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YOUNG MOUNTAIN: "Infraröd"

Es ist Zeit sich einmal etwas ernster mit unserer Gesellschaft auseinander zu setzen, zumindest aus dem Blickpunkt der schwedischen Truppe Young Mountain. Nach einem wirklich sehr tiefgehenden Interview mit dem Sänger der Band, welches ihr -- > hier finden könnt, bin ich noch schärfer darauf euch vom neuen Album "Infraröd" zu berichten.

Inhaltlich beschäftigt sich das Album wie schon angeschnitten, mit diversen Problematiken die unsere heutige Gesellschaft aufwirft. Dabei sind die Texte eine Mischung aus recht konkreten Ansagen, aber auch abstrakten Ansätzen, welche wiederum viel Luft für Eigeninterpretation geben. Begonnen wird mit der Nummer "Lovely" welche sich musikalisch eher ruhig zeigt, wenn auch die Drums schon sehr intensiv sind. Die Vocals werden hier hauptsächlich geschrien, was in Kombination mit der eigentlich ruhigen Melodie sehr interessant herüberkommt.

Das darauf folgende "Väggen" beginnt etwas verträumt, fährt einem dann jedoch mit einer ganz schönen Gewalt inklusive Hall um die Ohren. Hier sind die Vocals vorerst etwas ruhig und passen sich dann mit heftigen Screams der Intensität der Instrumentalsektion an. Mit "Wild fire" wird es dann wieder etwas ruhiger und die atmosphärische Klänge bringen eine ganz eigene Melancholie mit sich. "Worm" wurde schon vorab mit einem Video veröffentlicht und lässt sich im Gesamtkontext als "radio-freundlichste" Nummer auf dem Album beschreiben. Hier gefällt mir persönlich die etwas verspielte Drumline sehr gut, welche zuerst mit kleinen Hi-Hat Akzentuierungen um die Ecke kommt, bevor mit den Toms schön die Tiefen-Frequenzen hervorgehoben werden.

Generell ist die Nummer rhythmisch gesehen recht experimentell und der am Ende zu hörende Fliegenschwarm gibt dem Ganzen ein nettes Outro. "Infraröd" ist von den Vocals her etwas zurückhaltender als die Songs davor, jedoch gibt es zum Ende hin nochmal etwas aufs Fressbrett wenn Sänger Kami einmal sein Low-Growls loslässt. Abgeschlossen wird das Album mit dem Track "Good Song" welchen man auch ohne Bedenken als solchen bezeichnen kann. Der Song lässt sich als guten atmosphärischen Ausklang des Albums beschreiben in welchem die Vocals eher engelsgleich dahinschweben anstatt mit Schreien die Ruhe zu zerreißen.

Fazit: Abgesehen davon, dass mir durch das Gespräch mit Kami der Hintergrund des Albums sehr gut gefällt, muss ich zugeben, dass ich schon lange nicht mehr so amitionierten Post-Metal bzw. Alternative Metal gehört habe. Die Band schlägt definitv mehr in die Post-Metal Richtung, wenn auch der experimentelle Ansatz in Richtung Alternative geht. Die Rhytmen sind schön divers und auch wenn man bei jedem Song klar hört, dass es Young Mountain ist, stellt sich keine Monotonie in den Kompostionen ein. Alles in allem ist das Album wirklich sehr gut gelungen und ich bin schon sehr gespannt was sonst noch so von Young Mountain kommen wird. Für "Infraröd" gibt es von mir jedenfalls 9 von 10 Punkten!

 
Bewertung:

GENRE: Alternative Metal

TRACKLIST:

1. Lovely
2. Väggen
3. Wild fire
4. Worm
5. Infraröd
6. Good Song 

VÖ: 26.03.21
Format: CD / Vinyl / Digital
Label: Through Love Records
Vertrieb: Indigo
Auf Tour im Norden: -

Rezensent: Gregor

Interview mit Kami von Young Mountain

--> Musikvideo: Young Mountain "Lovely"