Ich bin immer wieder darüber erfreut, wenn ich Alben von Legenden serviert bekomme, die ich schon etwas aus den Augen verloren habe. Der mittlerweile mit 3 Grammy Awards ausgezeichnete Singer-Songwriter und Pianist Bruce Hornsby hat am 03.04.2026 sein frisches Album „Indigo Park“ veröffentlicht. Nachdem Hornsby auf über 100 Alben vertreten ist, ist es etwas schwer zu sagen um das wievielte es sich bei „Indigo Park“ handelt, doch es dürfte circa das 23. sein.
Jedenfalls hat sich der Ausnahmekünstler dafür entschieden sich etwas gegen den von ihm zu erwartenden Sound zu stellen und dem Album auch ein gewisses Konzept zu geben. Einerseits wird hier multidimensionale untersucht auf welche Art und Weise wir uns erinnern, aber ebenso wie man vergisst. Musikalisch äußert sich diese Herangehensweise einerseits in großen Intervallsprüngen und Takt-Wechseln, andererseits textlich in der Vortragsweise aus der ersten Person, abgesehen von „Alabama“ und „Might As Well Be Me, Florinda“, welche Hornsby mit dem verstorbenen Grateful Dead Texter Robert Hunter geschrieben hat. Aber beginnen wir einmal am Anfang.
Der Titeltrack „Indigo Park“ lässt sich als Rückblick auf ein eher unglückliches Konzert von Hornsby im Indigo Park Pool in Virginia beschreiben, welcher das Album auf doch recht lässige Art einleitet. Mit „Memory Park“ wird mit simplem Rhythmus, dafür mit vielen interessant elektronischen Elementen, weitergearbeitet. Hier hat sich Ezra Koenig (Vampire Weekend) zu Hornsby gesellt.

Nachdem man sich an den poppigen Sound gewöhnt hat, schlägt Hornsby mit „Entropy Here (Rust In Peace)“ eine ganz andere Richtung ein und serviert eine eindrucksvolle Hip-Hop-Nummer. „Silhoutte Shadows“ wartet dann mit einem ruhigen Piano und gen Ende schön breit atmosphärischen Klängen auf. Nach der kurzen Entschleunigung geht es dann in „Ecstatic“ inlusive Bonnie Raitt eher ekstatisch weiter.
Hier kommt der zuvor schon erwähnte Hip-Hop-Vibe in Kombination mit einem Piano wieder zum Vorschein. Der folgende Song „Alabama“ stammt wie schon erwähnt aus der alten Grateful Dead Schmiede, klingt aber definitiv nicht nach der legendären Band und bringt einen etwas dissonanten Vibe.
„North Dakota Slate Roof“ klingt im Anschluss wieder etwas harmonischer und auch „Silver of Time“ reiht sich hier gut ein. Mit „Might As Well Be Me, Florinda“ liefert Hornsby mit Bob Weir & Blake Mills schön experimentelle 7 Minuten ab, bevor das Album mit einem doch fröhlichen Sound in „Take A Light Strain“ sein Ende findet.
Fazit:
Dieses Album ist definitiv nichts für zwischendurch, oder besser gesagt wäre es eine Schande ein derartig feines Werk nicht aufmerksam durchzuhören. Selbst nach dem dritten Hördurchgang findet man noch immer Feinheiten in den Instrumentals, welche einem noch nicht aufgefallen sind, oder auch neue Interpretationszugänge die Lyrics betreffend. Was mir besonders gut an dem Album gefällt ist, dass jeder Song wirklich für sich selbst spricht, dann aber wiederum die Gesamtdynamik der Scheibe gut funktioniert.
Hier wurden aktiv die Grenzen der Pop-Musik aufgebrochen und mit Experimentierfreude komponiert beziehungsweise arrangiert. Selbst nach mehrmaligem Hören wage ich nicht zu behaupten das Album vollends verstanden zu haben, was für mich ein großer Pluspunkt ist, da es mich dadurch noch einige Zeit beschäftigen wird.
Was mit „Indigo Parks“ serviert wurde, ist kreativ, innovativ und schlussendlich eine wunderbare Inspirationsquelle für Musiker. Ob das Album beim durchschnittlichen Hörer Anklang findet, sei dahingestellt. Meinerseits gibt es für „Indigo Park“ jedenfalls 9 von 10 Punkten.
Tracklist
- Indigo Park
- Memory Palace (feat. Ezra Koenig)
- Entropy Here (Rust In Peace)
- Silhouette Shadows
- Ecstatic (feat. Bonnie Raitt)
- Alabama
- North Dakota Slate Roof
- Silver Of Time
- Might As Well Be Me, Florinda (with Bob Weir & feat. Blake Mills)
- Take A Light Strain













