LAIBACH: „Musick“

Gregor Eder

Es passiert doch eher selten, dass ich mich an das Genre Avantgarde herantraue, doch wenn es um Laibach geht, dann muss ich einmal über meinen Schatten springen. Die Band, oder besser gesagt das Kollektiv, welches den musikalischen Teil des interdisziplinären Kunstkollektivs Neue Slowenische Kunst darstellt, hat am 01.05.2026 ihr neuestes Werk veröffentlicht und es trägt den Namen „Musick“.

Der Nachfolger von „Alamut“ wartet mit 10 Songs auf, welche man zwar als eingängige Pop-Tracks bezeichnen kann, schlussendlich aber die Meta-Ebene nicht außer Acht lassen sollte. Das lässt sich schon direkt am Opener „Musick“ erkennen. Einerseits bekommt man einen schönen Electro-Pop-Song vorgelegt, andererseits wird hier textlich die Ambivalenz zwischen Übersättigung durch Musik und Obsession mit der Musik bearbeitet. So bekommt der „süße“ Song direkt einen bitteren Beigeschmack und bricht ein doch ernsteres Thema auf.

„Fluid Emancipation“ bringt im Anschluss ein Intro, welches schon fast von einer Entspannungs-CD kommen könnte und stampft dann mit einer Mischung aus 90er-Eurodance und 2000er-Pop durch den Gehörgang. Inhaltlich wird hier auf etwas übertriebene Weise zur Selbstermächtigung beziehungsweise Emanzipation aufgerufen, was etwas wirkt, als würde der Song durch die Übertreibung Selbstverwirklichungsprediger auf die Schippe nehmen. „Singularity“ bringt textlich die Klarstellung, dass man in der Musik zwar danach strebt etwas Einzigartiges zu schaffen, aber trotzdem nur neu interpretiert.

Bewertung: 7 von 10 Punkten
GENRE: Avantgarde
VÖ: 01.05.2026
Format: CD / Vinyl / Digital
Label: Mute
Vertrieb: Pias
Rezensent: Gregor

Das wird im Refrain nochmal mit einer Verarbeitung von Mozarts „Eine kleine Nachtmusik“ untermauert. Mit „Resistencia“ bekommt man etwas von dem von Laibach bekannten Industrial-Sound, inklusive spanischem Text, serviert. „Love Machine“ hält noch die Stimmung, bringt aber Klänge die auch etwas dem Hip-Hop nahe sind, wobei durch den Gesang auch etwas „Souliges“ mitschwingt. Der Song „Luigi Mangione“ bringt einen dezenten Western-Vibe, was nicht verwunderlich ist, wenn man bedenkt, was die thematisierte Person getan hat.

Der doch stark politisch geladene Song sollte am besten vom Hörer interpretiert werden, daher enthalte ich mich einmal meiner Meinung. Als Ausreißer am Album lässt sich „Keep It Real“ beschreiben, denn hier bekommt man rockigere Klänge auf die Ohren. Mit „Yes Maybe No“ ist man dann vollends im 90er-Jahre-Sound angekommen, denn hier bekommt man von atmosphärischen Sounds mit weiblichen Vocals, bis hin zu einem pumpenden Beat alles geliefert, was man aus der Zeit kennt.

Wenn es nicht besser wüsste, könnte man schon fast glauben der Song ist eine Kooperation von DJ Bobo und Snap!. Mit einem epischen Intro wird dann „Allgorhythm“ angestartet und weitergehend klargestellt, dass Laibach keine KI benötigt, um rohe gute Musik zu produzieren. Bei diesem Song hat sich die ghanaische Sängerin Wiyaala zum Kollektiv gesellt und mitunter stand jener auch als potenzieller Song für Sloweniens Beitrag zum ESC 2026 im Gespräch. Mit „Das göttliche Kind“ findet „Musick“ schlussendlich sein Ende und bringt zum Abschluss nochmal eine wilde Fahrt durch A cappella, Elektronik, atmosphärische Klänge und sogar teils deutschsprachigen Text.

Fazit:

Laibach haben es einmal wieder geschafft! Jede Veröffentlichung des Kollektivs bringt zwar klare Botschaften, welche aber direkt wieder Fragen aufwerfen, sodass man sich bei jedem Song in seinen eigenen Interpretationen verlieren kann. Man könnte nun jeden Song auf seine elektronischen Bestandteile analysieren und in Genre unterteilen, doch Laibach ist und bleibt ein beeindruckendes Avantgarde-Projekt, auf welches man sich einlassen muss.

Bei mir hat es eine gewisse Zeit gebraucht um mit Laibach warmzuwerden, doch schlussendlich finde ich die Outputs des Kollektivs immer wieder herausfordernd und dadurch wieder interessant. Vom Sound her hat mich „Musick“ nicht wirklich ganz abgeholt, dafür hat es mich eine längere Zeit inhaltlich beschäftigt. Somit vergebe ich hier 7 von 10 Punkten. Geht gut ins Ohr, wenn man aber genau hinhört und zum Nachdenken beginnt, kann es schnell etwas anstrengend werden.

Tracklist
  1. Musick
  2. Fluid Emancipation
  3. Singularity
  4. Resistencia
  5. Love Machine
  6. Luigi Mangione
  7. Keep It Reel
  8. Yes Maybe No
  9. Allgorythm
  10. Das göttliche Kind

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