BILLIE EILISH: "Happier Than Ever"
Billie Eilish, die jüngste „James Bond“- Sängerin bis jetzt, veröffentlichte am 30.07.21 ihr neues, zweites Studioalbum „Happier Than Ever“. Der Titel lässt auf „glücklichere“ Melodien schließen- jedoch natürlich im „Billie- Gewand“. Die 20 - jährige Kalifornierin ist wohl zu diesem Zeitpunkt niemandem mehr eine Unbekannte. Sie machte mit Songs wie „Lovely“, „When The Party Is Over“, „Six Feet Under“ und „Bury A Friend“ traurigen, düsteren Pop salonfähig.
Sie prangert, wie viele andere weibliche Künstlerinnen, das Frauenbild, die Regeln, denen sich Frauen und Mädchen größtenteils immer noch „beugen müssen“ öffentlich an und verarbeitet diese Themen natürlich auch musikalisch. Zum Beispiel im Song „Not My Responsibility“. Was für eine Wirkung hat der Körper auf die Gesellschaft? Wie werden Menschen nach ihrem Äußeren, nach ihren Körpern beurteilt und vor allem verurteilt? Sie selbst hatte jahrelang Probleme mit ihrem eigenen Körper und der Objektivierung, die der weibliche Körper leider immer noch und viel zu häufig mit sich bringt. Musikalisch bietet „Happier Than Ever“ dem Billie Eilish Fan den typischen Klang ihrer Stimme. Teilweise finden sich beatlastigere Stücke, wie zum Beispiel: „I Didn´t Change My Number“ oder wie im Titel bereits erkennbar „Billie Bossa Nova“ in Bossa Nova Manier.
Allerdings ist „beatlastig“ bei Billie Eilish etwas relativ. Was die Sängerin eigentlich immer recht verlässlich schafft, ist die „Text - Musik - Schere“. Deshalb lohnt es sich im Zweifelsfall immer genauer hinzuhören. Ihre eigene Veränderung als Person, aber auch als Künstlerin, Beziehungen- das Kommen und Gehen, nicht loslassen können - es findet sich nach wie vor viel Traurigkeit, Wundern und Verwirrtsein, aber auch Klarheit, Akzeptanz. Ob nun im postiven oder negativen Sinne, sie finden ihren Raum auf „Happier Than Ever“. Hat man sich etwas reingehört stellt sich mir immer mehr die Frage “in den Weg“ ob der Titel eher ironisch gemeint ist. Doch auch wenn der Reiz genau in der „Unklarheit“ von Klang und Bedeutung liegt, erkennt man klar Anleihen und Ähnlichkeiten zu älteren Songs.
Was teilweise einen gewissen Charme hat - wie zum Beispiel die „Geräusche“, die teils am Anfang eines Songs, teilweise mittendrin an Außerirdische oder Monster erinnern, andererseits aber auch dafür sorgen, dass vieles etwas „überbekannt“ klingt. Ich könnte mir vorstellen, dass sie ihre Stimme durchaus anders einsetzen kann, doch sie tut es nicht. Der Spagat zwischen Wiedererkennungswert und vielleicht auch Alleinstellungsmerkmal und „Eintönigkeit“ ist ganz klar eine Herausforderung, die meiner Meinung nach von Billie Eilish besser gemeistert werden könnte.
Schade finde ich auch die Entwicklung bei „My Future“ - der Anfang und auch die Melodie ist interessant und lässt einen aufhorchen, doch der einsetzende Beat nimmt die Spannung und „zerstört“ das „Oldschool- Diva“- Feeling, anstatt es weiterzubringen oder zu verfremden. Bei „Goldwing“ gelingt der Bruch wesentlich besser. Einen gelungenen Abschluss, finde ich, bildet „Male Fantasy“. Hier treibt sie ihre Zerbrechlichkeit in der Stimme und den Gegensatz, der textlich stattfindet, auf die Spitze.
Fazit: Billie Eilish´s „Happier Than Ever“ ist interessant, wirft allerdings auch die Frage auf in welche Richtung sich die Künstlerin noch entwickeln möchte oder kann- ich denke, da geht auf jeden Fall mehr. Mal sehen wie ihre Resie weitergeht. Von mir gibt es 06/10 Punkten und wieder die Aufforderung genauer hinzuhören- lohnen tut es sich trotz allem nämlich auf jeden Fall.
--> Musikvideo: Billie Eilish - Happier Than Ever
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