VON PJ Harrison
Erscheinungstermin: 30.5.2025
Genre: Biografie / Musik
Einband: Gebundenes Buch (Hardcover) mit Schutzumschlag
Seitenzahl: 336 Seiten
ISBN: 978-3-492-07388-2
Verlag: Piper Verlag, München
Wie sich Liam und Noel Gallagher über Jahre bekriegten – und doch nicht ohneeinander konnten
Wenn man an Oasis denkt, denkt man an Hits wie Wonderwall, Champagne Supernova oder Don’t Look Back in Anger. Aber genauso schnell schießen einem Begriffe wie „Streit“, „Egokampf“ oder „legendäre Pressekonferenzen“ in den Kopf. Genau hier setzt P.J. Harrisons Biografie „Gallagher“ an – und erzählt die Achterbahnfahrt der berühmtesten Brüder des Britpop so, wie sie wirklich war: ungeschönt, laut, ehrlich und überraschend nahbar.
Harrison ist kein distanzierter Biograf – er war selbst als Roadie und Tourmanager im erweiterten Oasis-Kosmos unterwegs. Er kennt die Familie, die Crew, die Plattenbosse, und genau deshalb wirkt dieses Buch nicht wie eine typische Biografie, sondern eher wie ein intimer Rückblick eines Kumpels, der alles miterlebt hat. Und genau das macht’s so stark.
Von Burnage auf die Bühnen der Welt
Die Geschichte beginnt dort, wo alles angefangen hat: im Arbeiterviertel Burnage in Manchester. Zwei Brüder, eine zerrüttete Familie, wenig Perspektive. Liam – impulsiv, laut, stylisch. Noel – introvertiert, musikalisch, kontrollierend. Als Noel zur Band seines Bruders dazustößt, beginnt eine der wildesten Erfolgsgeschichten der Musikgeschichte. Definitely Maybe schlägt ein wie eine Bombe, Morning Glory macht sie zu den größten Rockstars Europas.
Harrison nimmt uns mit in Studio-Sessions, auf Tourbus-Fahrten, hinter die Bühne von Glastonbury – mit einer Mischung aus Anekdoten, O-Tönen und trockenem Humor. Man merkt, wie viel Nähe er zu den Beteiligten hatte. Kein Fanboy-Geschwafel, sondern ein ehrlicher Blick auf zwei Typen, die sich ständig streiten und trotzdem einander brauchen wie keine anderen.
Kein Miteinander, kein Gegeneinander
Der spannendste Teil des Buches? Ganz klar der Zerfall der Band. 2009 ist Schluss – und das Drama drumherum ist filmreif. Gitarren fliegen, Türen knallen, Interviews eskalieren. Danach folgen Jahre der Stille – zumindest was persönliche Treffen betrifft. In der Presse schießen sich beide regelmäßig ab. Liam nennt Noel einen „Kartoffelkopf“, Noel nennt Liam „a man with a fork in a world of soup“.
Aber was Harrison in diesem Buch gut herausarbeitet: Trotz allem Hass gab’s immer diese unterschwellige Verbindung. Interviews, in denen Noel über Liams Stimme spricht – fast bewundernd. Und umgekehrt. Zwei Brüder, die wie Magnetpole auseinanderdriften – aber nie ganz loskommen.
Die Reunion 2025 – ein Pop-Moment für die Geschichtsbücher
Was viele nicht für möglich hielten, passierte dann doch: 2024 erste geheime Studio-Sessions, 2025 die offizielle Reunion. Oasis sind zurück. Und Harrisons Buch greift diese Entwicklung clever auf. Schon in den letzten Kapiteln deutet sich an: da bahnt sich was an.
Dann kam der 4. Juli 2025 in Cardiff – der erste gemeinsame Auftritt nach 16 Jahren. Keine große Ansage. Keine Inszenierung. Einfach Liam, der Noel auf die Bühne holt – „Here he is… our kid“. Und plötzlich spielt die Band Live Forever. Tränen in den ersten Reihen, ein Kloß im Hals bei Millionen Livestream-Zuschauer:innen.
Harrison kommentiert das nüchtern, aber spürbar bewegt. Denn wer seine Biografie liest, versteht: Diese Reunion ist nicht nur musikalisch wichtig – sie ist emotional gewaltig. Zwei Brüder, die sich nach Jahren voller Vorwürfe auf der Bühne in den Armen liegen. Nicht als Show. Sondern echt.
Warum das Buch genau jetzt der perfekte Begleiter ist
Wer das Buch jetzt liest, hat den perfekten Soundtrack zur Reunion-Tour. Man versteht die alten Konflikte, die verletzten Egos, die schwierige Familiengeschichte – aber auch das unfassbare Talent und die Magie, die Oasis einst zu Superstars machte.
Der Bildteil in der Mitte bietet rare Fotos aus der Frühzeit – inklusive Backstage-Schnappschüssen, Studio-Momenten und einem handgeschriebenen Setlist-Zettel von 1994. Das alles verleiht dem Buch zusätzliche Authentizität.
Fazit: Gallagher – ein Buch wie ein Oasis-Song
„Gallagher“ ist keine glatte Künstlerbiografie. Es ist ein leidenschaftliches, manchmal raues, immer ehrliches Porträt zweier Typen, die Rockgeschichte geschrieben haben – und sich dabei fast selbst zerstört hätten. Aber wie es in einem ihrer größten Hits heißt: Maybe you’re gonna be the one that saves me… Und vielleicht haben sie sich am Ende ja doch gegenseitig gerettet.














