Teufelsberg Berlin

Wolfgang Karg

Berlin – Der Teufelsberg in Berlin-Charlottenburg ist ein faszinierender Ort, an dem sich Natur, Geschichte und Geheimnisse überlagern. Hier hat man auch einen großartigen Blick über den Grunewald und die sich angrenzenden Stadtgebiete, immerhin ist es mit 114 Metern die zweithöchste Erhebung der Hauptstadt. Es ist ein Relikt zu finden, das Kulisse für einen Spionagefilm sein könnte: Von der Abhöranlage mit der markanten weißen Kuppel belauschten die Briten und Amerikaner den Ost-Block bis in 700 Kilometer Entfernung. Den Namen bekam der Teufelsberg vom nahe gelegenen Teufelssee.

© Nordevents

Entstehung des Berges

Der Teufelsberg ist kein natürlicher Berg, sondern ein Trümmerberg. Nach dem Zweiten Weltkrieg lag Berlin in Schutt und Asche. Etwa 75 Millionen Kubikmeter Trümmer aus den zerstörten Gebäuden der Stadt wurden hier im Westteil Berlins aufgeschüttet. 22 Jahre lang luden bis zu 800 Lastzüge täglich bis zu 7000 Kubikmeter Schutt ab, das entspricht grob einem Drittel der Trümmer zerbombter Berliner Häuser (etwa 15.000 Gebäude). Bis 1972 wuchs der Berg so auf rund 120 Meter Höhe an und überragte bald das umliegende Gelände des Grunewalds.

Verborgene Vergangenheit

Unter dem Schutt befindet sich ein nie fertiggestelltes Bauwerk: die Militärtechnische Fakultät der NS-Zeit, entworfen von Hitlers Architekten Albert Speer. Der Bau sollte Teil der monumentalen „Welthauptstadt Germania“ werden. Nach Kriegsende entschieden die Alliierten, das unfertige Gebäude nicht weiter zu nutzen, sondern es zu sprengen und mit Trümmern zu bedecken – daraus entstand der Teufelsberg.

Nutzung im Kalten Krieg

In den 1950er-Jahren übernahm der Ort eine völlig neue Rolle: Die US-amerikanische und britische Armee errichteten auf dem Gipfel eine riesige Abhörstation. Mit den charakteristischen vier weißen Radomen (kuppelförmigen Antennenabdeckungen) konnten die Westmächte den Funkverkehr im gesamten Ostblock überwachen. Es arbeiteten ca. 1500 Leute in drei Schichten. Im unteren Bereich befindet sich noch die Anlage, die früher Massen unnützer oder nebensächlicher Informationen beseitigte. Jeden Tag wurden hier zwei Tonnen Papier geschreddert, mit Wasser vermischt und zu Blöcken gepresst, um sie dann zu verbrennen. Der Teufelsberg war einer der wichtigsten Spionageposten während des Kalten Krieges.

Nach der Wende

Mit dem Ende des Kalten Krieges, dem Fall der Berliner Mauer und der deutschen Wiedervereinigung verlor die Station ihre Bedeutung. 1992 wurde sie aufgegeben, die elektronischen Einrichtungen entfernt und die Anlagen verfielen. Mehrfach gab es Pläne für eine Umnutzung – etwa Luxuswohnungen oder Hotels – doch diese scheiterten. Auch wurden hier etliche Filme gedreht.

Street Art und Ausstellungen

Heute ist der Teufelsberg ein Ort der Subkultur und Street Art: Die verfallenen Gebäude sind mit großflächigen Graffiti bedeckt, Künstler aus aller Welt haben Spuren hinterlassen. Das etwa 2400 Quadratmeter große Gelände ist zugänglich, Führungen werden angeboten, und von der großen Abhöranlage hat man einen der schönsten Panoramablicke über Berlin.

Die Ausstellung “Declassified – Das Geheimnis des Teufelsbergs” ist Teil der Stationen in der ehemaligen Radarstation und kombiniert Street Art mit der Geschichte des Teufelsbergs als früherer Spionageort.

