Von Katrine Engberg
Erscheinungstermin: 26. September 2024
Genre: Kriminalroman
Einband: Paperback / Klappenbroschur (flexibler Einband)
Seitenzahl: 432 Seiten
ISBN: 978-3-492-06512-2
Verlag: Piper Verlag

Klappentext:
Der neue Nr. 1-Bestseller aus Dänemark – Liv Jensen bekommt einen neuen Fall auf den Tisch: Ein iranisch-dänischer Mann wurde mit aufgeschnittener Kehle auf der Insel Vorsø gefunden. Von seinen beiden jugendlichen Kindern, mit denen er dort zelten war, fehlt jede Spur. Falls sie den Täter gesehen haben, schweben sie in höchster Gefahr.
Livs Ermittlungen führen sie allerdings zunächst in eine ganz unerwartete Richtung: Sie stößt auf einen jungen Flüchtling und ein Verbrechen, das 30 Jahre zuvor im Auffanglager Sandholm begangen und bis heute nicht aufgeklärt wurde. Was Liv nicht ahnt: Shirin, die Tochter des Ermordeten, ist ganz in ihrer Nähe. Sie hat Zuflucht bei Nima Ansari gefunden, einem Freund der Familie, der vor vielen Jahren aus dem Iran floh und heute Livs Nachbar ist.
Inhalt/ Rezension:
Auf der abgelegenen Insel Vorsø schlägt Liv Jensen, ehemalige Polizistin und nun Privatermittlerin, einen harten Fall auf ihren Tisch: Beim gemeinsamen Camping mit seinen Kindern ist ein iranisch-dänischer Vater brutal ermordet worden – seine Kehle aufgeschnitten. Von seinen beiden jugendlichen Kindern fehlt jede Spur. Die Frage, ob sie den Täter gesehen haben, lässt Liv die Dramatik begreifen: Shirin und ihr Bruder sind womöglich das nächste Opfer.
Während sich Liv in die Ermittlungen stürzt, lotet sie nicht nur geografische Räume, sondern auch zeitliche Abgründe aus. Der Anspruch, die Unsicherheit der Gegenwart zu verstehen, führt sie in ein dunkles Kapitel dänischer Flüchtlingsgeschichte: im Lager Sandholm, vor dreißig Jahren, wurde ein Verbrechen verübt, das bis heute ungeklärt blieb. Liv trifft dabei auf Menschen, deren Leben noch immer unter dem Schatten jener Vergangenheit leiden.
Shirin, die Tochter des tot aufgefundenen Vaters, taucht schließlich bei Nima Ansari unter – einem Freund der Familie und Livs Nachbarn. Nima, einst selbst ein Flüchtling aus dem Iran, lebt mit seiner eigenen Geschichte im stillen Dasein neben Liv. In Shirin erkennt er ein Spiegelbild seiner eigenen Ängste und Schutzbedürftigkeit. Liv, die so versucht, die rationale Ermittlerin zu bleiben, wird immer mehr zur Gefährtin auf einem Weg, auf dem private Bindungen und professionelle Distanz kollidieren.
Das Setting – die raue Insellandschaft Dänemarks – fungiert nicht nur als malerische Kulisse, sondern als Spiegel der inneren Isolation und emotionalen Frostigkeit, die viele der Figuren umgibt. Die Atmosphäre ist dicht, getragen von Livs inneren Konflikten und dem Drang, sich der Schuldgeschichte zu stellen, statt sie zu verdrängen. Die Themen sind vielschichtig: Flucht, Verdrängung, Schuld, Erinnerung, Solidarität und die Suche nach Heimat werden meisterhaft miteinander verknüpft. Engberg versteht es, dass nicht jeder Mord nur mit forensischen Mitteln gelöst wird – manchmal sind es Bruchstücke emotionaler Hinterlassenschaften, die den Weg zur Wahrheit ebnen.
Liv selbst steht im Zentrum dieses moralischen Labyrinths. Sie ringt mit Entscheidungen: Wie weit darf persönliche Nähe gehen? Ist sie bereit, die Privatheit eines Kindes zu verletzen, um es zu schützen? Während sie Stück für Stück das Netz aus Lügen, Schweigen und Schutzaufgaben entwirrt, lernt sie mehr über sich selbst und das, was sie als Pflicht, aber auch als Verantwortung gegenüber Opfern und Überlebenden begreift.
Engbergs Sprache ist von emotionaler Klarheit und nordischer Kühle zugleich geprägt. Sie entwirft keine überhöhte Dramatik, sondern lässt in leisem Duktus die Spannungen wachsen. Die Figuren sind keine archetypischen Ermittler*innen, sondern Menschen mit verzweifelten Hoffnungen und komplexen Geschichten. Und während der Fall fortschreitet, öffnet sich der Blick auf eine Gesellschaft, die zwischen Humanität und Amnesie schwankt.
Fazit:
Emotional einladend und dennoch mit analytischem Scharfsinn – „Aschezeichen“ zieht den Leser in ein Netz aus Gegenwart und Vergangenheit, Schuld und Schutz. Die Figuren wirken authentisch, ihr Leid und ihr Mut spürbar. Engberg schafft es, Spannung aufzubauen ohne Klischees; jede Seite trägt Gewicht. Besonders beeindruckend: Die Balance zwischen Thriller-Power und sozialer Tiefe – das Buch bleibt lange nach dem Lesen im Kopf. Für Menschen, die mehr als einen Krimi suchen, ist dies ein leises, stimmiges Meisterstück.
Autor/in:
Katrine Engberg, geboren 1975 in Kopenhagen, war zunächst als Tänzerin, Choreografin und Regisseurin im dänischen Fernsehen und Theater erfolgreich. Später wechselte sie zur Kriminalliteratur und etablierte sich mit ihrer „Kopenhagen-Thriller“-Reihe. In Deutschland wurde sie besonders durch ihre Liv-Jensen-Reihe mit dem Debüt „Glutspur“. Ihre Werke zeichnen sich durch psychologische Tiefe und atmosphärische Dichte aus. Engberg lebt mit ihrer Familie in Kopenhagen.














