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Assassination Nation

Wenn der amerikanische Präsident selber keinen Zweifel mehr an seinen rassistischen und frauenverachtenden Grundeinstellungen zulässt, dann ist der Film genau für unsere Jetzt-Zeit gemacht.

Zur Story: Lily (Odessa Young) und ihre Freundinnen wohnen in einer Kleinstadt Salem und gehen auf die High-School. Rein zufällig wurde genau diese Stadt Salem im 17. Jahrhundert durch ihre Hexenprozesse bekannt, was untergründig auch Thema dieses Films ist.

Das Girly lebt das ganz normale Leben eines amerikanischen Teenagers im 21. Jahrhundert. Ihr Alltag ist bestimmt von den sozialen Medien und auch sie chattet, postet und fotografiert 24/7 auf ihrem Smartphone. Das Kleinstadtgefüge gerät völlig aus den Fugen, als ein großflächiger Leak eines anonymen Hackers die privaten Chats, Fotos usw. zuerst des Bürgermeisters (Cullen Moss), dann des Schulrektors Turrell (Colman Domingo) und schließlich aller Einwohner veröffentlicht für alle sichtbar postet. In Rekordzeit haben die Bilder Millionen Aufrufe.

Und als ob das noch nicht schlimm genug wäre, denn jeder hat ein Geheimnis, es sieht auch noch so aus, als wären Lily und ihre Freundinnen Sarah (Suki Waterhouse), Em (Abra) und Bex (Hari Nef), dafür verantwortlich. Schnell bricht in Salem das absolute Chaos aus, die Einwohner gehen aufeinander los. Lily und ihre Freundinnen sehen sich in einen gnadenlosen Kampf ums Überleben verwickelt, als die mordlüsterne Meute über sie herfällt. Grund für die daraufhin einsetzende Menschenjagd ist, was auch schon die historischen Hexenjagden genährt hat – die Angst vor der weiblichen Sexualität.


Fazit: Der Film ist wie eine Mischung aus Black Mirror, Purge und noch vielen anderen Sachen, welche man eigentlich an keiner Hand abzählen kann. "Assassination Nation" ist auch ein Film über Spaltung und er will polarisieren. Der Film zeigt, wie ein oppositionelles Verhältnis, zwischen Männern und Frauen, Jung und Alt, Schwarz und Weiß, in Gewalt kippen kann, sobald kein Gleichgewicht mehr herrscht, sondern ein Machtgefälle. Nach der Premiere beim Sundance Filmfestival ging der Riss quer durch Kritiker und Publikum. Selten hat ein Film die Bandbreite der Bewertungsskalen so ausgenutzt wie dieser. Ein Film, der als Drama anfängt und über einige genial inszenierte Thriller-Momente in der totalen Anarchie im zweiten Teil endet. Allerdings ist alles reichlich mit Blut durchtränkt. Mit intensiven Neonfarben, überhöhender Slowmotion und extremen Kameraperspektiven schafft der Film eine Stimmung der Entgrenzung.

Eine Horrorsatire über das Internet, die Allgegenwart der Sozialen Medien und nicht zuletzt über Sexismus und viel, viel Gewalt. Ein Film, der unverkennbar das Produkt unserer Zeit ist. Was lernen wir daraus? Zumindest das man selbst bestimmt, wie man sich selbst in der Öffentlichkeit darstellt. Man sollte allerdings für diesen sehr anders daher kommenden Film bereit und sich im klaren sein, dass es eben kein Standardwerk sondern unverfälschte Sozialkritik ist.

 
Gesamtbewertung:

Kinostart: 18. November 2018

Home-Entertainment-Release: 29.03.2019

Produktion: USA 2018

Genre: Thriller, Drama

Darsteller: Odessa Young, Suki Waterhouse, Hari Nef, Cullen Moss, Colman Domingo

Regie: Sam Levinson

Länge: 107 Min.
FSK ab: 16
Tonformat: DTS-HD 5.1

 

Verleih: Universal Pictures Home Entertainment

Action:
Humor:
Gefühl:
Spannung:
Anspruch: