Der Bruder
von
Christine Brand
Klappentext: Irena Jundts Vater ist tot. Um das Elternhaus zu räumen, muss die Rechtsmedizinerin der Berner Kripo zurück in das abgelegene Bergdorf ihrer Kindheit. Eine Kindheit, die mit dem Verschwinden ihres Bruders abrupt endete. Damals wurde ein brutaler Kindermörder für Benis Tod verurteilt. Doch bei ihrer Rückkehr erkennt Irena, dass irgendetwas an der Geschichte nicht stimmt, und die Dorfbewohner etwas verbergen. Wenig später wird in Bern ein kleiner Junge vermisst gemeldet – Sandro Bandini, Chef der Abteilung Leib und Leben bei der Berner Polizei, beginnt mit Hochdruck zu ermitteln und auch seine Freundin, Journalistin Milla, versucht mit gewohnt unkonventionellen Mitteln die Spur des Kindes zu verfolgen. Noch ahnt niemand, welche Kreise der Fall ziehen wird – und dass die Vergangenheit noch immer dunkle Schatten in die Gegenwart wirft …
Rezension: Die Autorin hat hier wahre Begebenheiten aus den Jahren 1980 bis 1986 recherchiert und mit fiktiven aktuellen Fällen von Kindesentführungen zu einem nervenaufreibenden Kriminalthriller verarbeitet.
Das Buchcover beeindruckt düster und fast mystisch gehalten, ein Junge sieht in die Dunkelheit, schon steht er zwei Schritte hinter dem sicher erleuchteten Zimmer.
Die erste Buchseite ist den teilweise noch heute vermissten Kindern aus der Schweiz gewidmet, mit der Überschrift „Gegen das Vergessen“. Dieses Jahrzehnt der spurlos verschwundenen Kinder aus den Kantonen der Ostschweiz wird auch das „Dunkle Jahrzehnt“ genannt, insgesamt verschwanden 21 Kinder und Jugendliche. Davon sind 7 Kinder bis heute nicht gefunden worden, weder tot noch lebendig. Ein Täter, Werner Ferrari, ist gefasst worden, doch konnten ihm nicht alle Taten zugeordnet werden, im Roman ist es der Kindermörder Klostermann. Diesen Kindermörder sucht die Rechtsmedizinerin in der Haftanstalt auf, um endlich Klarheit zu erlangen, über ein Trauma, welches sie seit Kindertagen belastet. Ihre komplette Familie ist daran zerbrochen.
Somit liegt in diesem Band die Hauptfigur fest, die charismatische Irina Jundt muss sich ihren Kollegen gegenüber endlich offenbaren, allein kann sie den Kampf nicht gewinnen. Verstrickungen auf politischer Ebene, alte Seilschaften und eine Dorfgemeinschaft, die sie am liebsten tot sehen möchte, bringen sie in höchste Lebensgefahr.
Sandro Bandini, der früher eine kurze Liason mit Irina hatte, ermittelt in einem aktuellen Vermisstenfall um den kleinen Fabio, er ist auf dem kurzen Weg vom Elternhaus in den Kindergarten spurlos verschwunden. Erst wird sein Skateboard gefunden, dann sein Rucksack. Das Ermittlerteam steht unter sehr hohem Zeitdruck, jeder im Team weiß, je mehr Stunden vergehen, umso kälter werden die Spuren, umso weniger hoch sind die Chancen, Fabio noch lebend zu finden.
Auch Milla ermittelt und berichtet über die Entführungen, oft ist sie dem Kommissar und seinem Team durch ihre Informanten einen Schritt voraus. Sie ist hin- und hergerissen, einerseits ist es ihre Art von investigativen Fernsehjournalismus, sie muss für ihren Sender Material liefern, anderseits hat sie eine hohe moralische Verpflichtung, denn auch Irina fordert ihre Hilfe an.
Nathaniel und Blindenhündin Alisha werden kurzerhand von Milla mit ins Geschehen katapultiert, als Personenschützer und natürlich als Spürhund. Nathaniel spielt in diesem 3. Band eine Nebenrolle, allerdings geht es in seinem privaten Umfeld mehr als aufregend zu. Endlich hat er Glück im Leben.
Bei Milla und Sandro hingegen hängt der Haussegen mehr als schief, da Milla anfangs Erkenntnisse und ermittlungsrelevante Tatsachen für ihr berufliches Fortkommen nutzt. Ein besonderes Lebensereignis jedoch stellt das junge Paar vor schwierige Entscheidungen.
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