Eisiges Glas

Antje

Von Anders de la Motte

Erscheinungstermin: 02.12.2024
Genre: Skandinavischer Kriminalroman / Noir

Einband: Gebundenes Buch
Seitenzahl: 544 Seiten
ISBN: 978-3-426-30955-1

Verlag: Verlag

Bewertung: 8 von 10
Klappentext:

Skandinavisches Noir vom Feinsten – atmosphärisch dicht und hoch spannend von der ersten Seite an. Kaum hat Kriminalinspektorin Leonore Asker ihren ersten Fall als Leiterin der Abteilung für „hoffnungslose Fälle“ gelöst, meldet sich ihr lange verschollener Vater. Der als Prepper lebende Mann steht unter Verdacht, in den Tod eines Urban Explorers verwickelt zu sein – eines Mannes, dessen Leiche auf mysteriöse Weise ohne Augen aufgefunden wurde. Und je mehr Leo in den Fall eintaucht, desto klarer wird: Ohne ihre Hilfe wird sich ihr Vater seiner Verhaftung wohl nur mit Gewalt entziehen können.

Parallel erhält Leos Kindheitsfreund Martin Hill einen ungewöhnlichen Auftrag: Auf einer abgelegenen Privatinsel soll er die Biografie eines exzentrischen Wissenschaftlers verfassen. Doch je weiter er in der Einsamkeit forscht, desto mehr stößt er auf düstere Legenden – von unerklärlichen Lichtern am Himmel, von geheimen Tunneln, und von weiteren Körpern, bei denen Augen keine Rolle mehr spielen.

Dies ist der zweite Fall für Leo Asker und ihr Team von Außenseitern – tough, ungewöhnlich und voller finsterer Überraschungen.

Inhalt/ Rezension:

In Eisiges Glas entfaltet sich eine Geschichte, die so viel mehr ist als ein bloßer Kriminalfall: Sie ist ein psychologisches Geflecht aus familiären Verstrickungen, existenziellen Fragen und schwedischer Noir-Atmosphäre.

Wir begegnen Leonore Asker, die gerade erst einen schwierigen Fall hinter sich gebracht hat. Sie ist tough, reflektiert und kennt die Schattenseiten des Lebens, nicht zuletzt, weil ihre Vergangenheit voller Brüche und unerfüllter Nähe zu ihrem Vater steckt. Als dieser nach jahrelangem Schweigen plötzlich in ihr Leben zurückkehrt, ist Leos erste Reaktion nicht Mitgefühl, sondern Skepsis und alte Wut. Doch der Verdacht, er könnte in den brutalen Tod eines Urban Explorers verwickelt sein, lässt sie keine Wahl: Sie muss ermitteln – nicht nur, um die Wahrheit zu finden, sondern auch, um die dünne Faser zwischen Liebe und Verrat nicht endgül­tig zerreißen zu lassen.

Parallel dazu arbeitet Martin Hill, Leos Jugendfreund, in einer scheinbar ganz anderen Welt: auf einer abgelegenen Privatinsel mit einem alten Observatorium. Sein Auftrag ist scheinbar harmlos – eine Biografie über einen exzentrischen Forscher – doch schnell stößt Martin auf Dinge, die weit über ein normales Autorenleben hinausgehen. Mysteriöse Lichter über dem See, unheimliche Geschichten der Einheimischen und schließlich weitere Tote ohne Augen führen ihn in ein Labyrinth von Skepsis, Mythos und Wissenschaft.

Was Eisiges Glas so stark macht, ist die stete Gegenüberstellung von innerem und äußerem Frost: Die abgelegenen Orte, die eisige Landschaft Skandinaviens und die trostlosen Lost Places spiegeln auf beklemmende Weise die inneren Konflikte der Charaktere wider. Leo und Martin sind zwei Seiten derselben Medaille: beide suchen Antworten in einer Welt, die auf den ersten Blick rational erscheint, bei näherem Hinsehen aber voller Geheimnisse steckt.

Der Autor spielt meisterhaft mit der Spannung zwischen Rationalität und Mystik, zwischen dem Drang nach Kontrolle und dem unheimlichen Gefühl, dass manche Wahrheiten besser im Dunkeln geblieben wären. Dabei bleibt er stets nah an seinen Figuren: Leo, die sich zwischen Pflichtgefühl und familiärer Enttäuschung bewegt; Martin, der den schmalen Grat zwischen Forscherdrang und persönlicher Zuversicht immer wieder neu austariert.

Und so fühlt sich Eisiges Glas wie ein psychologischer Roman an, der in der Bekleidung eines Thrillers daherkommt. Es ist eine Reise in die inneren Spiegelungen unserer Ängste – und eine Erinnerung daran, dass es manchmal nicht die greifbaren Beweise sind, die uns verfolgen, sondern die Fragen, die wir uns nie zu stellen gewagt haben.

Fazit:

Eisiges Glas ist ein Krimi mit Herz und Verstand: atmosphärisch dicht, überraschungsreich und literarisch anspruchsvoll – zugleich aber so einladend geschrieben, dass man das Buch fast schon atemlos durchliest. Die Figuren wirken echt, ihre Konflikte tief, und die schwedischen Schauplätze entfalten eine Kälte, die zu einer inneren Auseinandersetzung mit Wahrheit und Vertrauen wird. Trotz einiger komplex verschlungener Erzählstränge verliert der Roman nie den roten Faden – im Gegenteil: Er spinnt ihn kunstvoll weiter in eine Welt, die noch lange nachhallt.

Eine eindrucksvolle Mischung aus klassischem Krimi und psychologischem Noir, die sowohl Genre-Fans als auch Liebhaber tiefgründiger Figurenzeichnungen begeistern wird.

Autor:

Anders de la Motte wurde 1971 in Billesholm, Schweden, geboren. Er arbeitete mehrere Jahre als Polizist in Stockholm und später in der Sicherheitsbranche, bevor er sich dem Schreiben zuwandte – ein Erfahrungsschatz, der seinen Krimis Authentizität und Tiefe verleiht. Sein Debütroman Game wurde mit dem Preis der Schwedischen Akademie der Krimiautoren ausgezeichnet, und auch spätere Werke wie UltiMatum gehörten zu den gefeierten Bestsellern in Schweden. De la Motte lebt mit seiner Familie in der Nähe von Malmö und hat sich mit zahlreichen Reihen und Einzelromanen als profilierter Autor des skandinavischen Noir etabliert.


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