musicalkultur verwurzelt ist. Der prunkvolle Innenraum mit reich verzierter Decke, klassizistischen Säulen, Kronleuchtern und prachtvollen Logen ist ein Hingucker. Es bietet bis zu 1.600 Sitzplätze. Bereits Marlene Dietrich stand hier 1922 auf der Bühne.

Romeo & Julia – Liebe ist alles © Nordevents und Stage Entertainment

Der Story-Inhalt

Das Musical erzählt die tragische Liebesgeschichte der verfeindeten Familien Montague und Capulet in Verona. Romeo Montague und Julia Capulet verlieben sich ineinander, obwohl ihre Familien erbitterte Feinde sind. Heimlich heiraten sie, in der Hoffnung, den Hass zwischen den Familien zu überwinden. Doch durch eine Reihe unglücklicher Missverständnisse und Konflikte kommt es zu mehreren Todesfällen, darunter auch Romeo und Julia selbst.

Musical mit Shakespeare-Text und Rosenstolz-Musik

Komponiert wurde das Musical von Peter Plate (Ex-Rosenstolz) und Ulf Leo Sommer (mit Beteiligung von Joshua Lange). Songs wie der Rosenstolz-Hit „Liebe ist alles“, „Hormone“, „Rosalinde“, „Ich habe keine Angst“ begeisterten das Publikum. Modern-rockiger Pop, emotionale Melodien, Rapnummern und Arien wechseln sich ab – und liefern ein kraftvolles Sounderlebnis. Alle Songs tragen die unverkennbare Schrift von Peter Plate und Ulf Leo Sommer, natürlich gespielt von einer Live-Band.

Als Bühnendeko sieht man einen Mix aus historischem Verona und heutigen Elementen. Die Bühne mit großem Balkon, farbig wechselnden Glühbirnen, Lichtkonstruktionen schafft atmosphärische Momente. Die Kostüme sind eine Mischung aus Renaissance-Mode und modernem Stil.

Für den Schlussapplaus kamen alle Darsteller in Alltagskleidung auf die Bühne und hängten ihr Bühnenoutfit an eine Garderobenstange. Natürlich wurde noch einmal der Rosenstolz-Hit „Liebe ist alles“ von der gesamte Besetzung angestimmt – und zusätzlich auch die Zuschauer. Eine wunderschöne Hommage an die kürzlich verstorbene AnNa R.

Hormone, Liebe, Identität

Wir hatten bereits von der Premiere des Hamburger Musicals „& Julia“ berichtet. Was ist denn der Unterschied zwischen den beiden Musicals? Einzig die Originalvorlage von Shakespeare „Romeo & Julia“ haben die beiden Musicals gemeinsam. Während bei „Romeo & Julia“ neu komponierte deutsche Popmusik gespielt wird, gibt es bei „& Julia“ internationale Popsongs von Max Martin (z. B. Britney Spears, Backstreet Boys, Katy Perry), der auch bei der Premiere zugegen war. Auch die Handlung ist unterschiedlich: Hier die klassische Handlung – Romeo & Julia verlieben sich und sterben am Ende. Bei „& Julia“ überlebt Julia und geht auf Selbstfindungsreise. Während dieses Musical emotionsgeladen und dramatisch ist, ist die Hamburger Jukebox-Musicalversion laut, schrill, humorvoll – wie ein Pop-Konzert mit Musical-Plot. Welches Musical hat uns besser gefallen? Beide sind sehenswert, jedes hat seine Besonderheiten und es haben uns beide begeistert.

Shakespeare hätte es gefallen

Fazit: Insgesamt ist das Musical ein unvergessliches Erlebnis, Gänsehautmomenten vom ersten Ton an. Der Gesang der Darsteller ist wie bei Stage Entertainment üblich mitreißend. Es ist eine zeitgenössische Neuinterpretation der Shakespeare-Tragödie mit emotionaler Tiefe und Pop-Modernität. Zu hören sind eingängige Songs plus rockige, mitreißende Arrangements mit historischen und modernen Gestaltungsmitteln. Emotional berührend, humorvoll, visuell mit beeindruckender Bühne und Lichtdesign.

Trotz eher düsteren Handlung sorgte Anthony Curtis Kurby in der Rolle des Paters Lorenzo immer wieder für Auflockerung. Dazu stach er mit seiner sehr sanften Klangfarbe ebenfalls hervor. Ein Publikumsliebling: die Rolle der Amme, gespielt von Steffi Irmen, die trotz Shakespeare-Stoff sichtbar das Herz der Inszenierung wurde. Während die Darstellerin schon mit dem Song „Hormone“ die Zuschauer in Ekstase versetze, schaffte sie es mit dem schwungvollen Hit „Jung sein“, einen extra großen Beifall des ganzen Saals.

Steffi spielt zusätzlich freitags in dem Musical „Die Amme“ im gleichen Venue. Ebenfalls wird sie ab dem 21.03.2026 ein Teil des Casts für das neue Musical „Wir sind am Leben“ sein.

Der Cast an unserem Besuchstag

  • Julia – Laura Schatz
  • Romeo – Nathan Johns
  • Amme – Steffi Irmen
  • Mercutio – Wolfram Föppl
  • Tybalt – Felix Freund
  • Benvolio – Claudio Gottschalk-Schmitt
  • Pater Lorenzo – Anhony Crtis Kirby
  • Lady Capulet – Lisa-Marie Sumner
  • Lord Capulet – Florian Karnatz
  • Todesengel – Sander van Wissen

Und wer jetzt noch nicht „Romeo & Julia – Liebe ist alles“ oder auch „Die Amme“ gesehen hat, der sollte mal nach Berlin kommen. Hier kommen nicht nur Musical- und Rosenstolz-Fans voll auf ihre Kosten.


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