Von Andreas Fulda
Erscheinungstermin: 20.03.2026
Genre: Sachbuch / Politik
Einband: Taschenbuch
Seitenzahl: 155 Seiten
ISBN: 978-3-406-84618-2
Verlag: C.H. Beck, München

Ein Krieg, der noch nicht stattgefunden hat – und sich trotzdem schon wie Erinnerung liest
Russland marschiert in die Ukraine, Trump greift den Iran an, und über allem hängt die Frage: Wann ist Taiwan dran? Genau in diese Stimmung platzt Andreas Fuldas Buch – und es macht etwas Ungewöhnliches. Statt ein nüchternes Sachbuch zu schreiben, baut der Politikwissenschaftler ein durchgespieltes Kriegsszenario auf, das am 28. Februar 2027 mit einem abgestürzten chinesischen Kampfjet in der Taiwanstraße beginnt. Eigentlich ein Unfall – doch Peking nimmt ihn zum Anlass. Von da an läuft die Uhr, Datum für Datum, Eintrag für Eintrag, bis China Fakten schafft.
Fulda ist kein Zufallsautor für dieses Thema. Er lehrt als außerordentlicher Professor an der University of Nottingham, hat acht Jahre in China und Taiwan gelebt und gearbeitet und gilt seit Jahren als scharfer China-Kritiker. Den Auftrag zum Buch bekam er vom Beck-Verlag – nach dem Erfolg von Carlo Masalas „Wenn Russland gewinnt“. Man darf das ruhig wissen, denn es erklärt einiges am Ton: Hier will jemand nicht erklären, hier will jemand wachrütteln.
Vier Phasen bis zum Fall der Insel
Das Szenario ist klar gebaut und läuft in vier Phasen ab. Erst der Informationskrieg: Desinformation, Einflussagenten, eine westliche Öffentlichkeit, die zögert und sich ablenken lässt. Dann die Seeblockade, mit der China die Insel langsam abschnürt. Es folgt der eigentliche Angriff – und schließlich die „verspäteten Verteidiger“, in denen der Westen reagiert, als längst alles entschieden ist. Fulda spielt das nicht als großen Knall durch, sondern als schleichende Eskalation, bei der am Ende niemand sagen kann, wann genau der Punkt ohne Rückkehr überschritten wurde.
Das Erschreckende ist weniger der chinesische Vormarsch als die Reaktion des Westens. Die USA mischen sich ein, aber zu spät und zu zögerlich. Europa ist gespalten, das transatlantische Verhältnis bröckelt. Wer die Vorgeschichte des Ukraine-Kriegs noch im Kopf hat, erkennt das Muster sofort wieder – und genau darauf zielt Fulda.
Ein paar Elemente, die das Szenario tragen:
- Ein zunächst harmloser Zwischenfall im Luftraum, der zum Kriegsgrund umgedeutet wird
- Eine Allianz aus China, Russland, Iran und Nordkorea, die Fulda als informelle Achse beschreibt
- Das Jahr 2027 als Zielmarke, das auf reale Geheimdienstangaben zu Xi Jinpings Vorgaben zurückgeht
- Deutschland, das wegen seiner Wirtschaftsverflechtung mit China besonders hart getroffen wird
- Ein regionaler Konflikt, der ins Ringen zwischen den USA und China um die Weltherrschaft kippt
Zwischen Thriller und Weckruf
Fulda nennt seinen Ansatz selbst einen Hybrid aus Analyse, kontrafaktischer Geschichte und Weckruf. Das ist Stärke und Schwäche zugleich. Die Tagebuchform zieht einen rein, man liest weiter, weil man wissen will, wie der nächste Eintrag aussieht. Gleichzeitig fragt man sich an manchen Stellen, ob man gerade einen Thriller liest oder ein Pamphlet. Kritiker haben das Buch genau dazwischen verortet – und der Vorwurf ist nicht ganz von der Hand zu weisen.
Stark ist das Buch dort, wo es konkret wird: bei den ökonomischen Folgen für Deutschland, bei der Abrechnung mit dem Glauben an „Wandel durch Handel“. Im dritten Teil verlässt Fulda die Fiktion ganz und legt vier Thesen vor, wie sich das Szenario verhindern lässt – von einem härteren Umgang mit China bis zur Stärkung von Taiwans Verteidigungsfähigkeit. Das ist der Teil, der über das reine Gedankenspiel hinausgeht.
Fazit: Ein Szenario, das man hoffentlich nie zur Realität abgleichen muss
„Wenn China angreift“ ist kein Buch, das man liest, um schlauer einzuschlafen. Es ist ein Weckruf in Romanform, dicht, schnell, manchmal überzeichnet, aber selten langweilig. Wer eine neutrale Einführung in die Taiwan-Frage sucht, ist hier falsch – dafür ist Fulda zu meinungsstark. Wer aber wissen will, wie sich ein Krieg anfühlen könnte, der bisher nur in Geheimdienstberichten steht, bekommt ein verstörend plausibles Gedankenspiel. Und am Ende bleibt die unangenehmste Frage von allen: Was, wenn das hier weniger Fiktion ist, als uns lieb ist?
Autor
Andreas Fulda, geboren 1977 in Bonn, ist Politikwissenschaftler, Sinologe und Experte für die Beziehungen zwischen China und der EU. Er studierte in Köln, London (SOAS) und Berlin und promovierte an der Freien Universität Berlin. Heute lehrt er als außerordentlicher Professor für Politik an der University of Nottingham. Fulda hat sich vor allem als pointierter China-Kritiker einen Namen gemacht und publiziert regelmäßig in Medien wie FAZ, WirtschaftsWoche, NZZ und Foreign Policy. Zu seinen früheren Arbeiten zählen wissenschaftliche Bände zur Zivilgesellschaft und Demokratisierung in China sowie zu den EU-China-Beziehungen.














