Oststolz

Jonas Sehlen

Von Alexander Prinz

Erscheinungstermin: 01. September 2025
Genre: Memoir / Gesellschaft / Zeitgeschichte
Einband: Taschenbuch
Seitenzahl: 256 Seiten
Verlag: Knaur

Bewertung: 10 von 10

„Oststolz“ erzählt sehr direkt, wie Alexander Prinz im Osten nach der Wende aufgewachsen ist. Er beschreibt ein Leben, das viele kennen, aber über das selten öffentlich gesprochen wird: wenig Geld zu Hause, marode Schulen, Eltern, die selbst noch mit dem Zusammenbruch der DDR klarkommen mussten, und eine Jugend, in der man immer das Gefühl hatte, schlechtere Karten zu haben als Gleichaltrige im Westen.

Er schreibt darüber, wie es war, als Kind im Osten plötzlich die volle Wucht der „neuen Welt“ abzubekommen: Supermärkte voller Sachen, die es vorher nicht gab. Markenklamotten, die zum Statussymbol wurden. Westfernsehen, das gezeigt hat, wie sehr man „hinterher“ ist. Und gleichzeitig ein Ort, in dem Arbeitslosigkeit, Frust und Perspektivlosigkeit zum Alltag gehörten.

Prinz erklärt auch, wie dieser Mix aus Hoffnung und Enttäuschung viele Jugendliche geprägt hat: Manche gingen weg, manche blieben hängen, manche wurden wütend, manche resignierten. Er selbst fand erst spät heraus, wie sehr ihn dieser Hintergrund geprägt hat — und wie viel davon auch heute noch in ihm steckt.

Ein großer Teil des Buches besteht aus Momenten, die vielen Ostdeutschen sofort bekannt vorkommen:

  • Schulhöfe, auf denen man nach Kleidung bewertet wurde
  • Familien, die sparen mussten, bis es weh tat
  • Großeltern, die immer noch „DDR-Routinen“ hatten
  • das Gefühl, von Politik und Gesellschaft nicht ernst genommen zu werden
  • Witze und Vorurteile über Ostdeutsche, die man dauernd zu hören bekam

Gleichzeitig hat das Buch eine positive Botschaft: Prinz fordert dazu auf, sich für seine Herkunft nicht zu schämen. Er zeigt, dass Ostbiografien etwas Wertvolles sind — nicht perfekt, aber ehrlich, widerstandsfähig, und oft viel stärker, als man denkt. Er schafft es, Kritik zu üben, ohne bitter zu wirken, und Stolz zu zeigen, ohne andere abzuwerten.

„Oststolz“ ist ein Buch für alle, die wissen wollen, warum viele Ostdeutsche so denken und fühlen, wie sie es tun. Es ist verständlich, persönlich, emotional, aber auch politisch — ohne kompliziert zu werden. Man merkt: Hier schreibt jemand, der es wirklich erlebt hat.

Autor

Alexander Prinz wuchs in einem Dorf in Sachsen-Anhalt auf und gehört zu der Generation, die „zwischen zwei Welten“ aufgewachsen ist: alte DDR-Strukturen zu Hause, der Westen draußen vor der Tür. Später wurde er bekannt als Content-Creator und politischer Kommentator. Seine Themen: soziale Herkunft, Ungerechtigkeit, Ost-West-Debatte und die Frage, wie man mit wenig Startkapital trotzdem seinen Weg gehen kann.


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