Von sascha beckmann
Hamburg – Am 28. Januar lud die Instrumental-Rock-Band Long Distance Calling zu einer außergewöhnlichen Album-Preview ins Zeise Kino Hamburg, Kinosaal 3. Ausgewählte Gäste bekamen dort einen exklusiven Einblick in das neue Werk der Band – präsentiert als cineastisches Gesamterlebnis.
Gezeigt wurde ein eigens für das neue Album produzierter Kurzfilm „The Phantom Void“, der zentrale Motive und die emotionale Pointe der neuen Veröffentlichung transportiert. Noch bevor die ersten Töne erklangen, setzte der Film ein starkes, verstörendes Bild: Eine humanoide Gestalt mit maskenhaftem Gesicht beginnt einen Countdown von zehn. Ihre Worte wirken wie eine düstere Prophezeiung – sinngemäß erklärt sie, dass alles, was man tief in sich trägt und verdrängt, früher oder später an die Oberfläche drängt.

Fotocredit: Misse Beckmann-Richter
Mit dem Einsetzen der ersten Klänge von Long Distance Calling wechselt die Perspektive: Ein Mann mittleren Alters tritt ins Bild. Mitten in der Nacht rennt er aus seinem Wohnhaus heraus in die Nacht, scheinbar auf der Flucht – wovor, bleibt zunächst unklar. Immer wieder taucht die maskierte Gestalt auf, beobachtend, bedrängend, allgegenwärtig. Realität und innerer Zustand beginnen zu verschwimmen. Der Film entfaltet eine stetig wachsende Spannung und fesselt das Publikum bis zum Schluss an die Leinwand.
Vertont wurde der Film mit vier Stücken des neuen Albums, die zusammen eine Laufzeit von rund 26 Minuten umfassen. Bild und Musik greifen dabei eng ineinander – Stimmungen, Dynamiken und Brüche sind präzise aufeinander abgestimmt.
Vor Ort waren die Bandmitglieder Florian Füntmann (Gitarre) und David Jordan (Gitarre), Jan Hoffmann (Bass) sowie Janosch Rathmer (Schlagzeug), ebenso wie Regisseur Felix und das beteiligte Filmteam, darunter der Schauspieler (spielt Maskenmann und Hauptperson) und einer der beiden beteiligten Kameramänner.
Nach der Vorführung hatten wir kurz die Gelegenheit, mit allen Beteiligten über das Album und das zugrunde liegende Konzept zu sprechen.
Thematisch beschreibt die Band das neue Album als bewusst fordernd:
„Schwere Kost, was die Musik betrifft. Wir waren fokussierter diesmal – es ist das kürzeste und härteste Album. Wir haben die Grenzen ein wenig ausgelotet und die Message sehr auf den Punkt gebracht.“
Inhaltlich habe man sich klar vom Politischen und Gesellschaftlichen distanziert. Stattdessen stehe eine psychologische Ebene im Mittelpunkt:
„Wir wollten weg vom Gesellschaftlichen. Das Album hat eine psychologische Komponente, aber wir wollten nicht politisch sein. Die Idee wurde gemeinsam mit dem Regisseur ausgearbeitet. Kunst soll man aber nicht erklären – jeder soll für sich selbst erkennen, was er für sich daraus mitnimmt.“ so Bassist Jan Hoffmann.
Auf die Frage, was zuerst existierte – Musik oder Idee – fällt die Antwort von Janosch eindeutig aus:
„Die Idee war zuerst da. Wir haben uns gefragt: Was könnte eine starke Ausgangsidee sein? Daraus entstand der Gedanke, einen eigenen Film zu vertonen. Nicht für ein komplettes Album, sondern für etwa 26 Minuten, also vier Songs – die Stimmung des Films an die Musik anzupassen und umgekehrt.“
Auch Regisseur Felix Julian Koch blickt positiv auf die Zusammenarbeit zurück und betont, wie viel Freude ihm die kreative Arbeit mit Long Distance Calling bereitet habe.
Mit dieser eindrucksvollen Präsentation zeigen Long Distance Calling einmal mehr, dass ihre Musik mehr ist als reiner Sound. Das neue Album, welches am 10. April 2026 veröffentlicht wird, versteht sich als Einladung zur Auseinandersetzung – intensiv, kompromisslos und offen für individuelle Interpretation.













