Interview mit Simon Michael/ Subway To Sally

Von Laura Fatteicher

Schon lange sind sie aus der Szene nicht mehr wegzudenken: Mit ihren rockigen Songs im mittelalterlichen Gewand ziehen Subway To Sally ihre Fans seit fast 30 Jahren in den Bann. In dieser Zeit haben sich auch Traditionen, wie die „Eisheilige Nacht“ zum Jahresende entwickelt. Pandemiebedingt konnte dieses Konzerterlebnis letztes Jahr nur online aus dem Potsdamer Lindenpark übertragen werden. Doch nun dürfen sich Fans doppelt freuen, denn das Streaming-Konzert wurde kurzerhand auch physisch veröffentlicht („Eisheilige Nacht - Back To Lindenpark“) und landete direkt auf Platz 6 der deutschen Albumcharts. Aktuell ist die Potsdamer Band für ihre anstehenden Auftritte fleißig am Proben. In einer kurzen Pause erzählt mir Simon Michael, wie die letzten Monate verliefen und ob schon neue Projekte in Planung sind.

Wie sahen die letzten Monate bei euch aus? Was habt ihr gemacht?

Simon: Die viel entscheidendere Frage ist, wie die nächsten Monate aussehen werden. Die letzten Monate sahen für uns genauso aus, wie für alle anderen auch. Wir Künstler sind natürlich die Letzten, die wieder arbeiten dürfen. Wir haben das im Dezember mit einem Online-Konzert ein bisschen überbrückt, aber ansonsten ist da nicht wirklich viel passiert. Unsere Band definiert sich sehr über Live-Auftritte wie Konzerte und wenn das natürlich fehlt, dann ist man ein bisschen auftragslos.

Das Streaming-Konzert, welches ihr im Rahmen eurer Eisheiligen Nacht gegeben habt, wie hat sich das für euch angefühlt? Wie ist es, ein Konzert ganz ohne Publikum zu spielen?

Simon: Ohne Zuschauer zu spielen ist total seltsam. Besonders dieser Moment, wenn der Song durch ist und dann nichts als Stille folgt. Wir haben das ein bisschen kompensiert, indem wir uns eine spezielle Situation geschaffen haben. Wir haben uns im Kreis aufgestellt und für uns quasi selber Musik gemacht, um eine Art Proberaum-/Jam-Session-Situation zu haben. Das hat es ganz gut kompensiert, aber es fühlt sich natürlich trotzdem seltsam an.

Hast du selbst auch Streaming Konzerte anderer Bands verfolgt?

Simon: Ja, ich habe zum Beispiel für Schandmaul auch Streaming-Konzerte gemixt. Feuerschwanz habe ich gesehen, Lord Of The Lost haben mir auch sehr gut gefallen ...

Um nochmal auf eure „digitale“ Eisheilige Nacht zurückkommen: Ihr hattet wie immer viele Gäste dabei, unter anderen auch Joachim Witt. Warum ist der Song „Goldener Reiter“ nicht mit auf der kürzlich veröffentlichten DVD/Blu-ray gelandet?

Simon: Ah, sehr aufmerksam! Es waren vertragliche Hürden, die nicht zu überwinden waren. Witt ist ja Potsdamer und wir sind so auch alle befreundet, aber wir sind uns da einfach nicht einig geworden. Das Produkt, die DVD, ist nichts, womit man irgendwie Geld verdient – das ist ein Geschenk an die Fans. Wir haben es ja nur veröffentlicht, weil die Fans explizit danach gefragt haben. Wir haben hunderte Nachrichten und Kommentare dazu bekommen und dementsprechend lief das alles ein bisschen „handschlagmäßig“.

An welche Tour-Erlebnisse erinnerst du dich besonders gerne zurück?

Simon: Wir haben ab und zu mal ein paar Ausflüge gemacht, sind zum Beispiel nach Russland oder zehn Tage nach China geflogen und waren da auf Tour. Das sind so Dinge, die man mitnimmt, denn ich wäre ganz sicher nicht zehn Tage durch China gereist, wenn ich nicht der Musik wegen dahin gekommen wäre. Das ist nicht so das Land, was touristisch auf meiner Agenda ganz oben steht. Doch am Ende war ich umso glücklicher, dass wir so ein bisschen touristisch unterwegs sein konnten. Davon habe ich unglaublich viele Eindrücke mitgenommen, von denen ich heute immer noch total begeistert erzähle. Wahrscheinlich sind das die schönsten Momente, die man auf Tour als Gemeinschaft erleben kann.

In einem gemeinschaftlichen Projekt (Subway to Sally, Saltatio Mortis, Feuerschwanz, Tanzwut, Schandmaul, d`Artagnan, Patty Gurdy, Sasha) konntet ihr bei dem Song „Kaufmann und Maid“ mitwirken. Wie kam es zu der Konstellation mit dem „szenefremden“ Sasha?

Simon: Das ist ja nicht so ganz auf unserem Mist gewachsen. Das war glaube ich eine Nummer von Late Night Berlin mit Klaas Heufer-Umlauf. Die haben da eine Aktion gemacht, wo Sasha „Schrott-Songs“ singen musste und diese dann „im Sinne einer Marktforschung“ mit versteckter Kamera verschiedenen Probanden vorgespielt wurden. Darunter war dann natürlich auch eine Mittelalter-Rock-Nummer. Das Ganze wurde Donnerstagnacht gesendet und als ich Freitagmorgen aufgestanden bin, hatte ich ungefähr 35.000 Nachrichten auf allen Kanälen, wie “Hast du das gesehen? Ach, das war so lustig” oder “Da habt ihr euch mal schön durch den Kakao ziehen lassen” und so. Ben von Feuerschwanz ging es genauso – und dann habe ich ihn um halb 9 angerufen und gemeint, dass wir eine Videoantwort produzieren sollten.

