Bis das Genick schmerzt

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Wacken, 02.08.2019 (GE) - Kaum hatte ich den letzten Satz des vorgehenden Berichtes verfasst, packte ich meine Sachen und machte mich auf mir den Bauch vollzuschlagen. Hier sei erwähnt, dass ich wohl die geilsten Hot-Dogs meines Lebens bei ALOHA DOGS gefunden habe. Die Variation war derartig genial, dass ich mich die folgenden Tage nur noch dort ernährt habe! Wärmste Empfehlung an alle Festival-Gänger. Nachdem ich mich gelabt hatte, machte ich mich auf zur History-Stage, um meine neuen Bekannten Facing the Gallows zu begutachten.

Die 2007 gegründete Band, bestehend aus Reegan du Buisson (Vocals), James Irving (Guitar), Chase Baynon (Guitar), Ray James (Bass) und Victor Monginho (Drums), konnte ich ja schon am Campingplatz ausgiebig kennenlernen und daher war klar, dass ich ein paar gute Shots der Dudes liefern wollte. Abgesehen davon war ich neugierig was die Band aus Johannesburg so von sich geben würde. Gespannt platzierte ich mich vor der Bühne und nach einer kurzen Vorstellung durch einen Staff-Member legten die Herren los. Der melodische Hardcore der Band brachte die Crowd enorm zum Kochen. In der ersten Reihe stand der Vater des ehemaligen Sängers und eben jener und die Beiden genossen das Konzert enorm, so wie ich. Das Set war extrem motivierend und das volle Zelt zeigte, dass es nicht nur uns Dreien gefiel. Das Quintett lieferte mit voller Kraft und ich war am Ende richtig stolz mit solchen Musikern eine schöne Zeit verbringen zu dürfen.

Nach dem Konzert gönnten wir uns einmal eine Runde Bier, um den gelungenen Gig zu zelebrieren. Süd-Afrika steht seither auf meinem Reiseplan, speziell wenn Facing the Gallows vor Ort konzertieren, doch als nächstes stand etwas Patriotismus am Plan!

Wenn schon eine österreichische Band Dragony auf dem W: O: A aufgeigt, dann ist das für mich als Landsmann doch ein Fixpunkt im Plan. Die Glory Metal Band Dragony, bestehend aus Frederic Brünner (Drums), Herbert Glos (Bass), Manuel Hartleb (Keyboards), Andreas Poppernitsch (Guitar), Simon Saito (Guitar) und Siegfried „The Dragonslayer“ Samer (Vocals), ist seit 2015 schön unruhig und liefert immer wieder ein hymnisches Feuerwerk. Natürlich war ich gespannt, wie die Wacken-Crowd auf jenes reagieren würde und ich muss sagen, dass jene abgegangen ist wie ein Zäpfchen. Die Bühnenshow, im Speziellen die immer wieder mitreißende Performance von Siegfried, hat die Anwesenden stark mitgerissen und jene waren auch sehr textsicher. Die Band hatte alles professionellst im Griff und die Crowdinteraktionen funktionierten einwandfrei. Die History-Stage war erneut am Kochen und ich fotografierte mir die Seele aus dem Leib, bis die Zeit gekommen war einen kleinen Bühnenwechsel zu vollziehen, da ich zum ersten Mal im Graben der großen Bühnen stehen durfte. Danke an Dragony für eine solch ehrwürdige Vertretung des österreichischen Metal am Wacken!

Nun war es soweit und ich stand zum ersten Mal vor einer der großen Bühnen, genauer genommen der FASTER-Stage und wartete mit dem Haufen an Fotografen-Kollegen beim seitlichen Bühneneingang. Die anstehende Band stand schon etwas länger auf meiner Liste, da ich speziell die älteren Bands, welche sich möglicherweise bald zur Ruhe setzen, priorisiere. KROKUS aus der Schweiz ist eben eine dieser alten Legenden, welche 1974 gegründet wurde und daher war es mir eine Ehre mein Bühnengraben-Debüt bei ihnen zu haben.

