Und da hat´s KAWUMM gemacht ...

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Bremen, 04.03.2018 – Alltagssorgen, Politik oder gesellschaftliche Probleme sind wohl nicht die Dinge, die man bei einem Varieté-Besuch erwartet. Doch im aktuellen Programm muss man aber durchaus damit rechnen, auch mit der Realität konfrontiert zu werden, egal ob es z. B. um Politik oder Kirche geht. Das GOP Varieté Theater Bremen zeigt bis zum 6. Mai 2018 die neue Show „KAWUMM“, ein modernes Märchen über die Macht der Fantasie – mit viel Tiefgang und Humor.

Es ist die Geschichte von einem dicken Mann, der beinahe nichts konnte: Herrn Mutzmann, einem pflichtbewussten, ordentlichen und pünktlichen Buchhalter. Gefangen zwischen Aktenzeichen und Zahlen versucht der mausgraue Beamte täglich seinem faden Trott zu entkommen. Jeder Zahl, die ihm begegnet, ordnet er eine Bedeutung zu um aus dem grauen Alltagstrott ins Reich der Phantasie zu entfliehen. Eines Tages macht es „KAWUMM“ und mit einem Mal trifft Herrn Mutzmann seine ganz eigene heldenhafte Geschichte, die schon immer tief in ihm schlummerte. Dabei begegnen ihm auch viele Erinnerungen und die Kindheit, Discozeit usw.

Herr Mutzmann wird gespielt von Markus Pabst, der nach 25 Jahren Regiearbeit wieder auf den Brettern, die vielen die Welt bedeuten -mehr durch Zufall durch eine Krankeitsvertretung- wieder zurück gekehrt ist. Natürlich ist er inzwischen nicht nur älter sondern auch korpulenter geworden. Und die Geschichte des Herrn Mutzmann ist auch eine Hommage an seinen eigenen Vater.

In rasant wechselnden Szenen zeigten die elf Darsteller bei der Pressepremiere, wie sich Herr Mutzmann in immer neuen abenteuerlichen Traumwelten wiederfindet. Die erste Reise geht zurück in die Kindheit zu einem großen Schaukelpferd. Saleh Prinz Yazdanis poetisch anmutende Handstandakrobatik auf einem hölzernen Schaukelpferd im ersten Act war schon im letzten Jahr in Bremen in der Show „Toys“ zu bewundern. Für die musikalische Untermalung sorgte der Paradiesvogel Jack Woodhead. Der klassisch ausgebildete Pianist und kreative Künstler aus Manchester faszinierte mit seiner schillernden Persönlichkeit und seiner Musik, ein Varieté-Besuch in den 20ern erinnert entfernt an die „Rocky-Horror-Show“. Und wer von den anderen Darstellern gerade nicht auf der Bühne aktiv war, stimmte mit weiteren Instrumenten ein. Die Musik für die Show wurde extra dafür komponiert.

Mit ihrem tiefschwarzen Humor konnten die Collins Brothers, Collin Eschenburg und Matthias Fischer, die Anwesenden immer wieder inszenierten Missgeschicken und anarchischen Humor zum Lachen hinrissen. Bei Zaubertricks wie dem zersägten Helmut oder dem Versuch, einen Boxer-Roboter mit Zuschauerhilfe zum Laufen zu bringen, war wirklich sehr köstlich anzuschauen. Schon vor Beginn der Show waren die beiden bereits im Saal unterwegs, um ein Geburtstagskind zu suchen und mit „Manfred“ auch fanden.

 

Jongleur Donial Kalex zeigte seine innige Beziehung zu den kleinen weißen Bällen und begeisterte mit leuchtenden LED-Sticks, die bei den Drehungen immer neue faszinierende Effekte in die Dunkelheit zeichneten. Das „Duo Sienna", Sina Brunner und Vienna Holz aus Berlin, boten Akrobatik am Chinesischen Mast und im Luftring als „Ying und Yang“. Die beiden Artistinnen zeigen ihre kraftvoll-ästhetische Körperkunst in Perfektion, wenn sie nicht im Stelzengang auf pinkfarbenen Flamingos unterwegs waren.

Zwischendurch hielt Markus Pabst auch seinen Körper für rhythmische Klatscher einer Bodypercussion hin, es gab ein Männerballett mit 4 Adonisse, die ihre Blöße nur mit einer Zeitung bedeckten oder einen Mischmaschinenact zu Rammsteins „Du hasst mich“.

Alessandro Di Sazio sorgte für die Tanzeinlagen in der Show. Er ist immerhin Weltmeister im Breakdance. Aber auch am chinesischen Mast machte er eine gute Figur. Anna Shvedkova zeigte eine Trapeznummer und Partnerakrobatik zusammen mit Saleh Prinz Yazdanis.

In der zweite Hälfte der Show überraschte Ye Fei, der chinesische Restaurantbesitzer mit seiner Tenorstimme das Publikum. Er sang die wohl berühmteste Arie aus Puccinis „Nessun Dorma“, die man wohl in dieser Form nicht erwartete und auch eher selten im Varieté erleben darf. Ye Fei wurde von Markus Pabst auf einer Reise entdeckt erntete für seinen Auftritt viel Beifall. Es war gar nicht so leicht, den Besitzer von 3 Restaurants zur Show zu bewegen. Dieser hatte während seinen ersten Aufführungen im GOP Haus Bad Oeynhausen das erste Mal Schnee gesehen und war so begeistert, dass er weiter für Aufführungen in den anderen Häusern zur Verfügung stand..

Eine rundum gelungene Show mit Messages wie „Glaube an die Kraft in dir“, „Du wirst nur der Winner, wenn du den Loser kennst“ und „lass Farben und Phantasie in den Leben“. Soweit die gut gemeinte Theorie.