AB SYNDROM: „Abriss“

Gregor Eder

Albumcover von AB Syndrom: „Abriss“ – dunkles, abgerissenes Papier mit ausgefranster Risskante vor weißem Grund

Manchmal landen Alben auf meinem Tisch, bei welchen ich wirklich etwas überfordert bin. AB Syndrom ist ein Berliner Duo, bestehend aus Bennet Seuss (Vocals) und Anton Bruch (Drums/Production), welches mir mit ihrem Album „Abriss“ zum ersten Mal zu Gehör gekommen ist. Einen Genre-Begriff für die beiden zu finden, ist schon eine gewaltige Herausforderung, da das Duo sich gefühlt keine Grenzen setzt und auch in den Texten sehr viele Themen anspricht. Jedenfalls wurde am 28.08.2026 das Album „Abriss“ veröffentlicht und nach einigen Hördurchgängen wird es nun endlich Zeit, dass ich meine Gedanken sammle und euch über die Scheibe berichte.

Losgelegt wird mit einem 11 Sekunden langen Intro, in welchem man etwas reißen hören kann. Darauf folgt der Song „Du fehlst in meinem Life“, welcher mit einer interessanten Mischung an elektronischen Elementen und Effetkten aufwartet. Der Titel stellt gleichzeitig den Refrain dar, welcher recht unmissverständlich die Sehnsucht nach dem Gegenüber nach einer Beziehung thematisiert. „Nichts zurück“ folgt mit etwas tanzbarerem Beat und bringt textlich eine Auseinandersetzung mit der Zerrissenheit, welche vor und nach einem Beziehungsende auftreten kann. Die inhaltliche Schwere und aufgekommene Melancholie nimmt auch in „Was ich seh“ ihren Lauf.

Bewertung: 6 von 10 Punkten
GENRE: Electro-Pop
VÖ: 28.08.2026
Format: CD / Vinyl / Digital
Label/Vertrieb: Herr Direktor
Rezensent: Gregor

Der Text erinnert etwas an „Walking In My Shoes“ von Depeche Mode, wobei die Instrumentalisierung in eine absolut andere Richtung geht. Jedenfalls wird hier infrage gestellt, wie alles wäre, wenn das Gegenüber durch die eigenen Augen sehen könnte. „Onomatopoesie“ folgt und treibt langsam dahin, bevor „Kann nicht einfach alles so bleiben“ minimal auflockert. Letztgenannter Song klingt vorerst etwas hoffnungsvoller als die anderen, doch schnell wird klar, dass es hier um den Stillstand, welcher einen in einer Beziehung festhalten kann, geht.

Darauf wird ein Zwischenspiel von 30 Sekunden namens „Zusammen reißen“ eingeworfen, welches hauptsächlich mit interessanten Vocal-Effekten auftrumpft. „Anders“ und „Alphabet“ machen es von der Instrumentalisierung her wieder etwas leichtfüßiger, und auch „Seidenen Faden“ bringt eine schöne Synthie-Soundlandschaft. „IRL“ kehrt dann in die Richtung von zuvor zurück: emotionale Stimme, ruhige Synths und drückende Sub-Kick. Zum Schluss findet das Album mit „Schulter“ dann ein doch noch sehr positives Ende.

Fazit

Inhaltlich gibt das Album wirklich viel her. Es wirkt, als hätte hier jemand lange reflektiert und seine Lebenserfahrung recht poetisch niedergeschrieben, sowie vertont. Jeder, der schon einmal eine Beziehung hatte, welche leider nicht geklappt hat, findet sicherlich in den Texten einige Punkte, welche einem bekannt vorkommen. Für mich wirkt das Album mehr wie eine Vertonung eines Gedichtbandes, da das Instrumentale selten in den Vordergrund tritt.

Ohne die Vocals wäre das Ganze für mich eine Ansammlung an etwas seltsamen Synthie-Sounds mit Kick. Ich habe lange versucht, einen Zugang zu dem Album zu bekommen, doch schlussendlich holt es mich einfach nicht ab. Die Vocals sind schon sehr gelungen, doch über die Zeit wirken die damit vermischten Effekte etwas abgedroschen. Im Großen und Ganzen ist „Abriss“ ein sehr interessantes Album, welches mich aber bedauerlicherweise nicht wirklich beeindrucken konnte. Daher vergebe ich 6 von 10 Punkten.

Tracklist von AB Syndrom: „Abriss“

  1. Riss
  2. Du fehlst in meinem Life
  3. Nichts zurück
  4. Was ich seh
  5. Onomatopoesie
  6. Kann nicht einfach alles so bleiben
  7. Zusammen reißen
  8. Anders
  9. Alphabet
  10. Seidenen Faden
  11. IRL
  12. Schulter

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