Interview mit Pär Sundström (Sabaton):

Von Gregor Eder

Das Sabaton mittlerweile eine der größten Metal-Bands Schwedens ist schon lange kein Geheimnis mehr. Mit insgesamt 8 Studio-Alben, welche man auch als musikalische Geschichtsstunde bezeichnen könnte, hat uns das Quintett schon versorgt und am 19.07.2019 kommt nun das Neunte mit dem passenden Namen „The Great War." Da die Herren die Presse nicht scheuen, hatte ich die Möglichkeit schon vorab etwas mit dem Bassisten Pär Sundström über die kommende Tour und natürlich auch über das Album zu sprechen.

Zur ausgemachten Uhrzeit meldete sich der Herr sehr pünktlich aus Deutschland. „Hallo! Schön dich zu hören! Ich bin gerade in Deutschland und alle Mitglieder der Band sind momentan auf Tour um das neue Album zu promoten. Ich habe sicherlich mittlerweile über 400 Interviews gegeben.“ waren die ersten Worte die mir entgegenkamen.

Ich begrüßte Pär ebenfalls und sprach meine Bewunderung aus, da eine derartige Menge an Interviews sicherlich auch irgendwann sehr nervig werden können. Mit dieser Begebenheit im Hinterkopf begann ich mit einem Kompliment bezüglich der wahnsinnig gut organisierten Pressekonferenz und Album-Präsentation auf dem Schlachtfeld von Verdun, da dadurch sicherlich Bewusstsein für die dortigen Geschehnisse gefördert wurde.

Pär meinte: „Ich wollte soetwas schon immer einmal machen und diesmal hatten wir als Sabaton die Möglichkeit das voll durchzuziehen. Wir wollen den Leuten immer etwa mehr geben und Sabataon ist immer eine ideenreiche enthusiastische Band. Wir erdenken etwas und ziehen es einfach durch.“

Diese Aussage konnte ich nur bestätigen, da die Band bisher wirklich immer sehr gut konzipierte Alben geliefert hat und jene auch gut zu vermarkten weiß. Das neue Album „The Great War“ bezieht sich wie man dem Titel entnehmen kann auf den ersten Weltkrieg. Daher lag die folgenden Frage nicht fern: „Das Thema Krieg ist bei euch ja so gut wie unumgänglich. Warum habt ihr euch dieses Mal direkt auf den ersten Weltkrieg fokussiert?

Wir haben in der Vergangenheit schon einige Songs über den ersten Weltkrieg geschrieben und wir glauben die Ära war sehr interessant. Die Zeit dieses Thema zu bearbeiten könnte nicht besser sein. Wir haben immer einige Ideen wenn es um Alben geht, doch als wir genauer darüber nachdachten realisierten wir, dass wir all die Themen auch später bearbeiten können. Es war einfach in unseren Augen der beste Moment in unserer Lebenszeit sich dem Thema anzunehmen und deswegen haben wir es auch getan.“ erklärte Pär.

Da ich selbst momentan mich mit den beiden großen Kriegen auseinandersetze fragte ich Pär ob er wisse warum Zigaretten für die Soldaten des ersten Weltkrieges im Schützengraben so wichtig gewesen sind. Etwas verwirrt meinte Pär, dass er es nicht wisse und so erklärte ich ihm, dass Zigaretten damals noch aus schweren Orienttabak bestanden und der Geruch den Gestank des Krieges für kurze Zeit außer Kraft setzte. Dieser nette Fakt kam mir bei Studien der historischen Anthropologie unter.

Pär meinte dazu: „ Interessant! Da gibt es noch einiges was wir noch nicht wissen und es gibt auf dem Gebiet für uns noch einiges zu lernen, auch wenn wir uns schon einige Zeit mit dem Thema beschäftigen. Es ist einfach ein unglaublich großes Thema. Wir haben ja den Sabaton-History-Channel welcher sich dem Thema Krieg annimmt und ebenso die Geschichten der Songs darlegt. Doch selbst wenn wir glauben etwas über das Thema zu wissen gibt es immer wieder „Researchers“ und Leute auf dem Channel die es schaffen uns mit neuen Informationen zu überraschen. Es ist wirklich cool Sachen so vor Augen geführt zu bekommen. Es hält uns am Laufenden und lehrt uns einiges.“

Man merkt, dass die Band darum bemüht ist sich mit den Sachlagen bzw. aktuellen Ansichten über jene auseinanderzusetzen und weitergehend auch einen Diskurs darüber zu entfachen. Nach einer kleinen Lobrede über die Begebenheit ging ich näher an das Album heran und interessierte mich für die verstrichene Studiozeit: „Wie war denn die Zeit im Studio so?

Studiozeit…., Auch wenn wir das Album mit einem Techniker mit dem wir noch nie zuvor eine CD aufgenommen hatten arbeiteten, hat es gut funktioniert. Wir haben schon zuvor mit ihm oft zusammengearbeitet und er war auch in den vorherigen Produktionen vor Ort. Ausschlaggebend für die Wahl war dann das „Kingdom Come“ Cover das wir mit ihm aufgenommen haben, welches sehr gutes Feedback mit sich brachte. Somit haben wir uns entschieden mit ihm weiter zu arbeiten. Ich bin sehr zufrieden mit dem Album und ob es besser oder schlechter als die Vorgänger ist bleibt der Entscheidung der Fans überlasse.“ legte Pär dar.

Ich bin mir sicher, vor allem bei dem Feedback das ich bisher lesen konnte, dass die Fans das neue Album schon sehr gut aufnehmen werden und die Zufriedenheit Pär bestehen bleibt.

 

 

 

 

Natürlich konnte ich neugieriger Mensch nicht darauf verzichten nach dem neu hinzugestoßenen Mitglied zu fragen, welches auf dem Album zum ersten Mal zu hören ist: „Nun ist ja Tommy das erste Mal auf dem Album zu hören, scheint als hätte sich die Formation wieder gefestigt?“ Pär schoss gleich los: „Also Tommy ist jetzt seit 2017, warte.. , nein, 2016 mit an Board. Als Tommy in die Band einstieg wussten wir, dass er nicht nur ein Gitarrist sondern auch Singer und Songwriter ist und so hofften wir das er auch in diesen Bereichen einiges an Innovation in die Band bringt. Er ist ein Typ der einiges zu geben hat und er ist ebenso ein begnadeter Musiker welcher schon so viel Musik veröffentlicht hat in seinem Leben. Wir wollten wirklich das er im Songwriting mitarbeitet und das hat er auch.

Nachdem der Songwritingprozess angesprochen wurde, konnte ich natürlich nicht anders als genauer darauf einzugehen: „Wie sieht denn der Songwritingprozess bei euch genauer aus?

Wiederum antwortete Pär wie aus der Kanone geschossen: „Als erstes entscheiden wir uns für ein Thema. Somit haben wir eine Richtung vorgegeben und während uns die Ideen zu den Songs kommen, schreiben wir schon an der Musik. Sobald alles zustande gekommen ist schauen wir uns die Songs inhaltlich an und setzen sie so zusammen, dass sie das Überthema zusammenhängend repräsentieren. Ohne genügend Organisation geht es nicht. Wir sind eben Sabaton und machen so einiges das guter Planung bedarf und nicht zu viel Spielraum geben darf.

Das war einmal eine ziemlich konkrete Antwort. Da ich die Herren ja schon oft live begutachten durfte und ich immer wieder gerne die wahnsinnige Bühnenshow sehe, blieb die Frage nach momentanem Bühnenequipment, mit dem Zusatz wieviele LKW`s man benötigt um jenes zu verfrachten, nicht aus.

Etwas verwirrt von der konkreten Frage nach Lastern antwortete Pär: „Wir benötigen schon ein Einige. Du muss bedenken, dass wir ja nicht in jedem Venue das selbe Equipment mitnehmen können. Also treffen sich unsere LKW`s des Öfteren zum Umladen. Manchmal kann es interessant werden wenn man kompliziertes Equimpent in komplizierte Gebiete bringen möchte. Zum Beispiel ist es nicht einfach zu rechtfertigen warum man nun Panzer mit nach Moskau nehmen möchte.“

Bei diesem schönen Beispiel konnten wir uns beide ein Lachen nicht verkneifen. Da mir nun der Transport der Show klar war, kam mir der erwähnte Venue-Unterschied nochmal in den Kopf und so fragte ich: „Wenn ich deine vorherige Ausnahme hernehme stellen sich mir zwei Fragen. Die Erste wäre was die kleinste Show war die ihr gespielt habt und die Zweite bezieht sich auf das größte Konzert das ihr je gespielt habt?

„Das größte ist ganz einfach. Die Show in Polen mit ca. eine halbe Millionen Besuchern. Das kleinste war vermutlich in Frankreich, bei welchem insgesamt vier Personen im Publikum waren. Einer war ein wirklicher Fan, der andere war vermutlich der Promoter und die anderen Zwei hatten noch nie von Sabaton gehört. Der Promoter-Head war auf Urlaub und hatte vergessen das Konzert dementsprechend zu bewerben, dass dazu auch noch in einem Gebiet in dem wir noch keine wirkliche Fanbase hatten. Also haben wir an dem Abend eines unserer längsten Sets gespielt und der eine Fan bekam die Show seines Lebens. Wir haben sogar die Türen verschlossen sodass keiner hinein kam, gaben den Anwesenden das Eintrittsgeld zurück und nutzten unsere Gage um Freigetränke und Essen für alle zu organisieren.“ erzählte Pär.

Etwas neidisch an diesem Abend nicht anwesend gewesen zu sein, befragte ich Pär noch aus persönlichem Interesse wie es so ist vor 500.000 Menschen zu spielen und ließ mir die Beschreibung auf der Zunge zergehen. Wir plauschten noch etwas bis schlussendlich die Zeit die wir hatten vorüber war und verabschiedeten uns voneinander.

Es war ein wirklich sehr entspanntes Gespräch, welches mir etwas mehr Einblick in die Band gegeben hat. Ein großes Dankeschön an Pär Sundström!

Natürlich gehört an dieser Stelle noch gesagt, dass man sich schon auf das kommende Album freuen darf was ich noch rezensieren werde und ich garantieren kann, dass die kommende Tour wieder ziemlich ziemlich geil wird! Somit, versammelt euch vor der Bühne der Herren, ihr werdet nicht entäuscht werden!