 

Also einfach den Song fertig schreiben (denn das war nur eine Strophe) und dem etwas flachen Text noch eine Handlung geben. Um halb 11 war der Text fertig geschrieben und ich habe dann das Instrumental produziert. Zeitgleich sind Saltatio Mortis lustigerweise auf die gleiche Idee gekommen und wir haben uns dann miteinander abgesprochen und einfach alle möglichen Leute aus der Szene angefragt, ob sie Lust hätten da mitzumachen. Und dann hat sich das so ein bisschen verselbstständigt.

Fotocredit: Alexander Schlesier

Auch Universal sind darauf aufgesprungen und wollten da ein richtiges Video dazu machen. Über eine Bekannte habe ich dann Sasha nochmal fragen lassen, ob wir das überhaupt machen „Ja, ich würde dann aber gerne mitmachen.“ Dass das dann über Monate hinweg in den Apres-Charts landet und dass da innerhalb von zwei Tagen eine Million Klicks drauf sind UND dass die da plötzlich noch Fernsehwerbung da drauf schalten... Es war eigentlich eine Schnapsidee. Dass sich das so entwickelt hat, hat mich dann doch überrascht.

Also ich sehe Sasha schon in einem Musikvideo zu eurem Song “Julia und die Räuber” als Hauptfigur (lacht) ...
Simon: Ich habe Sasha schon angeboten, wenn er mal Bock hat wirklich Mittelaltermusik zu machen, soll er mich anrufen. Er ist aber bis heute nicht darauf zurück gekommen (lacht).

Gibt es noch weitere musikalische Projekte von Subway To Sally, auf die wir gespannt sein dürfen?

Simon: Wir arbeiten an ein paar neuen Songs, aber ich nagel mich jetzt mal nicht fest, wann da was kommt oder was daraus wird. Das ist aktuell eine sehr schwer überschaubare Situation – aber klar, wir sitzen jetzt nicht faul rum, wir arbeiten schon an neuem Material. Und außerdem wird Subway To Sally ja nächstes Jahr dreißig ... aber auch dazu kann ich noch nichts sagen. Lasst euch überraschen!

Wenn du die freie Wahl hättest, mit welchem Musiker oder welcher Band würdest du gerne mal zusammenarbeiten?

Simon: Ich würde gerne mal mit Guns N’ Roses zusammenarbeiten ... oder Lacuna Coil ... oder Alter Bridge. So Helden meiner Jugend. Man Blickt immer zu den Musikern auf, mit denen man groß geworden ist. Und ich habe das große Glück, dass ich die alle auch mal kurz treffen und kennenlernen durfte – den einen mal länger, den anderen mal kürzer – aber sie waren alle so, wie ich es mir gewünscht hatte. Mit so Leuten mal ein paar Songs spielen, das wäre schon ganz ganz toll.

Konzerte sehen dieses Jahr etwas anders aus, zum Beispiel in Form von Strandkorb-Konzerten und ähnlichen Konzepten. Ist sowas auch eine Option für euch?

Simon: Wir spielen ja jetzt ein paar „Hock Rock MPS“-Konzerte. Das ist eine Festivalreihe, die auch mit Hygienekonzept und bestuhlt ist. Na klar, als Musiker will man spielen und logischerweise freuen wir uns da drauf und sind jetzt gerade schon gewaltig dabei zu Proben.

Seid ihr optimistisch, was eure anstehenden Konzerte im Herbst und die diesjährige Eisheilige Nacht betrifft?

Simon: Das sind Dinge, die wir nicht in der Hand haben und über die man nur ganz schwer sprechen kann. Ich könnte jetzt sagen, dass wir sie absagen – das kann und will ich nicht, weil es dafür auch noch gar keine Rechtssicherheit gibt, weil es eben noch keine Beschlüsse für Herbst oder Winter gibt. Ich könnte aber auch sagen, dass wir es durchziehen und die Leute Karten kaufen sollen – dann sind wir als Band trotzdem in einer sehr schlechten Situation, wenn dann doch die Absage kommt, weil eine neue Variante von Corona ums Eck kommt oder nicht genügend Leute geimpft sind ... ich weiß es nicht. Das ist eine riesige Kristallkugel, in die wir schon seit eineinhalb Jahren reinschauen. Aber ich glaube, für das was wir leben und was wir so gerne machen – also Rock ‘n’ Roll und mit vielen Leuten zusammensein, Biertrinken, Schreien, Party machen – das geht glaube ich erst wieder, wenn alles seinen normalen Gang nimmt. Wir arbeiten dran, wir sind auch alle geimpft, wir geben uns größte Mühe, diese Sache auch weiterhin ernst zu nehmen. Auch im Hinblick darauf, dass wir natürlich super gerne und möglichst bald, einfach unseren Beruf wieder ausüben wollen.

Wir hoffen natürlich, dass es bald wieder richtig losgehen kann. Danke für das Interview und genießt eure kommenden Live-Shows!