Kinostart: April 2026 (Deutschland)
Produktion: GK Films / Lionsgate
Genre: Biografie | Drama | Musik
Darsteller: Jaafar Jackson, Colman Domingo, Miles Teller, Nia Long, Kat Graham, Laura Harrier, Larenz Tate, Kendrick Sampson
Regie: Antoine Fuqua
Länge: 127 Minuten
FSK freigegeben ab: 12 Jahre
Verleih: Universal Pictures (Deutschland)

„Michael“ – Ein Biopic, das glänzt und doch nicht leuchtet
Heute startet in den deutschen Kinos ein Film, auf den viele lange gewartet haben: „Michael„, das große Leinwand-Porträt über Michael Jackson. Regisseur Antoine Fuqua hat sich an eine der schillerndsten und zugleich widersprüchlichsten Figuren der Popgeschichte gewagt. Das Ergebnis ist ein Film, der musikalisch mitreißt, aber als Biografie erstaunlich zahm bleibt.
Ein Leben im Schnelldurchlauf
Fuqua erzählt Jacksons Werdegang von den Anfängen als Kinderstar bei den Jackson Five in den 1960ern bis zur Victory Tour 1984. Dazwischen liegt eine Karriere, die ihresgleichen sucht: der Durchbruch als Solokünstler, die Zusammenarbeit mit Quincy Jones, die Entstehung von „Thriller“. Der Film reiht diese Stationen aneinander, gibt ihnen opulente Bilder und lässt das Publikum in die Musik eintauchen. Doch genau hier liegt das Problem: Zwischen den ikonischen Momenten bleibt wenig Raum zum Atmen. Man springt von Meilenstein zu Meilenstein, ohne dass der Mensch hinter dem Star wirklich greifbar wird.
Jaafar Jackson überzeugt – der Film weniger
Die größte Stärke des Films ist zweifellos sein Hauptdarsteller. Jaafar Jackson, Neffe des echten Michael und hier in seinem Filmdebüt zu sehen, liefert eine bemerkenswerte Leistung ab. Seine Bewegungen auf der Bühne wirken so präzise und authentisch, dass man stellenweise vergisst, nicht den echten King of Pop zu sehen. Auch in den leiseren Momenten gelingt es ihm, eine verwundbare Seite der Figur anzudeuten – nur gibt ihm das Drehbuch leider zu selten die Gelegenheit dazu.
Colman Domingo bringt als tyrannischer Vater Joe Jackson eine bedrohliche Intensität mit, die dem Film seine stärksten dramatischen Szenen beschert. Der Konflikt zwischen Vater und Sohn ist der emotionale Motor der Geschichte – und praktisch der einzige, den Fuqua wirklich zulässt.
Die große Leerstelle
Was den Film am meisten belastet, ist das, was er nicht zeigt. Die Missbrauchsvorwürfe, die Jacksons Leben ab 1993 überschatteten, werden komplett ausgeklammert – teils aus rechtlichen Gründen, teils wohl aus Rücksicht auf die Jackson-Familie, die als Executive Producers am Film beteiligt ist. Auch Janet Jackson existiert in dieser Filmwelt schlicht nicht, da sie ihre Darstellung offenbar nicht gewünscht hat.
Man kann einem Biopic nicht vorwerfen, dass es sich auf einen bestimmten Lebensabschnitt beschränkt. Aber man kann ihm vorwerfen, dass es selbst innerhalb dieses Rahmens vor den Widersprüchen seiner Hauptfigur zurückschreckt. Jacksons zunehmende Isolation, sein kompliziertes Verhältnis zum eigenen Körper, seine Flucht in eine kindliche Fantasiewelt – all das wird bestenfalls angedeutet, nie wirklich durchdrungen.
Spektakel ohne Tiefgang
Technisch ist „Michael“ tadellos gemacht. Die Konzert- und Musikvideo-Nachstellungen sind beeindruckend, die Ausstattung aufwendig, der Soundtrack naturgemäß erstklassig. Wer sich zwei Stunden lang von Jacksons Musik tragen lassen möchte, kommt auf seine Kosten. Wer aber einen Film erwartet, der sich ernsthaft mit einem der faszinierendsten und tragischsten Künstler des 20. Jahrhunderts auseinandersetzt, wird enttäuscht.
Mit nur 32 Prozent positiven Kritiken auf Rotten Tomatoes fällt das Urteil der internationalen Filmkritik deutlich aus. Dennoch rechnet die Branche mit einem fulminanten Kinostart – die Marke Michael Jackson zieht nach wie vor. Ein zweiter Teil, der die spätere Karriere abdecken soll, ist bereits in Planung. Ob er sich traut, die unbequemeren Kapitel zu erzählen, bleibt abzuwarten.
Letztlich ist „Michael“ ein Film, der seinem Protagonisten in gewisser Weise ähnelt: makellos an der Oberfläche, aber unter der glänzenden Fassade überraschend leer. Schade – denn gerade ein so widersprüchliches Leben hätte einen mutigeren Film verdient.














