Gelungene Premiere für „Unter Geiern“

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Bad Segeberg, 29.06.2019 - Die Karl-May-Spiele erleben gerade die mit Abstand erfolgreichste Phase ihrer Geschichte. Für die Kalkberg GmbH gibt es also keinen Anlass, an ihrem Erfolgskonzept etwas zu ändern. In ihrer 68. Saison führen die Karl-May-Spiele in Bad Segeberg „Unter Geiern – Der Sohn des Bärenjägers” des deutschen Schriftstellers Karl May (1842-1912) bis 8. September auf. Etwa 7500 Besucher kamen zur Premiere bei bestem Sommerwetter, die um 20:30 Uhr begann. Norbert Schultze jr. (76) war das letzten Mal als Regisseur tätig. Bei dieser Ankündigung standen alle Zuschauer auf und klatschten. Außerdem bekam er von einer Zuschauerin eine verzierte Abschiedstorte. Die diesjährige achte Inszenierung unterscheidet sich deutlich von den früheren Fassungen. Es ist die Geschichte des Hasses zwischen Indianern und Weißen, die aber mithilfe von Winnetou friedlich endet.

Eine halbe Million Euro sind nach den Worten von Geschäftsführerin Ute Thienel unter anderem in das neue Bühnenbild, die Lichttechnik und die Kostüme geflossen. Wesentlich mehr Indianer mussten eingekleidet werden als in den Jahren zuvor. Das ist dem Umstand geschuldet, dass in „Unter Geiern“ gleich mehrere, zum Teil konkurrierende Stämme ein Rolle spielen.

Weitere 350.000 Euro hat die Kalkberg GmbH für Unterhaltungsmaßnahmen im Stadion selbst ausgegeben, z. B. für neue Boxen. Insgesamt kostet die neue Inszenierung 5,2 Millionen Euro. Wie in jeder Spielzeit müssen bis Anfang September rund 200 000 Besucher in die 72 Vorstellungen kommen, damit die Gesellschaft am Ende schwarze Zahlen schreiben kann. Voriges Jahr hatten die Karl-May-Spiele das sechste Mal in Folge mit 388 910 Besuchern einen neuen Zuschauer-Rekord vermelden können.

In der Hauptrolle des Winnetous ist erstmals der Sänger und Schauspieler Alexander Klaws (35, «Tarzan») zu sehen. In der Saison 2017 hatte er bereits in der Titelrolle des „Old Surehand“ im Wilden Westen von Bad Segeberg gespielt. Die Zuschauer hatten den Neu-Winnetou gleich ins Herz geschlossen. Selbst das Aufs-Pferd-steigen wurde eifrig beklatscht, machte er doch insgesamt eine sportliche Figur. An seiner Seite verkörpert der ehemalige RTL-Soap-Star Raúl Richter (32) den Sohn des Bärenjägers. Dem 26-jährigen österreichischen Model Larissa Marolt („Austria’s und Germany´s Next Top Model“) wurde die Rolle der Tiffany O’Toole auf den Leib geschneidert. Sascha Gluth, bekannt aus der RTL-Serie „Hinter Gittern“, spielt Winnetous blondierten Weggefährten Old Shatterhand, der kurz vor der Pause auch mal Schwierigkeiten hatte, auf das Pferd zu kommen. Insgesamt macht er zwar alles ziemlich gut, er hat in seiner – eigentlich sehr wichtigen – Rolle aber wenig Gelegenheit zu glänzen.

Altbewährte Karl-May-Recken waren auch wieder dabei: Joshy Peters als Bärenjäger Baumann, Nicolas König als der Schwere Mokassin, Fabian Monasterios als Weißer Büffel, Patrick L. Schmitz als „Antonio Ventevaglio“, Jogi Kaiser als „Urs Bürgli“ und der unverwüstliche Harald Wieczorek, der seit 40 Jahren Karl-May-Darsteller ist. Er ist, wie schon so oft, wieder in zwei Rollen zu sehen. Wie sich das für eine Karl-May-Premiere gehört, waren auch zahlreiche Prominente unter den Gästen.

Schleswig-Hosteins Landesregierung war Ministerpräsident Daniel Günther, Innenminister Hans-Joachim Grote und Justizministerin Sabine Sütterlin-Waack vertreten.

 

 

Aus dem Showgeschäft waren Claus Wilcke (79), Till Demtrøder, Oliver Stritzel, Tanja Schumann und Alt-Winnetou Jan Sosniok und viele andere dabei.

Die Karl-May-Besucher werden in der Saison 2019 in die Berglandschaft der Rocky Mountains entführt, ins Yellowstonegebiet mit zischenden Geysiren undbrodelndem Vulkan. Gleich zu Beginn hat ein Nebendarsteller seinen großen Auftritt: Zum Zeichen des Friedens ruft Winnetou einen Adler. Doch es erscheint ein Geier - ein Zeichen für Unfrieden. Der Geier „Django“ flog nach heftiger Bemühungen des Tiertrainers auch wieder zurück. Mit dabei ist aber auch anderes Getier: Adler „Mali“, fünf Enten, sechs Schafe, sieben Hühner und vier Ziegen. Irgendwie fehlte ein angekündigtes Watussirind. Auch ein Stinktier spielt mit, die Rolle teilen sich die Skunks „Bruno“ und „Fritzi“. Und viele Pferde waren natürlich auch dabei.

Der Kriegstreiber Hong-peh-te-keh schmiedet eine Intrige und begeht einen Mord an einer Rothaut und schiebt ihn dem Bleichgesicht Martin Baumann in die Schuhe. Während die Indianer auf dem Kriegspfad sind, muss Baumann die zickige Schauspielerin O'Toole, die auf der Durchreise von Indianern überfallen wurde, bespaßen und von sich überzeugen. Als die tote Rothaut auf des Pferd gehievt werde, zuckte sie noch mal mit dem Bein, was bei den Zuschauern Lacher hervorrief.

Erst vor wenigen Tagen hatte die Amerikanistik Professorin Mita Banerjee von dem Amerikanistik am Obama Institute for Transnational American Studies in Mainz öffentlich kritisiert, dass die Erzählungen um Winnetou klischeehaft sowie wirklichkeitsfern seien und damit auch die Karl-May-Spiele infrage gestellt. Geschäftsführerin Ute Thienel hatte sich von dieser Kritik distanziert. Karl May ist eben Fiktion. Der Schriftsteller aus dem Deutschen Kaiserreich schrieb seine Romane, ohne je in den USA gewesen zu sein – erst im fortgeschrittenen Alter schaffte er es erstmals dorthin. Und dort werden Deutsche nur in Dirndl und Krachleder dargestellt, vor Schwarzwald-Kulissen mit Bratwurst in der Hand.

Zum Schluss gab es ein großes Finale, welches etwas an Indiana Jones erinnerte und wie zu jeder Premiere ein Feuerwerk, welches aber aufgrund de Waldbrandgefahr etwas kleiner ausfiel. Das Publikum verabschiedete den sichtlich gerührten Schultze jr. mit stehendem Applaus. Weiter ging es dann für etliche Premierengäste und dem Ensemble auf der Aftershow- Party. Larrissas Eltern waren mit den Kindern Lisa-Marie und Sandro angereist, um ihre Tochter auf der großen Bühne zu erleben. Musical-Darstellerin Nadja Scheiwiller feierte mit ihrem Alexander bis in die Morgenstunden.