Night-Wash live ohne Schongang

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Bremerhaven, 15.03.2017 – Und wieder war es soweit, der erste Night-Wash-Comedytermin dieses Jahres des „Theater im Fischereihafen“ stand an. Gute Unterhaltung und Zwerchfellattacken im Schleudergang waren somit garantiert. Das Comedy-Programm ist ein Sprungbrett für Comedy-Nachwuchstalente in Deutschland. Schon Mario Barth, Luke Mockridge und Ausbilder Schmidt waren dadurch groß geworden sind. Es startete 2001 als TV-Format in einem Waschsalon in Köln und ist zweimal im Jahr im TIF zu Gast. Dieses Mal waren wieder drei Comedians und ein Moderator mit dabei.

Simon Stäblein machte an diesem Abend den Moderator. "Gutaussehend und witzig" findet sich der 27-Jährige. Der Kölner Ex-Diplom-Kaufmann zog für das BWL-Studium nach Köln und die Erkenntnis war wie zu erwarten: "Ich will Comedy machen." Schon bald zog es ihn auf die ersten kleinen Bühnen - mit Erfolg. Die Heteromänner können froh sein, das so ein schönes Exemplar für sie vom Markt ist. Löwen wären da froh, wenn ein schwules Männchen mit einem anderen Männchen „rummacht“. Dann bleiben die Weibchen für die Anderen. Das durstige Giraffen einen schwulen Gang haben, erklärte er auch. ER stellte fest, dass das Bremerhavener Publikum an diesem Abend kühl aber cool war, denn je weiter nördlich, je verhaltener die Zuschauer.

Der Comedian Thomas Schmidt aus Köln war der Nächste. Schmidt sieht jünger aus, als er mit seinen 32 Jahren schon ist. Er ist wie eine biologische Uhr, die immer nachgeht. Thomas führt ein nahezu normales Leben. So wie wir alle. Trotzdem kommt er damit irgendwie nicht klar. Und deshalb entführte er die Zuschauer in die Tücken und Skurrilität seines Alltags. Authentisch und immer mit dem Gespür für den besonderen Blickwinkel überraschte er seine Zuschauer. Er hatte nach seinen Angaben den Nightwash-Bus verpasst und musste mit dem eigenen Wagen von Köln nach Bremerhaven fahren. Beim Tanken in Köln traf er auf einen Tankwart-Azubi, der mit 23 Jahren gerade raus aus der Hauptschule war Wieso muss dieser als Tankwart 3 Jahre lang eine Ausbildung machen, ist der Beruf so anspruchsvoll? Wie verläuft die Abschlussprüfung? Warum hat er selbst den Zwang, immer einen vollen Betrag zu tanken? Er gab Antworten auf diese weltbewegenden Fragen. In der zweiten Programmhälfte beschäftigte ihn die Frage, wieso wird ein Arzt Proktologe und nicht Herzchirurg? Und was passiert, wenn ihm selbst die "Hafenrundfahrt" gefällt?

Für Tino Bomelino sind gefällige Mainstream-Comedy und vorhersehbare Pointen sind nicht sein Ding. Bizarrer Humor, unvorhersehbare Einfälle und schräge Tiefsinnigkeit umso mehr. Seine Witze sind meist bewusst geschmacklos und leicht unter der Gürtellinie.

 

Als begnadeter Musiker, hervorragender Sänger und Multiinstrumentalist hat er die Grenzen des Poetry Slam schon längst hinter sich gelassen, auch wenn er immer noch regelmäßig bei solchen abräumt. Bomelino loopte seine Stimme zu einem Song und spielte später auch ein bisschen Gitarre. Schon bei seinem ersten Song band er die Zuschauer mit ein. Seine Lieder hatten Titel wie „Temperatur“, „Erkältung“ oder „Erfahrungen“. Er zeigte den Zuschauern, was passiert wenn man Ohrwürmer abspielt und diese im entscheidenden Moment abbricht.

Cebe Özgür Cebe aus Bonn stellte sich selbst als „der Quotenausländer des Abends“ vor. Er ist ausgebildeter Schauspieler war in den verschiedensten TV-Formaten zu sehen wie z.B. zwei Jahre lang an der Seite von Kaya Yanars "Was guckst du?!" oder mache kennen ihn auch aus der Lindenstraße, wo er den Charakter Güney spielt. 2009 wagte er den Sprung auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Doch genauso wie sich die Bretter dieser Welt verändert hat, verändern sich auch Deutschland und die Welt. „Was ist bloß los in der Türkei?“ hinterfragte er das derzeitige Verhalten von Erdogan. Er selbst ist ein Deutscher gefangen im Körper eines Ausländers. Denn bereits bei der Geburt kam er pünktlich und hat eine katholische, deutsche Freundin. Trotzdem fragte man ihm beim Bewerbungsgespräch für einen Job „Wie viele Anschläge schaffen Sie an einem Tag?“ Sein Aussehen spricht eben eine andere Sprache, dabei hatte er schon lange sein „Germing Out“. In der zweiten Halbzeit sang er ein Medley bekannter Schlager, natürlich mit seinen eigenen Texten, wie z.B. die Udo Jürgens Titel „Ich war noch niemals im Irak!“ oder „Mit 72 Jungfrauen“.

Allesamt waren auf ihre ganz eigene Art lustig und komisch. Gemeinsamkeiten zeigten sich hinsichtlich frechem Witz und sprudelnder Spielfreude auf, die alle vier Comedians der „Nachtwäsche“ aufwiesen und somit immer wieder die Bauchmuskeln des Publikums strapazierten.