Werfen wir einmal einen Blick nach Osnabrück! Dort hat sich 2012 ein Quintett formiert, welches sich stetig weiterentwickelt und einen Schritt nach dem Anderen gemacht hat. Hi! Spencer haben 2015 „Weiteratmen“, 2019 „Nicht raus, aber weiter“, 2014 „oben“ und nun am 21.08.2026 „immernie“ veröffentlicht. Das somit vierte Album bringt 11 frische Songs, doch bevor wir auf jene eingehen sei einmal geklärt, wer hinter dem Bandnamen steckt. Hi! Spencer sind Jan Niermann (Bass/Tasten/Vocals), Janis Petersmann (Guitar/Vocals), Malte Thiede (Guitar/Vocals), Niklas Unnerstall (Drums) und Sven Bensmann (Vocals).
Letztgenannten kennt ihr vielleicht durch seine wirklich genialen Aktivitäten im Stand-Up-Sektor, doch mit Hi! Spencer geht es diesmal in eine etwas andere Richtung. Als Spaß-Scheibe kann man das Album nicht wirklich beschreiben, da sich „immernie“, wie man schon etwas am Titel erahnen kann, mit den Gegensätzlichkeiten des Lebens auseinandersetzt. Der Opener „Mein Tal“ zeigt mit der Dynamik aus nachdenklichen Versen und doch positiv wirkenden Refrain direkt die angesprochenen Gegensätze. Vom Sound her bekommt man direkt soliden Indie Rock, mit einem dezenten Hang zum Pop, serviert.

„Wenn der Sommer geht“ bringt dann eine doch starke Melancholie mit sich und liefert textlich eine Aufarbeitung einer verlorenen Beziehung. Mit „Unsere Jahre“ ist man dann vollends im Indie-Rock angekommen und bleibt mit Sätzen wie „Ich hab schon lang nicht mehr geweint. Ich finde täglich neue Gründe, dann lass’ ich’s lieber sein.“ bei der vorher erwähnten Melancholie. „Gespenster“ nimmt dann wieder etwas an Fahrtwind auf, bringt eine nette Referenz auf Super Mario und wirkt wesentlich hoffnungsvoller als sein Vorgänger. Hier wird mit einem brauchbaren Tempo schön Spannung aufgebaut bevor es mit „An dem Tag der niemals kam“ weiter geht. Der Track hält aus instrumentaler Sicht die Stimmung aufrecht, auch wenn es textlich eher wieder in Richtung Reflexion geht.
Mit „Heimweh“ bekommt einen Sound auf die Ohren, welcher wie etwas ruhige Mumford and Sons klingt, inklusive Chor-Gesang im Refrain. „Raufasertapete“ wartet mit einem tanzbaren Beat auf, bevor „Restlichtverstärker“ sich zuerst ruhig und eher getragen verhält und dann mit einem doch eher Post-Rock-artigen Riff überrascht. „Motel One“ bring einen schön sozialkritischen Text und dezenten 90er-Vibe.
Mit „Elefanten“ wird noch eine wirklich feine Bass-Line herausgehauen, welche den trampelnden Elefanten im Raum schön in Sound übersetzt. „Alle sagen das“ bearbeitet zum Abschluss das Thema des Zwiespalts zwischen Innenansicht und Außensicht einen selbst betreffend.
Fazit:
Ich muss gestehen, dass ich Hi! Spencer zwar schon auf dem Schirm hatte, doch erst durch gewisse YT-Shorts von Bensmann wieder auf sie aufmerksam wurde. Als ich mich dann wieder etwas in die Geschichte und Alben der Band eingearbeitet hatte, konnte ich einen gewissen Satz im Presseschreiben, welcher besagte, dass Hi! Spencer wie eine Kaugummiblase gewachsen sei, vollends zustimmen. Wenn die Herren so wie auf diesem Album weitermachen, dann habe ich auch keine Sorge, dass die Kaugummiblase, wie auf dem Cover ersichtlich, zerplatzt.
Die Songs bringen zwar durchwegs eine starke Melancholie mit sich, bieten dann aber auch textlich genügend Zeilen die so lebensnah sind, dass man direkt mitfühlt. Im Großen und Ganzen haben Hi Spencer mit „immernie“ einige eingängige Riffs und schön nachdenklich stimmende Texte geliefert und daher vergebe ich 9 von 10 Punkten.
Tracklist
- Mein Tal
- Wenn der Sommer geht
- Unsere Jahre
- Gespenster
- An dem Tag der niemals kam
- Heimweh
- Raufasertapete
- Restlichtverstärker
- Motel One
- Elefanten
- Alle sagen das














