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Green Book - Eine besondere Freundschaft

In "Green Book" chauffiert ein prolliger Italoamerikaner einen afroamerikanischen Pianisten für eine Tournee über amerikanische Highways. Der Film spielt im Jahr 1962, als in den Vereinigten Staaten vielerorts noch strikte Rassentrennung herrschte, besonders im Süden. Der Filmtitel bezieht sich auf das Negro Motorist Green Book, das schwarze Autofahrer aufklärte, in welchen Hotels, Restaurants, Tankstellen sie einkehren durften und sogar Ärzte fanden, die sie nicht wegen ihrer Hautfarbe vor der Tür stehen ließen. Insofern war das Green Book eine wichtige Überlebenshilfe, um sich nicht ständig einer Erniedrigung nach der anderen aussetzen zu müssen. Die letzte Ausgabe des Buches erschien Mitte der 60er Jahre.

Zu jener Zeit erzählt der Film die wahre Geschichte des gebildeten schwarzen Pianisten Don Shirley (Mahershala Ali) aus gutem Hause, der sich 1962 von dem Italoamerikaner Tony Vallelonga, genannt "Tony Lip" (Viggo Mortensen) für eine zweimonatige Konzerttournee in die Südstaaten chauffieren ließ – und trotz seines Status als Bühnenstar ebenfalls auf das grüne Heftchen angewiesen war. Anfang der 60er Jahre durfte Don Shirley zwar als gefeierter Musiker für hohe Gagen vor erlesenem Publikum spielen, aber nicht vorher am Nachbartisch im Restaurant speisen.

Alles fängt damit an, dass der nicht gerade helle Türsteher Tony Lip seinen Job in einem New Yorker Nachtclub verliert. Tony beißt in den sauren Apfel und begleitet den Starpianisten Shirley, obwohl er dies anfänglich ablehnte.

Die Fahrt mit dem mintgrünen Cadillac wird schnell zum Schauplatz diverser Scharmützel zwischen dem ruppigen Chauffeur und seinem vornehmen Fahrgast, dennoch nähern sich die beiden grundverschiedenen Männer an. Zwei Menschen, die miteinander reden und relativ schnell merken, dass ihre Wünsche, Träume und Hoffnungen gar nicht so unterschiedlich sind. Trotzdem ist es berührend, ihnen dabei zuzusehen, wie sie einander inspirieren und komisch, wie sie mit ihren eigenen Vorurteilen ringen und sich dabei gegenseitig den Horizont erweitern.

Fazit: »Green Book« ist nicht mit den zotigen Komödien zu verwechseln, die Peter Farrelly zusammen mit seinem Bruder Bobby gedreht hat, darunter »Dumm und Dümmer«, »Verrückt nach Mary« oder »Schwer verliebt«. Was das Roadmovie über die Klischeehaftigkeit seiner Konstruktion erhebt, sind neben der stimmigen Sinnlichkeit der Locations die beiden Schauspieler. Aber nichts an Green Book ist wirklich überraschend. Oldschool, aber richtig gut gemacht. Gekonnt hält Comedy-Spezialist Peter Farrelly die Balance zwischen Kritik und Komik in seinem politischen Aufklärungskino, um sein Publikum auf eine emotionale, berührend und immer wieder humorvolle Reise mitzunehmen. Marhershala Ali und Viggo Mortensen verkörpern ihre Figuren so unfassbar sympathisch, dass man sie einfach lieben muss und werden mit ihrem sympathischen Spiel zu Hoffnungsträgern in einer Welt, wo Freundschaft zwischen Schwarzen und Weißen auch 50 Jahre später noch keine Selbstverständlichkeit ist.

Bei den Golden Globes durfte die Tragikomödie drei Preise einheimsen. Der Film über eine Freundschaft zwischen einem Schwarzen und einem Weißen war für 5 Oscars nominiert, 3 hat er bekommen für "Bester Film", "Bester Nebendarsteller" (Mahershala Ali) und "Bestes Originaldrehbuch".

 
Gesamtbewertung:

Kinostart in Deutschland: 31.Januar.2019

Home-Entertainment-Release: 19. Juni 2019

Produktion: USA 2018

Genre: Politkomödie

Darsteller: Viggo Mortensen, Mahershala Ali, Linda Cardellini, Sebastian Maniscalco, Dimiter D. Marinov, P.J. Byrne

Regie: Peter Farrelly

Länge: 130 Min.
FSK ab: 6

 

Tonformat: DTS-HD 5.1

Verleih: Entertainment One Germany GmbH

Vertrieb: 20th Century Fox

Action:
Humor:
Gefühl:
Spannung:
Anspruch: