Bremen – Es ist ein Freitagabend in Bremen. Das traditionsreiche 3nach9-Studio in der Diepenau 10 ist erfüllt von konzentrierter Betriebsamkeit, leichtem Bühnenlicht und der Vorfreude auf eine Sendung, die wieder einmal viel mehr ist als bloße Unterhaltung. Während der Sendungsaufzeichnung begrüßen Judith Rakers und Giovanni di Lorenzo ein ebenso vielseitiges wie beeindruckendes Gästepanel – darunter bekannte Namen, aufstrebende Talente und Menschen mit bewegenden Geschichten. Dass diese 3nach9-Ausgabe zu den besonders erinnerungswürdigen gehören würde, deutet sich schon in den ersten Minuten an. Sie wird am 25. Juli 2025 um 22:00 Uhr im NDR/Radio Bremen Fernsehen ausgestrahlt.
3nach9 © Nordevents
Den Auftakt des Abends machen zwei Menschen, die sich seit frühester Kindheit kennen – nicht nur, weil sie verwandt sind. Die Geschwister Annette und Jörg Pilawa berichten offenherzig über ihre gemeinsame Vergangenheit, aber auch über die Herausforderungen des Lebens, die sie über Jahrzehnte noch enger zusammengeschweißt haben. Annette, als älteres Geschwisterkind eine Art frühe Mentorin für Jörg, reiste viele Jahre lang als Sportjournalistin um die Welt, bevor sie als Filmproduzentin ihre zweite berufliche Heimat fand. Ihr Bruder Jörg, einer der bekanntesten TV-Gesichter Deutschlands, hat in seiner langen Karriere Tausende Quizformate moderiert – nicht zuletzt das beliebte „Quizduell“. Die familiäre Wärme, die zwischen den beiden zu spüren ist, überträgt sich sofort aufs Publikum. Besonders in Erinnerung bleibt eine humorvolle Anekdote über eine sportjournalistische Verwechslung: Als Jörg für eine Weltmeisterschaft akkreditiert werden sollte, erhielt er nur eine Zutrittsberechtigung für die Europameisterschaft – und erhielt damit keinen Zugang zum Stadion. Annette sprang ein und organisierte kurzerhand Zugang, Interviewpartner und Hintergrundinfos – eine Szene, die viel über das funktionierende Zusammenspiel der beiden Geschwister verrät.
Im Anschluss ging es mit Louis Philippson weiter – ein junger Pianist, gerade einmal 20 Jahre alt, der nicht nur an der Universität BWL studiert, sondern auch auf TikTok ein Millionenpublikum mit klassischen und popkulturellen Klavierinterpretationen begeistert. Doch was der Zuschauer an diesem Abend erlebt, ist nicht einfach „nur“ ein musikalischer Beitrag. Schon zu Beginn der Sendung sorgt Philippson für eine außergewöhnliche Überraschung: Er improvisiert für jeden einzelnen Gast eine kleine Melodie – mal verspielt, mal emotional, mal charmant augenzwinkernd. Der Saal reagiert mit herzlichem Lachen und begeistertem Applaus. Später folgt ein Solo, das die Grenzen zwischen klassischer Virtuosität und popkultureller Spielfreude verschwimmen lässt. Kaum zu glauben, dass dieser Künstler noch am Anfang seiner Karriere steht.
„Quizgott“ schlägt ChatGPT
Im direkten Kontrast dazu steht der souveräne Auftritt von Sebastian Jacoby, vielen besser bekannt als der „Quizgott“ aus der ARD-Show „Gefragt – Gejagt“. In der Sendung zeigt sich schnell, warum er diesen Spitznamen trägt: Mit analytischer Klarheit, einem trockenen Humor und bemerkenswerter Bescheidenheit berichtet der studierte Historiker von seiner täglichen Routine zwischen Beruf und Quiztraining. Jacoby arbeitet in Teilzeit als Controller bei ThyssenKrupp – eine bewusste Entscheidung, wie er erklärt, um genügend Zeit für seine Leidenschaft, das Wissensquiz, zu haben. Dass er dabei auf Auswendiglernen ebenso wie auf schnelle Auffassungsgabe setzt, wird in der Sendung spürbar. Seine Faszination für gute Quizfragen ist ansteckend – selbst eine Frage, die laut ChatGPT nicht einmal er beantworten könne, beantwortete er souverän: „J“ ist der Buchstabe, der nicht im Periodensystem der Elemente vorkommt.
Es folgt Sally Özcan, eine der erfolgreichsten Social-Media-Unternehmerinnen Deutschlands. Was sie auszeichnet, ist nicht nur ihre unternehmerische Schlagkraft – mit inzwischen über 80 Mitarbeitenden führt sie ein Millionenunternehmen –, sondern auch ihr Humor und ihre Nahbarkeit. Ursprünglich studierte sie Lehramt, erzählt sie, und wird bis heute regelmäßig von ihrer ehemaligen Schule gefragt, ob sie nicht doch zurückkommen möchte. Ihre Antwort sei jedes Mal freundlich – aber eindeutig: Sie sei angekommen. Wie sie ihr Unternehmen aufgebaut hat und wie wichtig für sie familiäre Unterstützung war, schildert sie mit Leichtigkeit – und großer Inspiration für all jene, die von Selbstständigkeit träumen.
Tiefgründiger wird es im Gespräch mit Barbara Jost, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Ihr Auftritt bei 3nach9 ist für sie ein Lebenstraum – und das merkt man. Behutsam, aber deutlich spricht sie über die Vorurteile, die Menschen noch immer gegenüber psychiatrischen Erkrankungen haben. „Psychische Gesundheit geht uns alle an“, sagt sie – und plädiert für einen offeneren gesellschaftlichen Umgang. Ihre Geschichten aus dem beruflichen Alltag berühren, ohne zu beschweren, und bieten Einblicke in einen oft übersehenen Teil des Gesundheitssystems.
Den Abschluss des Abends gestaltet Heinz Strunk, Bestsellerautor und Musiker, mit der ihm eigenen Mischung aus Ironie, Melancholie und literarischer Brillanz. Offen erzählt er von seiner langjährigen Erfahrung mit einer Psychose, wie viele seiner Werke aus Phasen tiefer seelischer Krisen entstanden und warum er seinen Künstlernamen – einst als augenzwinkerndes Pseudonym gewählt – mittlerweile bereut. Sein neues Werk, das er in der Sendung vorstellt, ist düster, pointiert – und von jener sprachlichen Wucht, die ihn zu einem der wichtigsten Autoren seiner Generation gemacht hat.
Die knapp zweistündige Sendungsaufzeichnung vergeht wie im Flug. Was bleibt, ist der Eindruck eines Abends, der weit über Fernsehunterhaltung hinausgeht: persönlich, klug, überraschend – und zutiefst menschlich.