Kunstprojekte & Murals

Es gibt unzählige große und kleine Street Arts zu sehen. Wir waren vor knapp 6 Jahren schon einmal in der Ausstellung. Einige Bilder hatten wir wiedererkannt, leider mittlerweile schon etwas verwittert. Hier einige neuere Street Arts:

  • BustArt hat ein großes Werk (ca. 11 × 14 Meter) auf der Westseite des Hauptgebäudes im Oktober 2023 geschaffen. Es ist sehr plakativ im Graffiti-Pop-Stil und zieht durch seine Größe und Farben stark Aufmerksamkeit auf sich.
  • Mate Artist (Matteo De Martin Pinter) hat zwei markante Wandbilder platziert: „For Better Use“ (zeigt Hände, die eine Plastikflasche als Vase verwenden) unterhalb der Kantine (links nach dem Eingang) und „Millennials“ (Themen: Generation, Umwelt, sozialer Wandel). Diese Werke sind direkt am Eingang bzw. unterhalb der Kantine. Das zweite große Wandbild ist „Millennials“ von 2020 in einer Größe von ca. 265 m². Ein Junge mit Locken, futuristische Sonnenbrille, kosmische Motive und Vögel im Hintergrund.
  • Der Schriftzug #FreiheitBerlin wurde 2023 auf dem Teufelsberg aufgestellt und im März 2024 neu gestaltet. Verschiedene Street Art Crews haben daran mitgewirkt, u.a. El Bocho, Case Maclaim etc. Die Buchstaben sind so angeordnet, dass sie aus bestimmten Perspektiven besonders wirken (z. B. von den Kuppeln aus).
  • Ein neueres Werk ist das Wandbild von HERA (Jasmin Siddiqui) im Mai 2025, geschaffen in Kooperation mit dem Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“. Es ist auf einer der größten Wände des Geländeareals der Eventlokation.
  • Weitere neuere Werke: z. B. Emma Rytoft – Vivid Femininity, Fumo Miles – A Colour Rush and Celebration of Female Power, Katie O – The Magic of Connection, RommyGon – Love over Power etc.

Infos

Plane genug Zeit ein (mindestens 2 bis 3 Stunden), damit du auch Höhen erreichen kannst und nicht hetzen musst. Gutes Schuhwerk ist nützlich, die Wege können teilweise uneben sein. Teilweise lagen bei unserem Besuch zerschlagene Flaschen auf dem Boden. Um auf die höchste Ebene zu gelangen, muss man etwa schwindelfrei sei. Früher konnte man innen hinaufgehen, diese Treppe ist nun gesperrt um man muss über eine Metalltreppe aus Gitterrosten hinaufgehen.

Auf dem gesamten Gelände gibt es QR-Codes mit Informationen zu den Kunstwerken. Kurz nach dem Eingang gibt es eine Möglichkeit etwas zu trinken und zu essen. Hunde sind erlaubt. Im Innenhof des Geländes befinden sich Toiletten. Außerdem stehen auf dem Gelände, an mehreren Standorten DIXI Toiletten zusätzlich zur Verfügung. Diese könnten gerne mal gereinigt werden.

Adresse: Teufelsseechaussee 10, 14193 Berlin

Öffnungszeiten:

  • Täglich von 11.00 bis Sonnenuntergang
  • Letzter Einlass: 1 Stunde vor Sonnenuntergang

Anreise:

Die S-Bahn-Station Heerstraße ist ca. 30 Gehminuten vom Gelände entfernt.

Mit dem Auto kann man bis zur Auffahrt des Berges fahren. Gleich nachdem man rechts die Teufelsseechaussee bergauf abgebogen ist, befindet sich ein kostenloser Schotterparkplatz. Von dort sind es noch ca. zehn Minuten zu Fuß bis zum Eingang des Geländes.

Unser Artikel aus dem Jahr –> 2019 mit der damaligen Street Art. Etwas irritiert waren wir, dass uns gesagt wurde, dass einige Street Art hier nicht gezeigt werden sollte, da die Künstler etwas gegen eine Veröffentlichung haben. Das passt für unser Verständnis absolut nicht, denn Street Art richtet sich in der Regel an die breite Öffentlichkeit und will verstanden und diskutiert werden,


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