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Der Spitzenkandidat

Walter Mondale, Michael Dukakis, Al Gore. Mit dem einen oder anderen Namen kann man noch etwas anfangen, aber wer zum Teufel war Gary Hart? Als Kandidaten der Demokratischen Partei gingen die drei Erstgenannten immerhin ins US-Präsidentschaftsrennen, aber nicht Gary Hart. 1984 scheiterte er in den Vorwahlen an Mondale, der daraufhin George Bush unterlag. Politik und Moral – eine schwierige Kombination. Beim zweiten Versuch 1988 scheiterte er wegen einer Liebesaffäre. Auch hier erinnert man sich nur an die Lewinsky-Affäre, infolge derer sich Bill Clinton einem Amtsenthebungsverfahren stellen musste.

Hierzulande ist dieser Skandal wenig bekannt, im Gegensatz zu Donald Trump wurde das Thema damals nicht „weggelächelt“ und als Fake-News bezeichnet. Das vom kanadischen Regisseur Jason Reitman inszenierte biografische Drama beleuchtet den Weg zu Harts überraschenden Absturz und bemüht sich um eine Darstellung aus verschiedenen Perspektiven, die dem Zuschauer ein Gefühl für die damaligen Befindlichkeiten geben.

Im Jahr 1984 unterlag der US-Senator Gary Hart (Hugh Jackman) bei den Vorwahlen der Demokraten seinem Parteigenossen Walter Mondale, der schließlich als Präsidentschaftsanwärter gegen den Republikaner Ronald Reagan ins Rennen ging und scheiterte. Einige Jahre später nahm der vorbildliche Familienvater mit seinen 2 Kindern Andrea (Kaitlyn Dever) und John (Evan Castelloe) einen zweiten Anlauf und bewarb sich erneut um die Kandidatur. Seine Chancen standen dieses Mal aber sehr gut, die angebliche Beziehung mit dem jungen Model Donna Rice (Sara Paxton) briachte ihn aber in große Erklärungsnot.

Als erste Gerüchte darüber aufkamen, war der Wahlkampfmanager Bill Dixon (J. K. Simmons) besorgt, dass Harts Vorwahlvorsprung darunter leidet. Hart berufte sich auf den Ehrenkodex der Presse, Privates privat sein zu lassen. Er rechnete aber nicht mit den Recherchen der Journalisten, die den Spitzenkandidaten stürzen sehen wollen. Wahlkampf ist – so dachte sich das jedenfalls der intellektuelle, charismatische und gut aussehende Gary Hart – ein Kampf der Visionen und keine schlüpfrige Kissenschlacht.

FAZIT: Der Film „Der Spitzenkandidat“ basiert auf dem 2014 veröffentlichten Buch All the Truth Is Out: The Week Politics Went Tabloid und erzählt die ersten drei Wochen von Gary Harts Kampagne im Frühjahr 1987. Der Film zeigt athenisch, wie im amerikanischen Präsidentschaftswettstreit um die bestmögliche Inszenierung gerungen wurde und sich um den demokratischen Hoffnungsträger ein handfester politischer Skandal entwickelte. Der Spießrutenlauf, den Harts Familie, besonders seine Ehefrau Lee (Vera Farmiga), nach Bekanntwerden der Vorwürfe über sich ergehen lassen muss kommt aber leider etwas kurz. Am Ende gibt es nur Verlierer. Immerhin hält Harts Ehe bis zum heutigen Tag. Wie die meisten Filme von Jason Reitman ist auch „Der Spitzenkandidat“ handwerklich solide. Historische Bilder und Töne aus den TV-Archiven vermischt der Film gekonnt mit fiktiven Spielszenen.

 
Gesamtbewertung:

Kinostart: 17. Januar 2019

Produktion: USA 2018

Genre: Drama, Biografie

Länge: 114 Min.

FSK ab: 6

Darsteller: Hugh Jackman, Vera Farmiga, J.K. Simmons Mark O'Brien, Molly Ephraim

Regie: Jason Reitman



DER SPITZENKANDIDAT - Trailer

 

Action:
Humor:
Gefühl:
Spannung:
Anspruch: