Freakshow weitab vom Varieté-Mainstream

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Bremen, 12.07.2018 – Menschen sind der Laune der Natur unterworfen. Einige sind nicht so wie alle Anderen. Die Kleinwüchsigen, die Frau mit Bart, der stärkste Mann der Welt oder die Dame ohne Unterleib - schon in frühen Jahrhunderten hat man diese Menschen für eine spezielle Form der Volksbelustigung auf Kuriositätenshows mittelalterlicher Jahrmärkten ausgesucht. Auf dem Presseempfang zeichnete Werner Buss, Künstlerischer Direktor der GOP Entertainment Group, die Entstehung des Varietés auf, von den Anfängen Mitte des 18. Jahrhunderts in England und die Weiterentwicklung in den USA, wo erstmals menschliche Kuriositäten zur Schau gestellt wurden. Anfang des Jahre wurde die GOP-Show „Freaks“, die dies Thema beinhaltet zunächst in Münster aufgeführt, nach einer Pause nun die Premierenvorstellung in Bremen.

Bereits der Horrorclown, der nach dem Öffnen des Vorhanges den Bühnenhintergrund für die neue Show bildete wies darauf hin, das diese Show etwas düsterer wird wie vielleicht gewohnt. Dafür sorgten schräge Typen auf der Bühne. Zwar wurden keine menschlichen Abnormalitäten zur Schau gestellt, die Charaktere der Artisten wareneinfach anders und das machte die Show so besonders.

Zeremonienmeister Elyas Khan ist ein groß gewachsener Brite und stach mit seinem mächtigen indischen Bart und einem weißen Zylinder schon optisch heraus. Der exzentrische Sänger saß in einer kleinen stilisierten Jahrmarkt-DJ-Bude rechts neben der Bühne und begleitete die Künstler mit seiner ganz besonderen Musik – ein Soundmix aus Gesang, Gitarre und elektronischen Klängen irgendwo zwischen Dark Wave, Punk und Gothic den Verlauf der Show.

Bronwen Pattison heißt die "Frau ohne Knochen“ aus Neuseeland, die dann folgte. Die ungewöhnliche Biegsamkeit, durch die sie ihren Körper oder nur Teile davon, in der Luft und am Boden mit scheinbarer Leichtigkeit in alle möglichen Richtungen bewegen kann, war faszinierend anzusehen. Um noch “freakiger” zu erscheinen, setzte sie ihren “irren Blick” auf.

Es folgte die schärfste Darbietung des Abends: Schwertschluckerin „MisSa Blue“ in glamouröser Abendgaderobe setzte sich einem großen Risiko aus, wenn sie ihre altehrwürdige Schaustellerkunst des Schwertschluckens vorführt. Die meisten Zuschauer denken, das Schwert sei nicht echt. Es ist tatsächlich aus Metall und faltet sich nicht zusammen – es ist fast einen halben Meter lang und reicht bis in den Magen. Nur der Griff, mit glitzernden Steinchen beklebt, schaut noch aus ihrem Mund heraus. Und es darf auch mal ein Leuchtstab sein, der in ihrem Körper verschwindet. Auch in London, Mexico, Australien und in anderen Teilen der Welt ist die ausgebildete Yoga-Lehrerin schon aufgetreten.

 

Der kanadische Comedian Sébastien Tardif war das verbindende Element zwischen den einzelnen Acts und hatte einigen Nonsens im Petto. Wilder ging es dagegen bei dem Duo Vladimir zu. Die Vorstellung der beiden ukrainischen Vladimirs begeisterte das Bremer Publikum wie einige Jahre zuvor in einer amerikanischen Supertalentshow.

Das Duo erhielt mit Abstand den größten Applaus der Show. Spektakulärstes Element war eine Hebefigur, bei der die beiden muskelbepackten Künstler nur noch über zwei ineinander gesteckte Dolche verbunden sind. Ebenso traten sie noch einmal als Trio Trilogy auf, als ihre Landsfrau Kateryna Gaidamanchuk hinzustieß. Sie konnten ihren Auftritt sogar noch toppen, als Kateryna mit Schrauben und Salti durch die Luft wirbelte und von den beiden Vladimirs wieder aufgefangen wurde.

Eine innovative Nummer war der Tanz der „Spinnenfrau“ Estrella Urban, die im geduckten Spinnengang gefährlich-schön über die Bühne schlich oder Handstand in mystischer Atmosphäre vorzuführte. Die „bärtige Lady“ Gabriel Drouin drehte sich nicht nur im Cyr wie eine etwas untersetzte „Woman in red“, sondern er ist zugleich auch der Co-Regisseur der Show und war Junior WKA Weltmeister in Kata, einer Karate-Übungsform.

Enorme Körperbeherrschung und Urvertrauen zeichnen die beiden jungen kanadischen Artisten Camille Tremblay und Louis-Marc Bruneau-Dumoulin aus. Sie trafen sich an der renommierten National Circus School of Montreal und sind seit ihrem Abschluss bereits in mehr als 15 Ländern aufgetreten. Als Duo „Hand2Stand“ hebelte das Paar am Vertikaltuch in luftiger Höhe voller Eleganz und Harmonie scheinbar federleicht gemeinsam oder solo die Schwerkraft aus.
Die zweistündige Show ist im GOP Varieté-Theater Bremen noch bis zum 26.08.2018 zu sehen.