Bremen, 26. Juni 2026 – Als der erste Schlag auf die Drum Wall fiel und sich der Rhythmus wie eine Schockwelle durch den Saal bewegte, war klar: Hier beginnt keine gewöhnliche Varieté-Show. Hier beginnt etwas, das den Puls höherschlagen lässt. Es war nicht das erste Mal, dass „impulse“ in Bremen gastiert – der Showname hallte schon 2017 durch die Weser-Metropole. Doch was das GOP in dieser Spielzeit 2026 auf die Bühne brachte, war eine völlig neue Besetzung, ein frischer Atem, eine Neuinterpretation: dieselbe pulsierende Energie, aber mit anderen Gesichtern, anderen Körpern, anderen Geschichten mit einem außergewöhnlichen Drummer als Schlaggeber.
impulse © Nordevents
Ein Fest der Sinne an der Weser
„Impulse“ – der Untertitel lautet „heart – beat – art“ – ist eine Produktion von GOP showconcept, die Percussion, Tanz, Licht und Artistik unter einem gemeinsamen Dach vereint. Regie führt Nikos Hippler, der die Show auch vorstellte. Das Herzstück der Inszenierung war eine gigantische Drum Wall im Background, die nicht nur akustisch dominierte, sondern als monumentales Bühnenstück den gesamten Raum strukturierte. Wenn das Ensemble daran antrat und Stille in Klang verwandelte, vibrierte buchstäblich der Saal. Der ganze Kulissenbau mit seinen 150 Drumsets hat vor 9 Jahren stolze 35.000,- € gekostet. Viel verschlang die Technik, da die Felle auf Schläge beleuchtungstechnisch reagieren und ein ausgefeiltes Mapping erstellt wurde, damit auf jedes einzelne Fell separat projiziert werden kann.
Acht Nationen, ein Herzschlag
Die Besucher saßen erwartungsvoll im wohltemperierten Saal und warteten auf den Beginn der Premiere, während es draußen mit gut 36 Grad der bislang wärmste Tag des Jahres war.
Das Ensemble von „Impulse“ vereinte Künstlerinnen und Künstler aus acht Nationen, von Deutschland bis Vietnam, die vor dieser Produktion noch nie gemeinsam auf einer Bühne standen. Und genau das machte den besonderen Reiz dieses Abends aus: Man spürte den frischen, ungebändigten Impuls einer Gemeinschaft, die sich ihre eigene Sprache erst noch erfindet – und es auf meisterliche Weise tat.
Das rhythmische Herz der Show war Romain Vicente, der französische Lead-Drummer, dessen Spiel weit über das Handwerkliche hinausgeht. Vicente ist kein Schlagzeuger im klassischen Sinne – er ist ein Epiker der Rhythmen, ein Taktgeber, der den Saal mit seinen Sticks in Schwingung versetzt. Wenn er spielte, wippte der Fuß, klopften die Finger auf den Tisch, wurde man selbst zum Teil der Show.
Pedro Santos, der portugiesische Ausnahmekünstler, den viele als „Pedro Sax“ kennen, brachte Saxofon, Komik und Leichtigkeit in diese kraftvolle Welt. Er ist kein Clown im traditionellen Sinne, sondern ein Poet der Bewegung – ein Geschichtenerzähler, der mit einem Augenzwinkern Brücken baut.
Ein Impuls kommt selten allein
Der aus Japan stammende Wahlberlinerin Kanae Mito betrat als erster Act die Bühne und verband fernöstliche Eleganz mit der Erfindung schwierigster Figuren. Er beeindruckte weniger durch spektakuläre Effekthascherei als durch Eleganz, perfekte Technik und eine außergewöhnliche Bühnenpräsenz. Dabei wirke ihre Darbietung so mühelos, dass das Publikum die enorme körperliche Anstrengung nur erahnen konnte.
Quoc Huy Bui, der vietnamesische Cyr-Wheel-Virtuose, verband technische Brillanz mit künstlerischer Innovation. Er hat sein Cyr mit einer zusätzlichen runden Stange „aufgepimpt“ und so bot sich eine besondere Darstellung. Sein Didgeridoo-Beatbox-Auftritt gehörte zu den unvergesslichen Momenten des Abends.
Der brasilianische Luftartist Marco Motta hingegen hob die Seele buchstäblich aus dem Körper: An den Strapaten schaffte er Bilder von roher, abstrakter Schönheit und wurde dafür bereits beim renommierten Festival Mondial du Cirque de Demain in Paris ausgezeichnet.
Handstandkünstlerin Talya Micheletty, ein Kind der traditionsreichen französischen Zirkusfamilie Micheletty erhielt sie ihre erste Ausbildung an der Zirkusschule ihrer Eltern, bevor sie an der renommierten Accademia d’Arte Circense in Verona ihre Technik weiter verfeinerte. Den Segen des Papstes hat sie vor einiger Zeit bekommen, sodass ihr Auftritt auch wieder perfekt klappte.
Wenn das Licht im Saal des GOP Varieté-Theaters dimmte schlug die Stunde des Duo Bliss (engl. für Glückseligkeit oder pures Entzücken). Das gefeierte Duo von Nadiia Kotliar und dem ehemaligen Wrestler Myroslav Shuliakov zog das Publikum mit einer Partner-Darbietung (Adagio) in den Bann.
Im Takt des Augenblicks
Alexandra Tikhonovich, aufgewachsen zwischen Zirkusmanege und Rhythmischer Sportgymnastik, begeisterte mit einem Hula-Hoop-Feuerwerk, das roh und raffiniert zugleich ist.
Das Duo Ubuntu verband mit der fast vergessenen Kunst des Hairhanging auf berührende Weise Tradition und Moderne. Hairbanging hat man im GOP Varieté schon öfters erleben dürfen, aber noch nie von einem seltenen Duo.
Der Jongleur Domenyk La Terra mit australisch-italienischen Wurzeln hat gerade einen Weltrekord aufgestellt: 170 Catches mit 9 Bällen und auch im GOP zeigte er Artistik auf Weltklasse-Niveau. Sein Ball-Jonglage-Act brach mit alten Klischees und setzt stattdessen auf absolute Klarheit und Rhythmus. Seine Ball-Sequenzen formten mithilfe eines roten Balls scheinbar architektonische Strukturen, die sich im Bruchteil einer Sekunde wieder auflösen und neu zusammensetzen.
Fazit: Ein Abend, der länger blieb als er dauerte
Die rund zwei Stunden Spielzeit inklusive Pause vergingen wie im Flug – getrieben von modernen Rhythmen und Beats höchster Intensität, erzeugte die Premiere ein Freiheitsgefühl, das noch lange nach dem Schlussapplaus nachhallte.
„Impulse“ ist kein Show-Konzept, das man schnell wieder vergisst, auch uns war die erste Show vor 9 Jahren immer noch in Erinnerung. Es war eine Premiere, der sich ins Gehör bohrte, unter die Haut ging und im Kopf vibrierte, noch wenn man längst wieder auf dem Heimweg war. Das GOP Bremen zeigte mit dieser Premiere, dass Varieté kein Museum der darstellenden Künste ist – sondern ein lebendiger, kühner und aufregender Ort der Gegenwart.
Wer sich von pulsierender Energie, internationalem Spitzenkönnen und einem Abend voller WOW-Momente mitreißen lassen möchte, sollte sich Tickets sichern. „Impulse“ gastiert noch bis zum 27. September 2026 im GOP Varieté-Theater Bremen.
































































































































