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BILLY F. GIBBONS: "The Big Bad Blues"

Schon seit knapp fünfzig Jahren ist Billy F. Gibbons als Teil der legendären Bluesrock Band ‚ZZ Top‘ ein nicht wegzudenkender Bestandteil der internationalen Musikszene  - nicht umsonst wurde ‚ZZ Top‘ im Jahr 2004 in die Rock & Roll Hall Of Fame aufgenommen. Im Jahr 2015 war es dann soweit und mit dem leicht kubanisch angehauchten ‚Perfectamundo‘ veröffentlichte Billy F. Gibbons sein erstes Soloalbum. Nach diesem Abstecher auf musikalisches Neuland kehrt er nun mit seinem zweiten Soloalbum ‚The Big Bad Blues‘ wie der Name schon andeutet zum Blues zurück und bedient sich dabei jener Elemente, die das Fundament seiner nunmehr fünf Dekaden umspannenden Karriere darstellen, in deren Verlauf er unzählige Hits landete – schaffte es doch das ‚ZZ Top‘ Album ‚La Futura‘ erst vor kurzem auch in den deutschen Album-Charts auf Platz fünf.

‚The Big Bad Blues‘ vereint elf Songs, fünf Coversongs und sechs Eigenkompositionen, allesamt mit Gibbons unverkennbarer Handschrift. Weiter mit von der Partie bei diesem Album sind Mike ‚The Drifter‘ Flanigin an den Tasteninstrumenten, Joe Hardy am Bass, Greg Morrow und Matt Sorum an den Drums, Austin Hanks an der E-Gitarre, sowie James Harman, der gemeinsam mit Gibbons selbst für die Mundharmonikaparts verantwortlich zeichnet.

Die erste Nummer ‚Missin‘ Yo‘ Kissin‘ klingt wirklich und wahrhaftig angenehm nach vertrautem Bluesrock Terrain, mit schmutzig rauen Vocals, eingängigem Rhythmus und angriffigen, geradezu kantigen Mundharmonikaparts. ‚My Baby She Rocks‘ hat etwas von Tom Waits und lässt doch die unverkennbare Ähnlichkeit mit ‚ZZ Top‘ nicht übersehen, mit altgewohntem Standart-Blues-Beat und eindringlichem Gitarrensolo. ‚Second Line‘ erinnert ein wenig an Ronnie James Dios Band ‚Elf‘, ist schmissig und auf geruhsame Art und Weise packend. ‚Standing Around Crying‘ ist ein Muddy Waters Cover, hervorragend ausgeführt, mit entsprechendem Respekt vor dem Meister Muddy und gleichsam viel Gefühl wie Können dargebracht. ‚Let The Left Hand Know…‘ bietet wahre Mundharmonika Exzesse, mit gelungen schmuddeliger Atmosphäre, die herrlich nach weiten Straßen und engen Bikerclubs klingt. ‚Bring It To Jerome‘ ist ein Jerome Green Cover, mit kraftvollem Sound, das den Hörer gewisslich nicht enttäuscht. ‚That’s What She Said‘ bietet angenehme Gitarrenriffs, kratzige Vocals und allgemein einen passend bluesigen Klang. ‚Mo‘ Slower Blues‘ ist eine Nummer, die ihrem Namen durchaus Ehre macht und von einfühlsam schleichendem Klang geprägt ist. ‚Hollywood 151‘ ist eine lebendige Nummer, von Gitarren und Gesang getragen, durchaus nicht ohne bemerkenswerte Momente auch des Schlagzeugs und des Bass. ‚Rollin‘ and Tumblin‘‘ ist das zweite Muddy Waters Cover des Albums und ist ebenfalls grandios ausgeführt, schneller und rockiger, als man es vielleicht erwarten würde und solcherart durchaus interessant und eigentümlich. Die letzte Nummer des Albums schließlich ‚Crackin‘ Up‘ ist ein Bo Diddley Cover und überrascht den Hörer auf ausgesprochen unerwartete, erheiternd leichtherzige Art und Weise.

FAZIT: Was anderes als ein großartiges Meisterwerk kann man von einem Musiker wie Billy F. Gibbons erwarten? Nichts anderes jedenfalls hat er mit ‚The Big Bad Blues‘ geliefert, ein hervorragendes Album, das nicht alleine mit den darauf enthaltenen Coverversionen den Größen des Blues Achtung zollt, als vielmehr vom gesamten Klang und Aufbau her eine Hommage an eben diese Größen darstellt. Dabei klingt es gefällig wie natürlich, vor allem durch die zuweilen wunderbar kratzige Stimme und die überbordende Mundharmonika. Alles in Allem gibt es dafür 10 von 10 möglichen Punkten.

 
Bewertung:

GENRE: Bluesrock

TRACKLIST:

1. Missin’ Yo’ Kissin’ (Gilligan Gibbons)
2. My Baby She Rocks
3. Second Line
4. Standing Around Crying (Muddy Waters)
5. Let The Left Hand Know…
6. Bring It To Jerome (Jerome Green)
7. That’s What She Said
8. Mo’ Slower Blues
9. Hollywood 151
10. Rollin’ and Tumblin’ (Muddy Waters)
11. Crackin’ Up (Bo Diddley)

VÖ: 21.09.2018
Format: CD / LP / Digital
Label: Concord Records
Vertrieb: Concord Records
Auf Tour im Norden: -

Rezensent: Florian

--> Musikvideo: Billy F Gibbons: Missin' Yo' Kissin'