Wir alle sollten unser Gehör schätzen und schützen, solange wir es haben. Im Laufe des Lebens nimmt das Gehör sowieso auf natürliche Weise ab. Zu lautes Hören von Musik kann permanenten Tinnitus (Klingeln in den Ohren) oder vorzeitiger Hörverlust bedeuten. Insbesondere unsere Konzertfotografen haben oft Situationen, in denen der Lärmpegel Schaden anrichten könnte, da sie direkt im Fotograben mit dem Ohr an den Lautsprechern stehen. Das ist aber auch bei Konzertbesuchern nicht anders, die direkt vor der Bühne stehen.
Bei den meisten Ohrstöpseln wird der Klang insgesamt gedämpft. Was die Firma Flare Audio aus England entwickelt hat, ist ziemlich einzigartig.
Es werden verschiedene Gehörschutzstöpsel angeboten: ISOLATE®, Isolate Pro®, MiNi® für kleinere Gehörgänge und Earshade®. Allen gleich ist das Prinzip: Schaumstoff auf einer massiven Metallkapsel. Die Härte der Metallkapsel isoliert, blockiert und reflektiert den Klang, die weichen Memory-Schaumspitzen (EARFOAMS®) aus dichterem Schaumstoff-Material brechen die Leitung des Schallwegs. Während alle anderen Ohrschützer versuchen, den Schall zu stoppen, indem sie ihn absorbieren, anstatt ihn im Fall der Isolates zu blockieren. Im Falle der Isolate® und Isolate PRO® kann so mehr direkter Ton blockiert werden, um in das Ohr einzutreten, sodass Sie überwiegend über Knochenleitung Schall hören können.
Unterdrückt tiefe Frequenzen
Herkömmliche Ohrstöpsel und Gehörschützer reduzieren höhere Frequenzen überwiegend stärker als tiefe Frequenzen. Somit erlebt der Träger ein dumpfes und verzerrtes Hörgefühl, als wäre er unter Wasser. Tiefe Frequenzen tragen die meiste Energie, und diese wird durch den Schaumstoff, der in herkömmlichen Gehörschützern verwendet wird, nicht richtig absorbiert.
Flare Audio Isolate® und Flare Audio Isolate Pro®
Es gibt prinzipiell zwei verschiedene Modelle: eins aus Aluminium und eins aus Titan (Pro), jeweils mit Schaumstoff Aufsatz. Beide Versionen sind hinsichtlich Akustik und Dämpfung so konstruiert, dass sie eine vergleichbare Breitband-Geräuschreduzierung bieten. Der Unterschied liegt hauptsächlich in der Haltbarkeit, den Materialeigenschaften und der Oberflächenbeschaffenheit und weniger in der Isolation oder der Klangbalance. Während es die Metallbodies in verschiedenen dezenten Farben gibt, sind die Schaumstoffoberteile immer schwarz. Vom Hersteller angegeben wird ein Schalldämmwert von SNR-30 dB.

Die Metall-Bodies sind sehr leicht und lassen sich auch gut mit den Earforms verbinden. Beim Erstkauf werden zum Metallstift 4 Plugs in unterschiedlichen Größen und ein Aufbewahrungsnetz geliefert. Bei Nachbestellungen kann man dann direkt seine Plug-Größe bestellen. Ich selber habe die Flare Audio Isolate der ersten Generation seit gut 15 Jahren benutzt. Die neuen Isolate® sind etwas kleiner, ob Herstellungskosten eine Rolle spielten, können wir natürlich nicht sagen. Ich selber habe beide Variationen getestet und keinen hörbaren Unterschied festgestellt. Das Alu ist makellos verarbeitet. Es gibt keine scharfen Kanten und Ecken oder irgendwelche Unsauberkeiten. Auch der Schaumstoff macht einen sehr hochwertigen Eindruck. Er hält recht lange, wenn man ihn zu oft nutzt, bricht irgendwann der Schaumstoff an der Oberseite.
Unterschied Flare Audio Isolate® und Earshade
Earshade® verfügt über abgewinkelte, weiche Memory-Schaum-Ohrstöpsel mit einer speziellen, abwischbaren Hygienebeschichtung. Sie sind ergonomisch an die Form des menschlichen Ohrs angepasst und sorgen so für eine optimale Passform. Vom Hersteller angegeben wird ein Schalldämmwert von SNR-31 dB. Die Gehörschützer sind in verschiedenen Farben erhältlich und bieten somit Optionen für alle, die einen farbenfrohen, auffälligeren Gehörschutz bevorzugen.

Benutzung
Man benutzt die Isolate wie ganz gewöhnliche Stöpsel. Den Schaumstoff vorne zusammen drücken und dann rein in den Gehörgang. Dort geht der Schaumstoff wieder auf und macht das Ohr dicht. Das funktioniert wie gewohnt und macht keine Probleme. Die Plugs sitzen, einmal richtig justiert, fest im Ohr und bewegen sich auch bei starken Kopfbewegungen nicht. Wer möchte, kann die beiden Stöpsel auch mit einem Band verbinden, dafür gibt es eine Einkerbung im Metaltteil. Die Isolate sind auch schön leicht und stören nicht beim Tragen.
Der sich im Ohr ausdehnende Schaumstoff übt natürlich einen gewissen Druck aus, der auch spürbar ist. Nach längerer Zeit ist es daher ganz angenehm, die Stöpsel einmal herauszunehmen, um das Ohr ein wenig zu entspannen. Lediglich wenn man bei 35 Grad den ganzen Tag mit den Plugs im Infield herumläuft, dann wird es unangenehmer, da keine Belüftung des Gehörganges stattfindet. Die Lamellen-Silikongehörschutze anderer Hersteller sind da etwas komfortabler beim längeren Tragen, dafür bieten diese nicht die deutlichen Dämmungseigenschaften wie die Isolate. Ein Konzert mit 2 Stunden Dauer ist aber kein Problem.
Klang
Andere Gehörschutze dämpfen deutlich weniger. Der Hersteller gibt eine Schalldämpfung von SNR-30 dB bis -31 dB an, das ist viel. Der Klang ist deutlich klarer und weniger dumpf als mit normalen Stöpseln, man kann die einzelnen Instrumente deutlich besser trennen.
Fazit
Der Gehörschutz wurde von uns umfangreich unter Einsatzbedingungen im Fotograben getestet.
Positiv:
- Preis
- gute Verarbeitung
- sehr stark in der Dämpfung für ausgesprochen laute Umgebungen
Negativ:
- Im Vergleich mit anderen hochwertigen Plugs gibt es keine verschiedenen Filter mit verschiedener Dämpfung.
- evtl. unangenehm zu tragen auf Dauer, keine Belüftung des Gehörganges
- nicht lineare Dämpfung
- für Musiker (außer Schlagzeuger) eher ungeeignet
Wer auf eine gute hohe Dämmung Wert legt, ist mit den Isolates bestens bedient. Wer aber doch in irgendeiner Form musikalisch eingebunden ist (z. B. als Musiker), für den sind die Isolate nicht zielführend. Es gibt wenig Alternativen im Preisbereich von 30 bis 60 Euro, die diesen Dämpfungsgrad bieten können. Wir bevorzugen persönlich die normalen Isolate®.














