Österreichs härtester DJ der Welt meldet sich mit dem zweiten Werk seiner Trilogie zurück! ROKKO RAMIREZ, aka Gerold Haubner, hat sich mit seinem treuen Team, bestehend aus BEN CATMAN und EVE VON KLEHI, erneut zusammengetan und satte 11 frische Tracks rausgebracht, welche nicht nur deftig klingen, sondern auch inhaltlich eine gewisse Brutalität mit sich bringen.
Nach dem ersten Werk „No World Order“, welches den Ersten Weltkrieg thematisierte, geht es nun direkt mit dem Zweiten Weltkrieg weiter. Einerseits hat sich ROKKO daran gemacht, ein paar biografische Aspekte einzubauen, andererseits aber auch im Generellen die Gräuel dieser Zeit aufzuarbeiten.
Mit „Die Predigt (Vom Guten Gott)“ wird losgelegt und schon hier wird aus allen Rohren geschossen und bombardiert. Der knapp zwei Minuten lange Track verwirrt zuerst mit einer ruhigen Melodie, welche darauf von Schüssen zerrissen wird. Von echten Salven wird dann zu Blast-Beat-Salven übergegangen, welche nicht weniger brutal wirken.
Der Einstieg zeigt sich auf jeden Fall deftig, doch mit „Tristesse“ wird nochmal ganz anders weiter gemartert. Mit bissigen Vocals und einer treibenden Instrumentalsektion wird hier ein Bild des unausweichlichen Leides des Krieges gemalt. Mit Sätzen wie „Everybody Is Going To Die“ und „Today Is, What Has Been Back Then“, wird eine gewisse Grundstimmung gesetzt. Vom Sound her erinnert das Ganze etwas an frühen Death Metal.
Mit „Gedanken/Erinnerung“ wird man in die Position eines Soldaten versetzt, welcher Gott um einen baldigen Sieg bittet. Mit dem Wort „Reality“ wendet sich dann das Blatt, sodass der Protagonist erkennen muss, dass es kein positives Ende geben kann. Speziell gelungen ist hier das Gitarrensolo, welches so wirkt wie das Wehklagen des Soldaten.

Mit „Panzer Marsch“ wird darauf erbarmungslos weiter gedroschen. Hier bekommt man den ersten deutschsprachigen Satz entgegengeschossen, welcher auch direkt klarstellt, in welche Richtung dieses Album geht: „PANZER MARSCH ALLEN NAZIS IN DEN ARSCH!“. Ab der ersten Minute des Songs erinnert der Sound stark an MOTÖRHEAD. Kein Wunder, dass ROKKO nicht nur LEMMY als Inspiration für den Song anführt, sondern ihm auch direkt das Album widmet.
Nach dem „Panzer Marsch“ finden wir uns im „Lazarett“ wieder. Hier wird etwas entschleunigt und irgendwie das Gefühl des trägen Lebens im Krankenbett hörbar gemacht. Inhaltlich erinnert der Song etwas an „One“ von METALLICA, bringt dann aber zum Schluss eine durchaus philosophische Frage: „Is The Heart Or Soul That Is First To Die“.
Der anschließende Song „Retrogott 2″ lässt sich als Interlude bezeichnen, welches etwas aufwühlt, bevor „Retrogott 3″ über einen drüberfährt. „Blutgericht“ folgt mit eindrucksvollen Marschtrommeln und einer hypnotisierenden Melodie. Der Song baut langsam auf und eskaliert am Ende wirklich wunderbar.
Auf der ersten Scheibe wurde man durchwegs auf Englisch besungen. Diesmal darf man sich auch über ein paar Zeilen in deutscher Sprache freuen. Der sparsame Umgang mit der doch martialischen Sprache ist verständlich, denn man möchte ja nicht in eine gewisse Richtung, welche hier vollkommen fehl am Platz wäre, interpretiert werden. Jedenfalls bekommt man mit „Verklärung (Georg Trakl)“ eine interessante Vertonung des gleichnamigen Gedichts von Georg Trakl serviert. Der Track zieht einen mit atmosphärischen Klängen in seinen Bann und spätestens beim Einsatz von EVE, welche das Gedicht nicht mystischer hätte vortragen können, ist man dem Song verfallen. „Inferno“ hält das Riff von „Verklärung“ für eine Minute, bis man sozusagen von der Soundwall wieder zusammengedroschen wird.
Mit dem letzten Track „Neuschwabenland“, welcher eigentlich als Bonus zu bezeichnen ist, taucht man noch kurz in die seltsame Welt rund um das Medium Maria Orsic ein. Jene soll auf spiritueller Ebene Baupläne für UFOs empfangen haben, welche die Nazis in antarktischen Untergrundbasen gebaut haben sollen. So findet das Album mit der Thematisierung einer der bekanntesten Verschwörungstheorien die Nazis betreffend sein Ende und zeigt dabei, dass es auch früher schon verpeilte Spiritisten mit Einfluss gab.
Fazit:
„Retrogott – The Return: No World Order II“ ist ein interessantes Konzeptalbum, welches an seinen Vorgänger nicht nur gut anknüpft, sondern textlich, sowie instrumental, einiges zu bieten hat. Natürlich ist die Mischung aus Black/Death-Metal und atmosphärischen Passagen etwas eigen, sticht aber dadurch auch gut hervor. Das Album ist schön roh und direkt und abgesehen davon regt es sehr dazu an, sich einmal wieder etwas mit der Geschichte im Vergleich zu jetzigen Zeit auseinanderzusetzen.
Im Interview mit ROKKO durfte ich erfahren, dass der Aufnahmeraum, dank BEN CATMAN, auch mit authentischem Mobiliar aus den 1940er Jahren ausgestattet wurde, was nochmals die Authentizität des ganzen Vorhabens unterstreicht. Auch wenn auf dem Album eine gewisse Zeit thematisiert wird, wird einem beim Hören klar, dass Leid etwas Ubiquitäres ist und leider historisch gesehen in ähnlicher Form wiederkehrt, weil die Menschheit leider etwas lernunwillig ist. ROKKO und sein Team haben mit diesem Album sozusagen ein Mahnmal errichtet, welches nicht nur musikalisch gesehen seine Wirkung zeigt.
Aus der Gesamtbetrachtung vergebe ich hier 9 Punkte, wenn auch der Hintergrund des Albums schon fast alleine eine 10 von 10 wert wäre. Lassen wir uns einmal überraschen, was uns auf der dritten Scheibe erwartet. Vergesst jedenfalls nicht, euch das edle Rund, welches auch auf Vinyl und Kassette erhältlich ist, zu gönnen! Falls ihr noch etwas mehr Einblick in die Welt von RETROGOTT haben wollt, könnt ihr hier unser –> Interview mit ROKKO RAMIREZ lesen:
Tracklist
1. Die Predigt (Vom Guten Gott)
2. Tritesse
3. Gedanken/Erinnerung
4. Panzer Marsch
5. Lazarett
6. Retrogott 2
7. Retrogott 3
8. Blutgericht
9 Verklärung (Georg Trakl)
10. Inferno
11. Neuschwabenland














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