Kommen wir zu einer Band, welche gerade nur ein Jahr jünger ist als ich! Schandmaul begleiten mich sozusagen schon fast mein Leben lang und daher war ich schon sehr gespannt, was mich auf dem neuen Album „Sternensegler“ erwarten würde. Das erste Album der Band, welches mir in die Hände fiel, war „Narrenkönig“ (2002). Meine Mutter hat mich mit feinem Deutsch-Punk aufgezogen, und so hatte ich auch viel Freude an dem Sound von Schandmaul, den ich immer scherzhaft als modernen Minnesang bezeichnet habe. Mit „Sternensegler“ hat sich jetzt aber ein wichtiger Punkt die Band betreffend verändert, denn leider ist dies die erste Platte, auf welcher man die doch schon liebgewonnene Stimme von Thomas Lindner nicht mehr hört.
2023 erkrankte der Sänger an einem Karzinom im Rachenraum. Dementsprechend war es vonnöten, einen neuen Sänger hinzuzuziehen – doch dies war nicht schwer. Till Herence, ein langer Begleiter der Band, hat sich nun zu den Schandmäulern gesellt und gibt sozusagen mit „Sternensegler“ sein Debüt mit der Truppe. Aber nun genug vom Hintergrund, hin zur Musik: „Nimm alles mit“ leitet das Album mit einem schönen Dudelsack-Intro ein. Das baut in aller Ruhe Spannung auf, bevor die Drums einzählen und die Truppe mit voller Kraft durch den Gehörgang rauscht.

Nach dem fulminanten Einstieg bekommt man den Titeltrack serviert und jener überzeugt mit motivierendem Text und epischem Refrain. Mit „Beide Füße in der Luft“ geht es schön stampfend weiter, bevor „Flagge“ noch einen Zahn zulegt. Der Song hat eine enorme Schlagkraft und obendrein eine sehr klare Message. „Nosferatu“ entschleunigt darauf etwas und hypnotisiert einen schon fast mit seinen mystischen Klängen, bis der Refrain losbricht.
Ganz zärtlich beginnt dann „Wo Sprache aufhört“ und baut sich langsam auf, bis die Melodie mit etwas mehr Druck durch die Boxen geschossen wird. „In der Hand“ martert deftig weiter. Mit „An beiden Enden“ bekommt man dann ein Stück vorgelegt, das schon ab der ersten Sekunde zum Mitgrölen motiviert. Der darauf folgende Track „Lass nicht los“ liefert sehr aufbauende Zeilen, bis „Trag Dich“ wieder etwas Ruhe einkehren lässt. Der Song ist zwar etwas „schmalzig“, doch die Zeile „wahrscheinlich ist dir jetzt der Schmalz zu viel.“ zeigt, dass das schon so gewollt ist. Zum Abschluss gibt es noch eine wunderschöne Ballade, in welcher man auch Laura Fella von Faun zu Gehör bekommt. Ein wirklich gelungenes Endstück.
Fazit
„Sternensegler“ bringt einerseits frischen Wind, andererseits den feinen Sound, für welchen Schandmaul bekannt ist. Till Herence könnte stimmlich nicht besser in das Gesamtbild passen und die Instrumentalsektion liefert nicht minder stark ab. Die insgesamt 11 Tracks bringen nicht nur mitreißende Melodien, sondern auch Texte, die direkt zum Mitsingen anregen. Schandmaul beweisen mit diesem Album, dass es immer irgendwie weitergeht, auch wenn es oft nicht einfach ist. Daher vergebe ich 9 von 10 Punkten. Dankenswerterweise durfte ich mich mit Thomas Lindner via Zoom zu einem Interview treffen, welches ihr hier nachlesen könnt.
Tracklist von Schandmaul: „Sternensegler“
- Nimm alles mit
- Sternensegler
- Beide Füße in der Luft
- Flagge
- Nosferatu
- Wo Sprache aufhört
- In der Hand
- An beiden Enden
- Lass nicht los
- Trag Dich
- Zwei Raben (ft. Laura Fella (Faun))














