Usedom

Wolfgang Karg

Von Sabine Becht & Sven Talaron

Erscheinungstermin: 03/2026
8., überarbeitete Auflage
Genre: Reiseführer / Reiseliteratur
Einband: Kartoniert (Taschenbuch / Paperback)
Seitenzahl: 232 Seiten
ISBN: 978-3-96685-259-3

Verlag: Michael Müller Verlag (MM-Reisen)

Bewertung: 8 von 10
Inhalt/ Klappentext:

Anders reisen und dabei das Besondere entdecken: Mit den aktuellen Tipps aus den Michael-Müller-Reiseführern gestalten Sie Ihre Reise individuell, nachhaltig und sicher.

Sonnenhungrig? Ab nach Usedom! Mehr Sonne gibt es in ganz Deutschland nicht: Eine gemittelte Langzeitmessung des Deutschen Wetterdienstes ergab 1.917,5 Stunden Sonne pro Jahr. Sabine Becht und Sven Talaron zeigen Ihnen in unserem Reiseführer „Usedom“ in der aktuellen Auflage auf 232 Seiten mit 135 Farbfotos alle Ecken der Sonneninsel im Norden Deutschlands. Acht Wanderungen und Touren samt GPS-Tracks führen Sie in jeden Winkel der Insel und lassen Sie Usedom hautnah erleben. Dank der 37 Karten und Pläne sind Sie immer optimal orientiert. Ökologisch, regional und nachhaltig wirtschaftende Betriebe sind kenntlich gemacht. Alles vor Ort für Sie recherchiert und ausprobiert.

Zahlreiche eingestreute Kurz-Essays vermitteln interessante Usedomer Anekdoten und Hintergrundinformationen. Die Geheimtipps von Sabine Becht und Sven Talaron erschließen Ihnen die Highlights der Insel ebenso, wie Sehenswertes abseits ausgetretener Pfade. Erprobte Tipps und nützliche reisepraktische Ratschläge runden den Reiseführer „Usedom“ ab.

Rezension:

Wer Usedom kennt, kennt oft nur den Strand. Die weißen Strände der Kaiserbäder, die Seebrücken, die Bädervillen – das ist das Usedom der Postkarten. Becht und Talaron beginnen genau dort. Und lassen es dort nicht enden.

Der Reiseführer erschließt die Insel von Süden nach Norden, von Westen nach Osten, und versteht es dabei, jedem Abschnitt eine eigene Stimmung zu geben. Die drei Kaiserbäder Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin bilden den Auftakt. Hier war einmal die Sommerfrische der wilhelminischen Gesellschaft zuhause. Die Autoren lassen diese Geschichte lebendig werden. Sie beschreiben die Architektur der Bädervillen nicht als Kulisse, sondern als erzähltes Gedächtnis. Wer durch Heringsdorf spaziert und dieses Buch gelesen hat, schaut anders hin.

Usedom Stadt und Swinemünde – auf polnischer Seite als Świnoujście – bekommen eigene Kapitel. Dieser Übergang über die Landesgrenze ist einer der stillen Höhepunkte des Bandes. Świnoujście ist nicht einfach das Ende der Insel, sondern ein vollwertiges Reiseziel mit eigenem Charakter, eigener Geschichte und einer Atmosphäre, die sich von den deutschen Badeorten deutlich unterscheidet. Becht und Talaron begleiten den Leser über die Grenze – ohne Berührungsangst, mit echtem Interesse.

Die Inselmitte, oft übersehen, bekommt den Raum, den sie verdient. Der schmale, bewaldete Streifen zwischen Achterwasser und Ostsee rund um Koserow und Lüttenort ist ein Usedom für sich. Stiller, grüner, abseits. Vier kleine Seebäder dicht an dicht, jedes mit eigenem Gesicht. Die Autoren empfehlen konkret: dieses Café, jene Wanderstrecke, diesen Aussichtspunkt. Es sind keine allgemeinen Empfehlungen. Es sind persönliche Beobachtungen.

Der Norden überrascht. Zinnowitz mit seiner erhaltenen Bäderarchitektur ist bekannt. Peenemünde dagegen ist ein Ort, der nachdenklich macht. Das ehemalige Raketenversuchszentrum der Nationalsozialisten, heute ein Technikmuseum, wird im Buch mit historischer Ernsthaftigkeit behandelt. Die Autoren vermeiden Sensationalismus. Sie erklären. Das tut gut.

Das Hinterland entlang von Peenestrom und Achterwasser ist das stille Herzstück dieses Reiseführers. Kaum Tourismus, viel Natur, Schilfgürtel, Fischerboote, kleine Dörfer. Becht und Talaron schreiben über diese Landschaft mit einer Zuneigung, die sich überträgt. Man möchte sofort hin.

Der Reiseführer verlässt die Insel auch. Das nahe Festland – Greifswald, Wolgast, Anklam – wird mitgenommen. Greifswald als lebendige Universitätsstadt mit eindrucksvoller Altstadt und gotischen Kirchen. Wolgast als Tor zur Insel, unterschätzt und charmant. Anklam als Geburtsort Otto Lilienthals, des Flugpioniers. Dieser Ausflug ins Festland ist kein Anhang. Er ist ein echter Mehrwert.

Kurz-Essays sind über den ganzen Band verteilt. Usedoms Geschichte als DDR-Urlaubsziel, die besondere Bäderarchitektur, die Vogelwelt am Achterwasser, die Entwicklung des Tourismus nach 1990. Jeder Essay liest sich in wenigen Minuten. Jeder hinterlässt etwas.

Fazit:

Dieser Reiseführer ist kompakt. 232 Seiten – das ist schlank für ein Reiseziel, das so viele Schichten hat. Und genau darin liegt sein Geheimnis. Becht und Talaron haben nicht alles hineingepackt, was möglich gewesen wäre. Sie haben das Richtige hineingepackt. Die Auswahl ist präzise, die Sprache klar, die Haltung zum Reisen konsequent: lieber tiefer als breiter, lieber ehrlich als vollständig.

Die 8. Auflage liegt in kartoniertem Einband vor und ist damit tatsächlich reisepraxistauglich – leicht, handlich, strandtauglich. Die 37 Karten und Pläne, die GPS-Wanderungen und die App-Ergänzung machen aus dem Buch ein digitales Gesamtpaket.

Kleiner Vorbehalt: Wer ausschließlich an Badeurlaub interessiert ist und nie über den Strandkorb hinausschauen möchte, wird vieles im Buch nicht brauchen. Für alle anderen ist es genau richtig.

Autorin:

Sabine Becht wurde in Wiesbaden geboren und studierte in Bamberg Amerikanistik und Kommunikationswissenschaft. Seit 1997 ist sie Autorin zahlreicher Reisebücher, unter anderem zu Italien, Mecklenburg-Vorpommern, Österreich und Griechenland. Sie schreibt seit Studienbeginn für den Michael Müller Verlag.

Sven Talaron (Jahrgang 1969) studierte Geschichte und Germanistik und arbeitet seitdem als Reiseautor. Er ist Autor zahlreicher Reiseführer zu Deutschland, insbesondere Mecklenburg-Vorpommern, sowie zu Italien, Griechenland und Österreich. 2016 erhielt er gemeinsam mit Sabine Becht für „Usedom“ den ITB BuchAward, 2018 für „Mecklenburg-Vorpommern“.


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