Kaum waren die Herren auf der Bühne schallte mir eine echt feine Mischung aus Hard Rock und Heavy Metal entgegen. Der erste Vergleich der mir einfiel war „etwas härtere AC/DC“ und bzgl. jenem stimmten mir im Nachhinein einige Leute zu. Trotz des etwas höheren Alters gingen die sechs Herren gründlich ab und verzierten mit einer netten Pyro-Show das Ganze. Eine wirklich coole Show und ich bin froh, dass ich die Band auf der Liste hatte. Hoffentlich komme ich nochmal zu einer weiteren Show!

Mit der anschließenden Band leitete ich die eher etwas heftigere Genre-Beschallung ein. Da ich der schwedischen Band Necrophobic schon einmal am Kaltenbach Festival als Guitar-Tech zur Hand gehen durfte, war klar, dass ich mir ihre Show am Wacken nicht entgehen lassen würde. Freudig stand ich im Bühnengraben und wartete auf das enorme Black/Death-Metal Gewitter welche in Kürze ausbrechen würde. Anders Strokirk (Vocals), Alexander Friberg (Bass), Sebastian Ramstedt (Guitar), Johan Bergebäck (Guitar) und Joakim Sterner (Drums) betraten unter Applaus die Bühne und starteten die Zerlegung. Fribergs Mimik fasziniert mich immer wieder, da sein dämonischer Gesichtsausdruck nicht besser zur Musik passen würde. Strokirk plärrte sich seine Seele aus dem Leib währendem er theatralische Gesten machte, die besser nicht sein hätten können. Wenn ich die Band schlicht und kurz beschreiben müsste würde ich die Adjektive „mächtig“ und „böse“ nutzen. Für mich ist und bleibt Necrophobic eine der besten Black/Death-Bands der momentanen Szene und darüber hinaus!

Black und Death Metal sind wohl die Genre in welchen ich mich am wohlsten fühle, doch Thrash Metal kommt direkt danach. Daher gefiel mir der Vorschlag eines Kollegen, dass wie uns vor dem restlichen Abend im Bullhead Circus noch eine Band in der History-Stage geben, sehr gut, da die Thrash-Metal Band MONARCH am Plan stand. Die aus San Diego stammende Band, bestehend aus Matt Smith (Guitar/Vocals), Adam West (Drums), Alex Pickard (Bass) und Casey Trask (Lead Guitar) fanden sich 2008 zusammen und standen nur vor mir. Die Band lieferten beinharten Thrash und binnen kurzer Zeit füllte sich das vor Beginn noch etwas mager gefüllte Zelt. Die brutale Keule die die Herren schwangen verwunderte mich bei der Vorgeschichte bzw. aktuellen Tätigkeiten jener nicht wirklich.

 


 

Der Sänger Matt Smith ist auch aus den Bands Nihilist und Damcyan bekannt sowie Trask und Pickard aus der Band CAGE. Gemeinsam haben sie sich das Ziel gesetzt den Thrash-Metal am Leben zu erhalten und dies tun sie wirklich gekonnt.

Zurück im Bullhead-Circus gin es direkt wieder mit Black/Death Metal weiter. Das aus verschiedenen Ländern zusammengewürfelte Konglomerat aus David Vincent (Vocals), Rune Blasphemer Eriksen (Strings) und Flo Mounier (Drums), nennt sich Vltimas und lockte mit seinen Klängen die Crowd vor die Bühne. Die tiefe Stimme von Vincent hat eine ganz eigene Wirkung in Kombination mit der Instrumentalsektion, welche zwischen ruhig Trance-artigen und wiederum verdammt schnell drückenden Riffs variiert. Vorerst hatte mich die Band nicht wirklich ganz in ihren Bann gezogen, doch als die Herren den Intropart von Black Sabbath`s „Black Sabbath“ ancoverten stand plärrend in der Crowd und hatte noch für eine Weile einen immenses Grinsen im Gesicht. Die Show war jedenfalls sehr interessant und ich werde mich bis zur nächsten Show einmal etwas textsicherer machen, um jene dann vollends zu genießen.

