Kommen wir zu einem Album, oder besser gesagt zu einem Gesamtwerk, welches mir einiges abverlangt hat. Ja ich weiß, ich bin etwas spät dran, doch manchmal lasse ich gerne den Hype bezüglich einer Veröffentlichung an mir vorüberziehen, damit ich mir abseits der freudigen Fans ein Bild machen kann. Es ist auf jeden Fall an der Zeit über das nun letzte Album meiner geliebten Hosen zu sprechen, oder genauer über die letzten zwei Veröffentlichungen der Band.
Mit „Trink aus wir müssen gehen” serviert die Band ihr 16. Studioalbum und mit „Alles muss raus” gab es direkt ein Coveralbum dazu. Bei insgesamt 41 Songs werdet ihr mir hoffentlich verzeihen, dass ich nicht auf jeden eingehe. Beginnen wir einmal mit „Trink aus wir müssen gehen”, denn schon der Opener überrascht. Hier leitet niemand anderes als Farin Urlaub von Die Ärzte ein, bevor die Hosen übernehmen. Ein wirklich emotionaler Einstieg, welcher die angeblich verfeindeten Bands vereint. Spätestens hiermit sollte auch die Fangemeinden verstanden haben, dass der „Beef“ sinnlos ist. Nach der zuckersüßen Einleitung geht es mit „Wir waren nie weg” schön härter weiter. Im Kopf dreht sich der Pogo und auch die „Show muss weitergehen” lässt nicht locker. „Schlechte Nachbarn“ wurde schon vorab veröffentlicht und fetzt richtig fein durch den Gehörgang.

„Lass mal nicht machen” geht schon eher in Richtung Hard Rock, was für gute Abwechslung sorgt. Nicht minder abwechslungsreich geht es dann mit den anderen Songs weiter. Die Hosen haben es sich nicht nehmen lassen ihren altbekannten Vibe mit frischer Experimentierfreude zu vermengen und uns erneut ein großartiges Werk zu schenken, bei welchem man einerseits emotional berührt wird. Aandererseits aber auch großen Bock darauf bekommt, einfach mit zu Gröhlen. Der letzte Song „Trink aus”, stimmt einen dann zwar etwas traurig, aber natürlich liefert Campino genügend hoffnungsvolle Zeilen, um den Abschied nicht allzu hart zu gestalten.
Der Abschied fällt zwar schwer, doch „Alles muss raus” zögert ihn dann doch noch etwas hinaus. Schön beim Anblick der Tracklist war ich absolut beeindruckt. Zum einen ist die Songwahl wirklich interessant, andererseits hätte ich nicht geglaubt einmal eine Version der Hosen von „Forever Young” inklusive Marian Gold von Alphaville vorgelegt zu bekommen. Das Blixa von den Einstürzenden Neubauten, oder Feine Sahne Fischfilet mit von der Partie sind, war mir irgendwo klar, doch all die anderen Kooperationen kamen dann schon etwas überraschend. Schlussendlich ist auch das Cover-Album ein absoluter Genuss und zeigt, dass die Hosen sich nicht nur im Punk einen Namen gemacht haben.
Fazit:
Die Toten Hosen sind und bleiben ein Meilenstein in der Geschichte des deutschen Punks. Die Band hat mit ihrer Musik nicht nur die Welt des Punks bewegt, sondern auch unglaublich viele Musiker inspiriert. Als angekündigt wurde, dass es sich hier um das letzte reguläre Studioalbum der Truppe handelt, war ich schon etwas rührselig, wenn auch ich eigentlich immer auf der Seite der Ärzte stand. Umso schöner war es zu hören, dass gerade Farin Urlaub das letzte Album der Hosen eröffnet. Die beiden Veröffentlichungen zeigen nicht nur, dass die Hosen noch immer gewaltig gut drauf sind, sondern auch welche Freundschaften durch die Arbeit der Band entstanden sind.
Die Covers sind absolut gut gelungen und die Kooperationen wirklich einzigartig. Das letzte Album selbst bringt all das, was man sich von den Hosen erwartet: Zusammenhalt, Rebellion und Liebe zur Musik. Ich kann mich eigentlich nur noch bei den Toten Hosen bedanken und ihnen viel Glück für die Zukunft wünschen.
Mir ist zwar klar, dass das Ganze nicht das absolute Ende der Band, sondern nur der Studioproduktionen bedeutet, doch irgendwo geht hier schon ein Stück Geschichte zu Ende. Daher bedanke ich mich bei der Band für alles! Es hieß „bis zum bitteren Ende” und bis dahin halte ich zu den Hosen und vergebe 10 von 10 Punkten für ein wirklich gelungenes Abschlusswerk!
Tracklist
- Hier sind die Hosen ft. Farin U.
- Wir waren nie weg
- Die Show muss weitergehen
- Schlechte Nachbarn
- Lass mal nicht machen
- Was früher einmal war
- Nur nach vorn
- Keine Macht den Proben
- Was ist mit uns los
- Augen zu (Es regnet Blumen)
- Schicksal
- Glück
- Ich will
- Düsseldorf
- Kein Blatt zwischen uns
- Trink aus
- Ampelstadt (mit Jürgen Engler _ Male)
- 51st State (mit Justin Sullivan _ New Model Army)
- Komplett im Arsch (mit Feine Sahne Fischfile)
- Kinder (mit Bettina Wegner)
- Welt der Wunder (mit Marteria)
- Forever Young (mit Marian Gold _Alphaville)
- Last Rockers (mit Beki Bondage _ Vice Squad)
- Was ist ist (mit Blixa Bargeld _ Einstürzende Neubauten)
- Ich liebe das Leben (mit Vicky Leandros)
- G.L.C. (mit Noel Martin _ Menace)
- Something Better Change (mit Jean-Jacques Burnel _ The Stranglers)
- Schon so lang (mit Hannes Wader)
- A Message To You Rudy (mit Neville Staple _ The Specials)
- Immer nur geliebt (Mit Sven Regener _ Element Of Crime)
- Emotional Blackmail (mit Charlie Harper _ U.K. Subs)
- Kristallnaach (mit Wolfgang Niedecken _ BAP)
- Destroy (mit Koljah _ Antilopen Gang
- Into The Valley (mit Richard Jobson _ Skids)
- Ermutigung (mit Wolf Biermann)
- Meine Familie (mit Sammy Amara _ Broilers)
- Man In The Box (mit Eddie Mooney und Mark Standley _ V2)
- Apokalypse (mit Peter Hein _ Mittagspause, Fehlfarben)
- Self Conscious Over You (mit Greg Cowan _ The Outcasts)
- Junkies und Scientologen (mit Thees Uhlmann)
- Immer wieder besetzt (mit Campino und Kuddel _ ZK)













