Poetisch, rasant, voller Lebensfreude: „Seasons“ feiert Premiere

Wolfgang Karg

Bremen, 01.10.2026 – Mit „Seasons“ ist am Weser-Terminal die neue Show des GOP Varieté-Theaters Bremen an den Start gegangen – und bringt bis zum 3. Januar 2027 die kanadische Compagnie FLIP Fabrique auf die Bühne. Unter der Regie von Maxime Perron verwandelt das Ensemble die Bühne in einen Dachboden, auf dem die Monate verstreichen: Frühling, Sommer, Herbst und Winter jagen sich in einer rund zweistündigen Reise durch das Jahr. Und war es am Vortag noch sommerliche 26 Grad, so spürte man an dem verregneten kühleren Premierentag den Wandel der Jahreszeiten selbst. Direktor Philipp Peiniger betonte, dass an diesem Tag wieder ein neues Geschäftsjahr beginnt und das im Alten wieder knapp über 100.000 Zuschauer die vier Shows gesehen haben.

Seasons © Nordevents

Die Künstler erzählen ohne Worte von Neubeginn, Leichtigkeit und Lebensfreude an 365 Tagen – jede Jahreszeit bekommt wenn auch nur angedeutet ihren eigenen Charakter, ihre eigene Energie. Bereits vor über 10 Jahren haben wir über den Auftritt der Compagnie im Chamäleon Theater in Berlin berichtet und sie haben uns damals schon begeistert.

Ein Jahr auf dem Dachboden

Das Konzept ist so einfach wie poetisch: Statt einer klassischen Zirkusdramaturgie mit Moderation reihen sich die Acts wie die Jahreszeiten selbst aneinander – mal verspielt und leicht, mal ruhig und fast melancholisch. Genau dieses erzählerisch reduzierte Konzept sorgte an anderen GOP-Standorten bereits für geteilte Reaktionen: Ein Konzept ohne klassischen roten Faden mit recht purer Artistik, gelobt wurde in anderen GOP-Häusern aber, dass das Ensemble die dramaturgischen Schwächen mit seiner schwungvollen, gemeinschaftlichen Bühnenarbeit mehr als ausgleiche.

Die artistischen Höhepunkte

Was „Seasons“ besonders auszeichnet: Nahezu das gesamte Ensemble besstehend aus neun Artistinnen und Artisten bleibt bis auf die eigenen Acts der Künstlr durchgehend auf der Bühne, wodurch ein permanenter Fluss aus Bewegung und Begegnung entsteht.

Ein Blick auf jede und jeden Einzelnen: Für die Gänsehautmomente des Abends sorgte in Bremen – wie schon an anderen Standorten – allen voran das Duo Cn’A: Amélie Granger und Carl Turner zeigen an den Strapaten eine kraftvolle Paarakrobatik hoch über den Köpfen des Publikums, die weit mehr ist als reine Technik – ein Tanz in der Luft, getragen von Vertrauen und einer sichtbar innigen Verbindung zwischen den beiden. Beide beeindrucken zusätzlich solo: Turner beim halsbrecherischen Hoop Diving – dem Sprung durch brennende Reifen – und Granger auf dem Drahtseil.

Für einen der poetischsten Momente des Abends sorgte Ania Lewandowska im Vertikaltuch in schwindelerregender Höhe. Die Artistin, die bereits mit 13 Jahren die Bühne für sich entdeckte und ihren Weg unter anderem zum Cirque du Soleil fand, vereint im LED-Cyr Wheel Anmut, Eleganz und Tanz zu einer fast hypnotischen Darbietung.

Ein Ensemble, das nie stillsteht

Die brasilianisch-italienische Schauspielerin und Physical-Performerin Paula Alvala wurde an der Codarts Circus Arts in Rotterdam ausgebildet und verbindet in ihren Auftritten Präzision mit Humor und emotionaler Tiefe. Für ihr künstlerisches Schaffen wurde sie bereits mit dem brasilianischen PROAC-Preis ausgezeichnet. Sie zeigte Comedy und Luftakrobatik.

Louis Chardain begann bereits als kleiner Junge mit dem Jonglieren – mit Plastiktüten, die ihm sein selbst jonglierender Vater in die Hand drückte – und durchlief anschließend eine professionelle Zirkusausbildung, unter anderem an der Scuola Romana di Circo. Kritiker anderer GOP-Standorte lobten seine moderne Hut-Jonglage als Verbindung aus Präzision und Gespür zu Recht.

Mit Hula Hoop und Aerial Pole brachte Morgane Garnier zwei Disziplinen auf die Bühne, die bei „Seasons“ an anderen Standorten regelmäßig für visuelle Höhepunkte sorgten – spielerisch, tänzerisch und mit sichtbarer Freude an der Bewegung.

Der kanadische Artist Cédrik Pinault hat bereits in zahlreichen internationalen Produktionen mitgewirkt, war unter anderem für Cirque-du-Soleil-Shows und ESPN-Sonderveranstaltungen engagiert und stand dafür schon in Rio de Janeiro auf der Bühne. An der winterlichen Trampo Wall sorgt er in „Seasons“ für halsbrecherische Sprünge, die für großes Staunen im Publikum sorgten.

Die aus Polen stammende Klodi Dabkiewicz blickt auf eine Karriere zwischen rhythmischer Sportgymnastik, Aerobic und Zirkuskunst zurück und hält sogar einen Guinness-Weltrekord; sie stand bereits für Cirque du Soleil, das GOP Varieté und zahlreiche internationale Bühnen im Rampenlicht. Ihr Partner Yann LeBlanc, ausgebildet an der Nationalen Zirkusschule Montreal, brachte seine Vielseitigkeit in Hand-zu-Hand-Akrobatik und Handbalancing bereits bei Cirque Éloize, Cirque du Soleil und ebenfalls beim GOP unter Beweis.

Fazit

Am Ende rieselt tatsächlich der Schnee, der für die Akrobatentruppe aus Kanadas kaltem Osten ein sehr treuer Alltags-Begleiter sein dürfte, schließlich liegt die offizielle Jahresdurchschnittstemperatur in ihrer Heimatstadt Québec am Sankt-Lorenz-Strom bei bescheidenen vier Grad. Die Nummern sind nicht so kraftorientiert und perfekt geprobt wie bei osteuropäischen Künstlern, die häufig die GOP-Programme bestreiten. Dieser Abend wird vom gesamten Ensemble aus „Alleskönnern“ performt. Die Show trifft den Zeitgeist: entschleunigend, sinnlich und gleichzeitig spektakulär. Sehenswert für Groß und Klein.

Zu den Fakten

„Seasons“ läuft vom 1. Oktober 2026 bis 3. Januar 2027 im GOP Varieté-Theater Bremen. Tickets sind ab 39 Euro erhältlich, ein 3-Gänge-Wintermenü im Varieté-Saal kostet 29,90 Euro. Kinder bis 14 Jahre erhalten 50 % Rabatt, Schüler, Studierende und Freiwilligendienstleistende bis 27 Jahre 25 % (mittwochs 50 %) Rabatt. Karten und Infos gibt es unter (04 21) 89 89 89 89, variete.de oder im neuen GOP Pop-Upp Store in der Bremer Innenstadt in der Pelzerstr. 4 .


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