East of Inferno
von
Thomas Engström
Inhalt: Ludwig Licht arbeitet für einen Sicherheitsdienst in Tiflis, wird täglich mit der explosiven Lage des Landes konfrontiert und muss sich schließlich seinem schlimmsten Feind aus Stasi-Zeiten stellen.
Lichts Kontakte zum amerikanischen Geheimdienst sorgen dafür, dass er in Georgien in kürzester Zeit zwischen alle politischen, nationalen und auch religiösen Fronten gerät. Dann bringt eine Serie von Terroranschlägen das Land in den Ausnahmezustand. Bekennerschreiben von der IS verbreiten überall Panik. Doch Ludwig Licht ahnt, dass die wahren Strippenzieher ganz woanders sitzen.
In seinem letzten, härtesten Kampf erkennt Ludwig Licht außerdem, dass es nicht nur um sein eigenes Überleben geht, sondern dass er jemanden beschützen muss, um den er sich bislang viel zu wenig gekümmert hat: Es ist sein Sohn Walter ...
Rezension:
Durch die Mini-Fernsehserie des ZDF „West of Liberty“ (Band 1), in der Hauptrolle Wotan Wilke Möhring wurde ich recht schnell zum infizierten Leser des Schriftstellers Thomas Engström. Kommt im Fernsehfilm noch der, wie immer fulminante Schauspieler Lars Eidinger, der Hydraleaks Gründer Lucien Gell in seiner ganzen Fiesheit und Verlogenheit exzellent verkörperte. Der Spannungsbogen bleibt sowohl im Krimidebüt als auch im Film bis zum Ende sehr hoch.
Etwaige Parallelen zu WikiLeaks sind hier sicherlich als Ideengeber vorhanden. Ludwig Licht, ein verbitterter, vom System der DDR enttäuschter ehemaliger Stasi-Oberst, hat als Doppelagent für den Osten und den Westen gearbeitet. Hin und wieder nimmt er Auftragsarbeiten für den CIA an, er ist Kneipen-besitzer, ewig verschuldet und als Alkoholiker oft Stammgast am Bartresen Unkonventionell und ruppig löst er den kniffligen Einsatz auf seine Art und Weise.
Der
4. Band und krönendes Abschlussfinale der Ludwig Licht Reihe. In „East of Inferno“ arbeitet Licht für einen Sicherheitsdienst direkt in Tiflis. Das Setting und die Schilderung der Lebenssituation der georgischen Bevölkerung in ihrer ganzen Zerissenheit zwischen Tradition, Politik, Modernisierung und der Beziehung zu Russland, einschließlich des Krieges in Tschetschenien machen diesen 4. Band schon zum eindrucksvollsten des Quartetts. Es ist vom Leser nur zu vermuten, dass der Autor Georgien selbst bereist hat, um diese detaillierte und sehr pointenreiche und farbenfrohe Schilderung für Land, Leute und ihre Brauchtümer in diesen sehr politischen Agententhriller zu verfassen. Da mokieren sie zwei einheimische Mitstreiter Lichts zum Beispiel über die Frage Ludwigs, ob man denn in einem weit entlegenen Bergdorf Swanetiens ein Auto mieten könne. Man kann, aber das hat man dann für 300 Dollar gekauft. Und einen Schnaps oben drauf. Und dem tschetschenischen Grenzbeamten gibt man auf die Frage hin, ob man Bargeld mit hat, sein gesamtes Bargeld. Dann darf man einreisen, denn nun hat man ja keine Fremdwährung mehr. Gerne gibt der Grenzbeamte dann noch den Standort des nächsten Geldautomaten mit auf den Weg.
Im Grenzgebiet Georgiens holen Licht die ärgsten Widersacher und Häscher aus den Stasi Zeiten wieder ein. Dieses Mal geht es um Ludwig selbst und um seinen Sohn Walter, der ihn in Tiflis besucht, um ein für alle Mal Klarheit und die Nähe zu seinem Vater zu finden. Und Ludwig Licht? Er entscheidet sich am Ende des Thrillers für seinen Weg und seine Freiheit.
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