Ihr wisst ja, dass mich innovative Genre-Bezeichnungen immer wieder neugierig machen. Diesmal kam mir der Begriff Neonpunk unter und jener wird von der 2023 in Brühl, Raum Köln/Bonn, gegründeten Band Die Enterbten zu Gehör gebracht. Mit dem Debütalbum „Niemals Zu Spät“ bringen Sängerin Michaela Ansey, Gitarrist Galal Marzouk, Bassist Mario Hoverath, Keyboarder Guido Rizzato und Drummer Ingo Dudda satte 10 Tracks, auf welche wir uns direkt einmal stürzen werden.
Das Debüt Song für Song
Mit gewaltig „Bock Auf Dieses Leben“ startet die Truppe ihr Debüt. Der Opener hat neben einem klassischen Punk-Vibe sogar stimmlich etwas Ähnlichkeit zu Doro. Man bekommt auch direkt etwas Verständnis für den Begriff Neonpunk und warum die Band auch Nina Hagen als Inspiration anführt. Nach dem starken Start wird mit dem Titeltrack „Niemals Zu Spät“ weiter gerockt und die Nähe zu Hagen noch etwas klarer. Die punkige Seite erinnert stark an den frühen Deutsch-Punk der eher späten 80er. Der New-Wave-Einschlag zeigt sich hauptsächlich durch Guidos Arbeit an den Keys, welche den generell punkigen Sound nochmals etwas verfeinert.

Mit einem klaren „Nein“, welches sich ganz klar gegen egoistisches Verhalten stellt, geht es dann weiter. Schön mystisch läuft dann der Song „Stark Wie Ein Shark“ an, welcher einerseits die möglichen Tiefen und Verführungen des Lebens beschreibt, andererseits aber auch mit motivierender Stärke im Refrain dazu aufruft sich treu zu bleiben.
Wenn man das schafft, dann hat man eigentlich schon den „Hauptgewinn“. Mit diesem Song wird die Liebe zelebriert und passenderweise geht es dann mit dem leicht Hard-Rock-artigen „Einzigartig“ weiter. Dieser Song lässt sich an als Ode an das Selbstbewusstsein und die Einzigartigkeit jeder Person beschreiben. Ein Hauch von Emanzipation, Freiheit und auch Prokrastination zieht sich dann durch die folgenden Songs, bis es „Tik Tak“ macht und die Zeit des Albums leider vorüber ist.
Fazit
Meine Neugier hat sich einmal wieder ausgezahlt! Meine Ansprüche, wenn es um deutschsprachigen Rock/Punk geht, sind doch recht hoch, da es aus meiner Sicht etwas zu viele Bands gibt, welche gar etwas zu stumpf reimen. Dies ist bei Die Enterbten definitiv nicht der Fall. Hier findet man Texte, welche Themen wie Selbstliebe, Abgrenzung, Selbstzweifel oder auch Sexismus auf eine ganz eigene Art behandeln.
Die Instrumentalsektion schafft es mit gutem Drive, aber auch genügend eingängiger Melodie, die Themen gut zu unterstreichen und trotz kritischer Themen eine gewisse Leichtigkeit aufrecht zu halten. Im Großen und Ganzen kann man „Niemals Zu Spät“ als gelungenes Debütalbum bezeichnen, welches New Wave und Punk gekonnt zu Neonpunk vermengt. Somit vergebe ich 8 von 10 Punkten und bleibe gespannt was von Die Enterbten noch so kommen mag. Da meine Neugier nach dem Hören des Albums nicht vollends gestillt war, fragte ich bei der Band um ein Interview an. Was dabei herauskam, könnt ihr –> hier nachlesen:
Tracklist
- Bock Auf Dieses Leben
- Niemals Zu Spät
- Nein
- Stark Wie ein Shark
- Hauptgewinn
- Einzigartig
- Mädchen
- Im Bett Geblieben
- Frei
- Tick Tack














