Interview mit Bruce Soord

Gregor Eder

Von Gregor Eder

Als großer The Pineapple Thief- Fan durfte ich mich im vergangenen Monat über ein neues Soloalbum des Gründungsmitglieds Bruce Soord freuen. Sein neuestes Werk trägt den Namen „Ghosts In The Park” und es lässt sich als sehr authentisches und persönliches Album beschreiben.

Mitunter hat Soord in diesem Album den Tod seines Vaters und auch die voranschreitende Alzheimer-Erkrankung seiner Mutter verarbeitet. Somit ist das Album zwar ein musikalischer Genuss, aber auch dementsprechend direkt und emotional. Dankenswerterweise stand mir Bruce via Zoom für ein paar Fragen zur Verfügung.

Nach einer kurzen Vorstellung, und etwas Feedback meinerseits zum Album, legte ich wie gewohnt mit meiner ersten Frage los: „Nun ist das Album ja schon eine Zeit auf dem Markt. Welches Feedback durftest du schon vernehmen und wie würdest du sagen, kommt das Album bei den Leuten da draußen an?”

„Ich habe das Album ja nun auch schon bei der ersten Solo-Show live spielen dürfen. Bei dieser Show kamen ein paar Leute zu mir und bedankten sich auf eine gewisse Art und Weise, da sie sich mit den Songs identifizieren konnten und selbst Ähnliches durchmachen mussten. Ich glaube in diesen Momenten habe ich erst wirklich realisiert, dass ich mich doch durch das Album mit den Menschen „connected” habe. Klingt komisch, doch als ich anfing das Album zu schreiben traf ich folgende Entscheidung: Entweder ich teile wirklich all meine Emotionen in ihrer puren Form oder ich lasse das Ganze. Das habe ich dann schlussendlich getan und beim Singen der Songs bekam ich die Hoffnung, dass die Leute beim Hören den gleichen Mehrwert wie ich daraus ziehen könnten. Es war ein sehr kathartischer Prozess und das bisherige Feedback war für mich sehr ergreifend.” erklärte Bruce.

Genau darauf wollte ich mit dieser Frage hinaus. Es war schön zu hören, dass es sich auszahlt seine volle Emotion in einem Album zu verarbeiten und zu sehen, dass Menschen sich damit identifizieren können und mitfühlen. Das teilte ich auch Bruce mit, woraufhin er meinte: „Ja! Ich glaube, das ist das Schöne am Songwriting. Du kannst Menschen miteinander auf eine Art und Weise verbinden, wie man es wohl in keiner anderen Kunstform kann. Zumindest sehe ich das so. Es hat mir viel gegeben über Sachen zu singen, über welche ich wohl mit Keinem reden würde. Dadurch habe ich irgendwo einen Weg gefunden mich mit den Leuten auf eine gewisse Art zu verbinden und das ist auch das was ich an der Musik liebe.”

Da konnte ich Bruce nur zustimmen, dass die Art auf welche Musik verbinden kann etwas ganz Spezielles und Wunderbares ist. Meine nächste Frage zielte etwas mehr auf den speziellen Prozess hinter der Entstehung des Albums ab: “Nun durfte ich lesen, dass du in Oberhausen begonnen hast an dem Album zu schreiben. Was waren weitere Orte, die dich inspiriert haben und wie kann man sich den Songwriting-Prozess vorstellen?”

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„Wie du richtig gesagt hast, habe ich in Oberhausen zu schreiben begonnen. Dann habe ich, soweit ich mich erinnern kann, in Ghent weitergeschrieben. Wir hatten einen freien Tag dort und ich saß in einem Hotelzimmer, sah aus dem Fenster und beobachtete diese fremd wirkende Welt und die mir unbekannten Menschen. Es war eine einzigartige Erfahrung und es fühlte sich einfach richtig an aus jener heraus Songs zu schreiben. Dann war ich in Hamburg und dort habe ich, glaube ich, „Meet Me On The Downs” geschrieben. Es ist etwas komisch. Ich hatte verschiedene Arbeitstitel. Ein Song hieß „Oslo“, der andere “Hamburg” und so weiter. Jedenfalls war jede Stadt anders und brachte seine eigene Inspiration mit sich. Man bekommt einerseits das Gefühl ein Alien in diesen Städten zu sein, andererseits vermisst man auch seine Familie und sein Zuhause. Mitunter war dieses Gefühl bei „Concepion” am stärksten, da ich damals in einer Stadt in Chile war, tausende Kilometer von Zuhause entfernt. Dort dachte ich an meine Mutter, welche ja leider an Alzheimer erkrankt ist. Schlussendlich kamen die Ideen und die Songs in diesen verschiedenen Städten zustande, auch wenn alles dann im Studio nochmal überarbeitet wurde.” erklärte Bruce.

Ich legte nach: „Man kann also sagen, dass die Ideen in diesen Städten entstanden und nicht direkt aus einem Konzept heraus. Trotzdem wirkt das Album im Endeffekt wie ein Konzeptalbum. Wie siehst du das?”

