Interview mit Jon Davis von CONAN

Von Gregor Eder

Als die Nachricht bei mir ankam, dass Jon Davis von Conan im Rahmen des neuen Live-Albums "Live at Freak Valley" für Interviews zur Verfügung steht, konnte ich mich vor Freude kaum halten. Conan ist eine der bekanntesten Doom-Metal Bands auf diesem Globus und ihre Songs finden sich fast täglich in meiner Playlist. Daher freute ich mich wie ein kleines Kind als mir dann am Tag des Interviews Herr Davis über Zoom zugeschaltet war.

Nach der üblichen Begrüßung schoss ich direkt mit der ersten Frage los: "Was ist für dich am Freak Valley Festival besonders bzw. Was ist dir von dem Gig noch speziell in Erinnerung geblieben?" Jon legte direkt los: "Die ganze Organisation und auch die Crew war sehr freundlich. Ich bin bis heute noch im starken Kontakt mit dem Organisator und ich hoffe die Truppe schafft es das Festival bald wieder auf die Füße stellen zu können. Sie sind einfach cool und das ganze Festival ist super wo wie es ist. Was mir speziell in Erinnerung geblieben ist ist, dass wir vom Flughafen abgeholt wurden und uns die Crew direkt eiskalten Jägermeister servierte und das um 8 Uhr in der Früh. Ich trinke wirklich nicht viel, aber das hat mir schon sehr gut gefallen. Wir kamen von Manchester und flogen sehr früh weg, daher war es schon lustig so ein Frühstück serviert zu bekommen. Wenigstens hatte es keine Auswirkungen auf unsere Show."

Dass ein solcher feiner Empfang in Erinnerung bleibt ist nicht verwunderlich! Um etwas auf die momentane Situation einzugehen fragte ich: "Wie sieht es nun eigentlich akut bei euch aus. Ich möchte nicht direkt nach den Auswirkungen der Pandemie fragen sondern eher nach den Veränderungen die momentan ja für Alle irgendwo notwendig sind. Welche Veränderung macht Conan momentan durch?" Jon erwiderte mit einem Grinsen im Gesicht: "Wir waren gerade dabei ein Album zu schreiben und das wurde wirklich sehr stark beeinträchtigt durch die Pandemie. Letztes Jahr haben wir versucht ein paar Mal zu proben, aber da unser Drummer in Dublin wohnt war es etwas kompliziert. Nach einer Zeit konnte er nicht mehr zu uns nach Liverpool fliegen und so konnten wir auch nicht mehr proben. Wir mussten das Komponieren etwas adaptieren. Ich habe ihm dann eine Drum-Machine gekauft über welche er zu Hause die Drumlines schreibt. Ich recorde hier bei mir meist zu einem Metronom in Reaper und sende es dann weiter. Er nimmt dann die Drums zu diesen Spuren auf. Wir haben auf diese Art die Grundstrukturen für einige Demo-Tapes geschaffen und nun haben wir etwa Material für ca. 2 Alben. All die Songs sind noch nicht fertig und es wird noch einiges an Arbeit brauchen um diese Songs fertig zu stellen. Aber alleine der Fakt, dass wir dieses Material haben ist wirklich gut und es bedeutet, dass wir, wenn auch langsam, in guter Verfassung aus der Pandemie herauskommen können. Normalerweise releasen wir ja alle 2 Jahre ein Album, maximal alle 2 1/2, und natürlich können wir das diesmal nicht. Daher haben wir uns entschieden dieses Live-Album zu veröffentlichen, um diesen Zyklus aufrecht zu erhalten. Hoffentlich kommen wir bald wieder dazu gemeinsam aufnehmen zu können und noch dieses Jahr über Napalm Records ein Album zu veröffentlichen."

Nach dieser klaren Darlegung der aktuellen Lage der Band fragte ich etwas provokant: "Also könnte man sagen, dass das Live-Album gar nicht an unsere Ohren gekommen wäre, wenn die Pandemie nicht alles verändert hätte?" Jon meinte: "Ja, das kann man so sagen. Wir realisierten erst letztes Jahr im Oktober, dass wir von diesem Konzert überhaupt einen Mitschnitt hatten.

 

 

 

Ich habe mit dem Veranstalter gesprochen und war überrascht als er mir mitteilte, dass diese Spuren existierten. Er schickte sie mir und ich fand sie wirklich gut. Danach schickte ich sie weiter an unseren Tontechniker welcher meinte, dass er die Spuren brauchbar mixen könnte und so kam es dazu, dass wir dieses Konzert veröffentlichen konnten. Nun haben wir noch 1 Album mit Napalm Records und dann haben wir wieder die Möglichkeit uns zu entscheiden wie es weiter geht."


Fotocredit: Napalm Records

Mit dem Satz: "Da habt ihr ja wirklich feine Aussichten für die Zukunft." tat ich meine Freude über die gute momentane Position der Band kund. Da einige Musiker momentan die digitalen Möglichkeiten wie Live-Streams nutzen stellte ich folgende Frage: "Wie sieht es eigentlich bei euch mit Live-Stream-Konzerten aus. Habt ihr da etwas in Planung oder interessiert euch diese Art "Konzert" eher weniger?"
Die Antwort kam etwas zögerlich: "Live-Streams ohne Crowd ist simpel etwas was ich nicht unbedingt machen möchte. Ich war am Anfang der Pandemie am überlegen einen eigenen kleinen Stream mit akustischen Kompositionen von mir zu machen, aber ich habe es dann doch nicht gemacht und bin froh darüber. Ich glaube es wäre daraus nichts geworden worauf ich freudig zurückblicken hätte können. Ich bin froh, dass wir ohne Probleme darauf warten können, dass sich die Lage bessert. Als Fan sind Streams schon interessant, aber als Musiker in einer Band ist es anders. Ich würde mich etwas komisch fühlen auf die Bühne zu gehen und meine Musik in einen leeren Raum hineinzuspielen. Für mich ist die Verbindung zu der Crowd bei Live-Konzerten das Schönste was es gibt und vor niemanden zu performen, beispielsweise in einer Location in der wir gewohnt sind, vor vielen Menschen zu spielen würde sich einfach nicht richtig anfühlen. Wir können einfach momentan nicht vor Menschen performen und bis sich das ändert bevorzuge ich es zu warten."

Ein aus meiner Sicht vollkommen nachvollziehbarer Standpunkt. Da wir hier das "Live-Gefühl" der Musiker angeschnitten hatten, lies ich meinen inneren Psychologen wieder freien Lauf und plauderte mit Jon noch etwas über Psychoakustik und inwiefern Conan mit ihrer Musik Menschen bei Konzerten in eine Trance versetzt, sie dann aber auch wieder zum Moshen motiviert. Weiter stellten wir bei der Plauderei fest, dass High on Fire einen großen Einfluss auf uns beide hatte und da unsere 30 Minuten langsam verflossen, wünschten wir uns noch einen schönen Abend und nur das Beste für die Zukunft. An dieser Stelle sei nochmals ein großes Dankeschön an Jon Davis ausgesprechen! Es war mir eine Ehre mit dem Sänger einer meiner absoluten Lieblings-Doom-Bands so ein nettes Interview zu führen und herauszufinden, dass wir uns neben dem Live-Album auch noch auf 2 weitere Studio-Alben freuen dürfen.