Nach einer wirklich kurzen Umbauphase standen schon auf der Nebenstage die legendären GRAVE aus Stockholm. Die in 1986 als Corpse gegründete Band zählt zu den Urgesteinen des Deathmetal Genre und standen daher ganz groß auf meiner Liste. Der unglaublich rohe und böse Sound der von den Herren Ola Lindgren (Vocals), Tobias Christianson (Bass), Mika Lagrèn (Guitar) und Ronnie Bergerstahl (Drums) hervorgebracht wird, bringt so gut wie jede Crowd zum Kochen. Der Pit, welcher nicht lange auf sich warten lies, sah extrem brutal aus und man sah anstatt Gesichter nur noch Haare durch die Gegend fliegen. Ich selbst malträtierte bis zum Ende des Sets mein Genick und war durchwegs zufrieden mit dem was geliefert wurde.

Mein Genick hatte definitiv noch nicht genug Zeit zur Entspannung gehabt, da ging schon der Vorhang auf und eine weitere legendäre schwedische Band betrat die Bühne. Johnny (Bass/Vocals), Tomas (Guitar), Frederik (Guitar) und Anders (Drums) von Unleashed, welche sogar aus der selben Stadt wie Grave kommen, fanden sich 1989 zusammen und feierten so wie das Wacken Open Air ihr 30tes Jubiläumsjahr. Nachdem die Band mit ihrer Musik die Crowd schon einmal richtig schön ausgelaugt hatten, hielt Johnny kurz inne und begann über das Jubiläum zu sprechen. Er erzählte, dass der Tontechniker, welcher vor 30 Jahren die ersten Demotapes der Band aufnahm und mixte, damals seinen Namen nicht auf dem Produkt haben wollte, da er die Musik als Mist bezeichnete. Die Band gab nicht auf und Johnny bedankte sich im Namen der Band bei den Fans für die jahrelange Treue und auch bei allen die ihnen auf ihrem Weg geholfen haben. Nach so eine Ansprache war klar, dass die Crowd alles geben würde um das Dankeschön zurück zu geben und so wurde der Rest der Show noch extremer abgefeiert. Mein Genick lies mich das am nächsten Tag spüren.

Da ich trotzdem von schwedischen Metal noch nicht genug hatte, blieb ich bei der Stage und wartete schon gut vorgeheizt auf Dark Funeral. Die 1993 gegründete Band steht den vorgehenden um nichts nach und gelten ebenso als unumgängliche Legenden in dem Genre. Somit kann ich sagen, dass dieser Tag für mich Line-Up-technisch wirklich unglaublich befriedigend war. Dark Funeral hatte ich noch nicht gesehen und wartete daher sehr gespannt zwischen den Subwoofern im Bühnengraben und hatte meine Kamera schon zielbereit eingestellt. Die theatralische Show der verschreckend geschminkten Bandmitglieder lies eine derartig düstere Stimmung aufkommen, dass ich mir schon fast wie bei einer satanischen Messe vorkam. Die Bühne war gefüllt mit höllischen Symbolen und die Kombination aus rotem Licht und Pyroshow machten schon ganz schön was her. Abgesehen davon konnte ich die Wärme des Feuers bei den schon etwas kälteren Temperaturen gut gebrauchen. Nachdem ich aus dem Graben wieder hervorkam genoss ich die heftigen Klänge der Schweden und machte mich bereit für die letzte Band des Abends.

Die schwedische Metal-Welle war überstanden, doch ein ganz spezielles Schmankerl stand noch an. Das legendäre Demotape „Triumph of Death“ der damaligen Band Hellhammer aus der Schweiz wurde live von der gleichnamigen Band, welche von Tom Warrior auf die Füße gestellt wurde, vorgetragen. Dieses Demotape ist sozusagen geschichtsträchtig und ich werde mich hier auf die Beschreibung der Show beschränken, da die Geschichte den Rahmen sprengen würde. Ich sage nur, dass dieses Thrash/Black Metal Demotape bahnbrechend für die europäische Entwicklung des Metals war, mehr könnt ihr sicherlich online herausfinden.Triumph of Death kamen unter schallenden Applaus auf die Bühne und legten mit der Zerlegung los. Die textsichere Crowd sang passagenweise mit und man merkte, dass sich hier wirklich viele „Hardcore-Fans“ versammelt hatten. Für mich war dieses Konzert der perfekte Abschluss des Tages und so zog ich nach den 46 Minuten des Originals von dannen.