Bruce meinte direkt: „Ich verstehe, was du meinst und es stimmt wahrscheinlich, dass das Album wohl das Werk aus meiner Hand ist, welches am nähesten an einem Konzeptalbum dran ist. Ich glaube der Großteil des Songwritings fand rund um die letzten Tage meines Vaters statt. Er war für ca. 3 Monate im Krankenhaus und kämpfte mit einer Neurose. Während dieser Zeit konzeptionalisierte ich das Album und wusste, dass sich die Songs mit Trauer und Verlust auseinandersetzen würden. Es ist etwas schwer das Album zu beschreiben, da es sich eben klar mit diesen Themen auseinandersetzt, aber auch der Ansatz da war, daraus auch etwas Positives zu ziehen. Das ist glaube ich das Wichtigste für mich, diese schlussendlich doch positive Note aus dem Ganzen zu ziehen. Ich saß in einem Park, irgendwo in einer Stadt und beobachtete die Leute, Mütter mit Kindern, verliebte Paare und da kamen viele schöne Erinnerungen und Emotionen hoch, welche ich dann in den Songs verarbeitet habe.”

Desto öfter ich das Album gehört habe, desto mehr hoffnungsvolle Gedanken stellten sich bei mir ein. Man kann also sagen, dass Bruce es geschafft hat sich mit den vorhin genannten schweren Themen auseinanderzusetzen, aber auch, positive Erinnerungen heraufzubeschwören. Das teilte ich Bruce auch so mit, woraufhin er meinte: „Ja! Ich hoffe, das kommt auch so rüber. Eine Sache, die ich realisiert habe war, nachdem mein Vater gestorben war, dass man natürlich zuerst die letzten gemeinsamen Tage vor Augen hat. Jene waren in seinem Fall nicht unbedingt schön, da er Demenz und Alzheimer hatte. Nachdem der Trauerprozess etwas fortgeschritten ist, beginnt man sich dann aber auch an frühere schöne Momente und Ereignisse zu erinnern und so kommt das Positive wieder ins Spiel. Diese Erkenntnis war sehr positiv für mich.”

Ein wirklich schöner und nachvollziehbarer Ansatz. Meine nächste Frage lautete: „Wie bist du dann schlussendlich zum Titel des Albums und dem wirklich passenden Cover gekommen?”

„Ursprünglich hatten die Songs ja, wie vorhin schon erwähnt, komische Arbeitstitel. Ich glaube „Ghosts In The Park” hatte ich damals „Epic” genannt, weil er ja so lang ist. Nach einer Zeit bin ich dann die Lyrics durchgegangen und dann hatte jeder Song seine gewissen herausstechenden Phrasen, anhand welcher ich dann die Titel gewählt habe. „Ghosts In The Park” spielte ich vorab schon einigen Leuten vor, welche meinten, dass der Titel so viel Interpretationsraum lässt, aber auch gewisse Emotionen mit sich bringt. Daher habe ich mich dann dafür entschieden. Wenn es um das Cover geht, kann ich nur sagen, dass ich aus einem glücklichen Zufall dazu gekommen bin. Ich war mit meinem Sohn im Park und lag auf dieser Bank, welche etwas wie ein Sarg aussieht. Er machte mit seinem alten Handy ein Foto und meinte: „Hey Dad! Das sieht für mich wie ein Albumcover aus!”. Ich sah es mir an und dachte mir dasselbe. Es war wirklich ein glücklicher Zufall.” meinte Bruce.

Meine vorletzte Frage lautete: „Du hast die Songs dann ja auch an verschiedenen Plätzen aufgenommen. Wie darf man sich den Recording Prozess vorstellen und was hattest du an Equipment dabei?”

Bruce erklärte: „Also ich nutze Taylor Akustik-Gitarren und jene klingen einfach unglaublich gut. Zusätzlich hatte ich einfach mein Mikrofon und ein Interface und das ganze trug ich immer mit mir mit. Das ist das Schöne an der modernen Technologie. Man braucht einfach nur den Laptop, ein kleines Interface und man kann loslegen. So habe ich eben in den Hotelzimmern aufgenommen. Natürlich habe ich dann im Studio auch einiges überarbeitet und teilweise die Vocals nochmal aufgenommen.”

Da sieht man einmal wieder was man heute schon mit minimalem Equipment auf die Füße stellen kann! Zum Abschluss stellte ich meine berühmte letzte Frage: „Hast du irgendeine direkte Message die du den Leuten da draußen über dieses Interview mitgeben möchtest?”

„Es war auf jeden Fall sehr nett über das Ganze etwas zu plaudern. Möglicherweise werden sich viele beim Lesen des Interviews denken: „Worum geht es eigentlich in diesem Album? Geht es um den Tod, oder Trauer?” Was ich hoffe ist, dass die Leser, durch das, was wir nun im Interview besprochen haben, realisieren, dass das Album auch viel Positives zu geben hat. Mich würde es freuen, wenn die Leute sich das Album anhören und möglicherweise dabei auch die positiven Aspekte, so wie wir beide, daraus ziehen können.” erklärte Bruce.

Hier konnte ich mich Bruce nur hinsichtlich der Hoffnung anschließen. Abschließend möchte ich mich bei Bruce nochmal für das wunderbare Gespräch bedanken! Es war ein wirklicher Genuss ein derartig ehrliches und emotionales Album hören zu dürfen und ich freue mich schon auf alles was Bruce uns noch so zu Gehör bringen mag. Unsere Rezension zum Album findet ihr –> hier.


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