Von Volker Kutscher
Erscheinungstermin: 24. Oktober 2024 (1. Auflage)
Genre: Historischer Kriminalroman
Einband: Gebunden (Hardcover)
Seitenzahl: 624 Seiten
ISBN: 978-3-492-07410-0
Verlag: Piper Verlag

Klappentext:
Familie Rath steuert auf ein dramatisches Ende zu: Gereon hat nach der Rückkehr aus den USA ein Versteck in Rhöndorf bei Bonn bezogen und schlägt sich nach Berlin durch, um Charly beizustehen. Sie muss Hannah Singer aus den Wittenauer Heilstätten befreien und Fritze verteidigen, der unter Mordverdacht gerät. Der Judenhass wächst und mit der Reichspogromnacht kulminiert eine Entwicklung, die Charly vorhergesehen und Gereon lange geleugnet hat.
Damit ist beiden klar: Ein Leben in Deutschland ist so nicht mehr möglich, Widerstand ist geboten. Haben sie eine gemeinsame Zukunft und wo würde die liegen? Mit gewohnt hoher Spannung, historischer Tiefenschärfe und psychologischer Figurenzeichnung bringt Volker Kutscher seine Erfolgsserie zu einem offenen Abschluss.
Inhalt:
Der zehnte Band der Gereon-Rath-Reihe führt uns in den Herbst 1938 – eine Zeit, in der sich das politische Klima Deutschlands in beängstigender Schnelligkeit verdunkelt. Gereon Rath ist nach seiner Rückkehr aus den USA nicht in seine alte Heimatstadt eingekehrt, sondern hält sich im Rheinland in Rhöndorf versteckt – als Gärtner bei einem gewissen Adenauer – und ist durch die Rücksicht auf seinen sterbenden Vater emotional gebunden. Berlin hingegen, die Stadt, bleibt für ihn eine leise drohende Inkarnation von Gefahr.
Seine Frau, Charlotte „Charly“ Rath, agiert im pulsierenden Zentrum der Verfolgung und des Widerstands. Sie muss nicht nur ihren ehemaligen Pflegesohn Fritze freikämpfen, der unter Mordverdacht steht, sondern auch Hannah Singer aus den Wittenauer Heilstätten befreien – ein Auftrag, der tief in die Grauen des Regimes führt. Als sich die politische Bedrohung zuspitzt, beginnt der frostige November, in dem die Synagogen in Flammen aufgehen – die Reichspogromnacht. Charly hat diese Entwicklung seit langem befürchtet; Gereon hatte sich ihr gegenüber lange verschlossen.
Das Zusammenspiel von privatem Leid und politischer Gewalt bildet das emotionale Herz des Romans: Eine Familie, die zerrissen ist, als sie sich zusammenschließen muss, um zu überleben. Der Autor gelingt es, atmosphärische Dichte aufzubauen – das benommene Gefühl einer Nation, die sich selbst verliert, während einzelne versuchen, sich zu retten oder zu widersetzen. Die Figuren bleiben keine bloßen Symbole: Gereon ist gezeichnet von inneren Kämpfen zwischen Pflicht und persönlicher Sicherheit, Charly strahlt Entschlossenheit und Verletzlichkeit zugleich aus. In ihrem Tun – für Fritze, für Hannah, für eine Zukunft – liegt eine leise Rebellion gegen das Unfassbare.
Der historische Hintergrund – die Angst, das heimatliche Berlin als Ort des Grauens wiederzuerkennen, die schnell wachsende Judenverfolgung, der zerrissene deutsche Alltag – ist mit großer Authentizität und Tiefe gestaltet. Keine pathetischen Überzeichnungen, sondern ein fein kalibrierter Blick auf Menschen am Rand des Untergangs. Und der Fokus bleibt auf das Innenleben der Familie und ihres Umfelds gerichtet – ohne Zitate, ohne direkte historische Referenz, aber mit geisterhafter Präsenz des drohenden Unheils. Der Roman schließt bewusst offen: Kein triumphierendes Happy-End, aber auch kein resignierter Abbruch – ein schmerzhaft realistischer Schlussstrich unter eine Ära, die endet, während Hoffnung und Zusammenhalt noch aufflammen.
Fazit:
„Rath“ ist ein kraftvolles, atmosphärisch dichtes Bühnenbild für das Ende einer Ära, in der persönliche Verantwortung und politisches Erwachen kollidieren. Kutscher meistert die Balance zwischen historischer Tiefe und psychologischer Präsenz: Durch seinen feinsinnigen Blick auf Gereon und Charly entsteht ein Werk, das emotional bewegt und zum Nachdenken zwingt. Ein würdiger Abschied aus der Gereon-Rath-Reihe – bewegend, klar und voller Spannung.
Autor:
Volker Kutscher, Jahrgang 1962, studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie. Er begann seine berufliche Laufbahn als Lokalredakteur und Drehbuchautor. Mit „Der nasse Fisch“, dem ersten Band der Gereon-Rath-Reihe (erstveröffentlicht 2008), schuf er nicht nur eine erfolgreiche Krimiserie, sondern – durch die Adaption der Reihe – auch die Vorlage für die preisgekrönte Fernsehserie „Babylon Berlin“. Seine historisch fundierten, atmosphärisch dichten Romane sind längst zur festen Größe im historischen Krimigenre geworden.














