Von Martin Zimmermann
Erscheinungstermin: 18.05.2026
Genre: Sachbuch / Alte Geschichte / Archäologie
Einband: Gebundene Ausgabe
Seitenzahl: 544 Seiten
ISBN: 978-3-406-83619-0
Verlag: C.H. Beck, München

Troja, Pompeji, Ninive – und wie die Antike selbst auf ihre Ruinen geschaut hat
Wer heute durch Pompeji läuft, macht Fotos, denkt kurz ans Vergehen der Zeit und kauft am Ende einen Kühlschrankmagneten. Dieses Gefühl – Ehrfurcht, Wehmut, ein bisschen Schauer – ist aber ein sehr modernes Ding. Die Menschen der Antike haben auf dieselben Orte komplett anders geschaut. Keine Nostalgie, kein Denkmalschutz, kein Bewahren. Wer Steine brauchte, nahm Steine. Martin Zimmermann stellt genau diese Frage: Wie hat die Antike ihre eigenen versunkenen Städte wahrgenommen? Die Antwort ist überraschender als man denkt.
Zimmermann ist Professor für Alte Geschichte an der LMU München und hat schon mit „Die seltsamsten Orte der Antike” gezeigt, dass man über diese Epoche auch jenseits von trockenem Schulbuchstoff schreiben kann. Das neue Buch ist dicker, breiter, ambitionierter – und mit 544 Seiten klar ein Schwergewicht.
Städte sterben – und das war in der Antike ganz normal
Der Grundgedanke des Buches ist eigentlich simpel: Städte wurden damals nicht als unvergänglich betrachtet. Sie entstehen, wachsen, sterben – und dann baut man woanders neu. Als Alexander Persepolis zerstörte, haben die Leute wenig später die Steine für eine Siedlung nebenan auseinandergenommen. Kein Gedenken, kein Museum, kein schützenswertes Erbe. Einfach Material.
Zimmermann belegt das mit antiken Quellen: Strabon, Plinius, Pausanias, Herodot. Das zweite Kapitel, das diese Quellen ausführlich vorstellt, ist nach Aussage des Autors selbst übersprungwürdig, wenn man nicht jedes Detail kennen will. Das ist ungewöhnlich offen für ein wissenschaftliches Sachbuch – und ein nützlicher Hinweis.
Von Troja bis Babylon: was das Buch bereist
Zimmermann nimmt sich eine ganze Reihe versunkener Städte vor:
- Troja – von Homer zur Legende gemacht, im griechischen Alltag aber längst vergessen
- Mykene – Zentrum einer Hochkultur, dann plötzlich verlassen
- Ninive – Hauptstadt des Assyrerreichs, nach dem Untergang für Jahrhunderte aus dem Gedächtnis gefallen
- Korinth – von Rom zerstört, dann wiedergebaut, ein Sonderfall
- Pompeji – der einzige Ort, dessen Untergang durch Zufall eingefroren wurde
- Babylon und Persepolis – politisch vernichtet, physisch ausgeschlachtet
Was das Buch wirklich kann
Der Perspektivwechsel ist die eigentliche Stärke. Nicht „was ist von diesen Städten geblieben”, sondern „wie haben Menschen damals auf das Verschwinden geschaut”. Was wir heute in Ruinen hineinlesen, sagt vor allem etwas über uns aus – nicht über die Antike. Nostalgie ist ein Luxus der Moderne. Das klingt banal, sitzt aber.
Das Buch ist ordentlich ausgestattet: 13 farbige Bildtafeln, 8 Karten, umfangreicher Anhang. Für knapp 40 Euro bekommt man etwas, das man nicht in einer Woche weglegt.
Fazit: Nicht jede Seite ist leicht – aber der Grundgedanke bleibt
Wer sich durch alle Strabon-Exkurse durchkämpft, wird belohnt. Wer das zweite Kapitel überspringt, auch. Der Kerngedanke ist so einfach wie treffend: Was wir in alte Ruinen projizieren, erzählt von uns – nicht von der Antike. Das bleibt.
Autor:
Martin Zimmermann ist Professor für Alte Geschichte an der LMU München und einer der bekanntesten deutschen Wissenschaftler, die ihr Fach für ein breites Publikum aufschreiben. Bei C.H. Beck hat er zuletzt „Die seltsamsten Orte der Antike” veröffentlicht, außerdem Bücher über Augustus und Pergamon. „Versunkene Welten” erscheint in der Historischen Bibliothek der Gerda Henkel Stiftung – einer Reihe, die Forschung aus dem Elfenbeinturm holt.














