Vorglühen in der Laeiszhalle: Stuckrad-Barre und Jan Delay ehren Udo Lindenberg

Jonas Sehlen

Ein Abend im Zeichen von Udo

Hamburg, 26.09.2025 – Die Hamburger Laeiszhalle war bis auf den letzten Platz gefüllt. Nur einer fehlte: Udo Lindenberg selbst. Dennoch war er an diesem Abend allgegenwärtig – durch seine Musik, seine Texte und die Wirkung, die er auf nachfolgende Künstlergenerationen hatte. Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre und Musiker Jan Delay gestalteten gemeinsam ein Programm, das sowohl Lindenbergs Sprachwitz als auch seine Haltung in den Mittelpunkt stellte.

Texte und Musik als Hommage

Stuckrad-Barre las Passagen, die zeigen, wie Lindenberg schon früh die deutsche Sprache in der Rockmusik neu geprägt hat. Wortspiele, ungewöhnliche Bilder und Lindenbergs markante Stimme standen dabei im Fokus. Für Jan Delay war besonders prägend, dass Lindenbergs Texte zeigten, wie frei man mit Sprache umgehen kann. Lindenbergs Art zu singen und seine Eigenwilligkeit gaben jungen Hörern das Gefühl, selbst ausprobieren zu dürfen, wie man sich ausdrückt.

© Nordevents

Parallel dazu brachte Delay mit Band Lindenbergs Lieder auf die Bühne. Die Mischung aus Lesung und Musik machte deutlich, wie eng Literatur und Popkultur im Werk Lindenbergs verbunden sind.

Haltung und politische Klarheit

Ein weiterer Schwerpunkt des Abends war Lindenbergs politische Seite. Seine Texte bezogen immer wieder deutlich Stellung gegen Intoleranz, Krieg und Faschismus. Stuckrad-Barre und Delay erinnerten daran, dass Lindenberg nicht nur für musikalische Freiheit steht, sondern auch für klare Positionen. Sein Protest richtete sich früh gegen rechte Strömungen und gesellschaftliche Engstirnigkeit. Gerade diese Mischung aus Lockerheit und Haltung machte ihn für viele zu einer glaubwürdigen Stimme.

Persönlicher Einfluss

Beide Künstler unterstrichen, wie stark Lindenberg sie geprägt hat. Stuckrad-Barre hatte dies bereits in seinem Buch Panikherz festgehalten: Lindenberg war für ihn Lebensbegleiter und Mentor. Jan Delay hob hervor, dass Lindenbergs unkonventioneller Umgang mit Sprache ihn schon als Jugendlicher inspiriert hat. Statt Moralpredigt vermittelte Lindenberg mit einem Augenzwinkern und einem Bier in der Hand Werte und Haltung – für viele zugänglicher als die mahnenden Worte von Eltern oder Lehrern.

Ausblick

Der Abend in der Laeiszhalle war damit mehr als ein Konzert oder eine Lesung – er war eine Hommage an einen der Erfinder der deutschsprachigen Rockmusik. Im kommenden Jahr feiert Udo Lindenberg seinen 80. Geburtstag, und „Vorglühen“ bildete den Auftakt zu diesem Jubiläum. Schon in der kommenden Woche wird das Programm erneut aufgeführt – diesmal in der Elbphilharmonie.


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