Pink

Christian Habeck

Hannover, 13.07.2023 (Christian Habeck) Ja, ich gebe zu, der Vergleich zum Karneval in Rio mit dem gestrigen Pink-Konzert hinkt vielleicht ein kleines bisschen. Was aber die Stimmung im und um die Heinz-von-Heiden-Arena betrifft, stand diese dem Karneval in Rio in nichts nach.

Das lag zum einen an der farbenfrohen Kleidung der Konzertbesucher – ich muss nicht erwähnen, welche Farbe die Dominierende des Abends war – zum anderen aber auch an der ausgelassenen Stimmung, die rund um und natürlich im Stadion herrschte.

Und diese kochte förmlich über und verwandelte das Stadion in das reinste Tollhaus, als P!NK (endlich) gegen 20:45 Uhr die Bühne betrat. Das zweite Mal in dieser Woche und das zweite Mal vor ausverkauftem Haus. 42.000 Besucher zweimal hintereinander an einem Wochentag – das schaffen aktuell nur sehr wenige Künstler. Grund für diese riesengroße Party waren die letzten beiden Konzerte der „Summer Carnival Tour“ in Deutschland, die Pinks aktuelles Album „Trustfall“ promoten sollen.Am Sonntag folgt noch ein Konzert in Polen, bevor Pink den europäischen Kontinent verlässt, um die Tour in Nordamerika fortzusetzen.

Pink´scher Karneval in Hannover

© Nordevents

Eingangs habe ich das Konzert mit dem berühmten brasilianischen Karneval verglichen. Pink selbst beschreibt ihre Show so: “Sie (sei) eine Art Zirkusnummer und halte immer Ausschau nach neuen, coolen Dingen an denen man nicht stirbt.“ Besser hätte ich es auch nicht ausdrücken können…

Doch beginnen wir von vorn: Der Zugang zum Stadion gestaltete sich äußerst schwierig und echt nervig. Durch Polizei und Ordner weiträumig abgesperrt erfuhr der PKW-Fahrer zwar was er alles nicht darf und vor allem wo diese Verbote überall gelten würden, aber Lösungen wurden nicht präsentiert. Das hatte zur Folge, dass trotz fleißig verteilter Halteverbotsschilder kreuz und quer auf Fuß- und Radwegen geparkt wurde. Und nachdem diese Hürde irgendwann überwunden war, war da noch das Problem mit den Tickets. Die Abendkasse für u.a. Besitzer sogenannter „Lucky Dip“ Tickets öffnete erst weit nach 17:00 Uhr und auch diese Organisation wirkte etwas chaotisch. Im Stadion hingegen wirkte alles gut organisiert und von längeren Wartezeiten vor Getränke und Imbissständen mal abgesehen, funktionierte alles reibungslos.

DJ KidCutUp und die beiden Vorbands, ClockClock und The Script

Der Konzertabend in der Heinz-von-Heiden-Arena begann mit 18:00 Uhr recht früh, was ich persönlich sehr schätze und mir äußerst gut gefallen hat. Das mag aber durchaus auch an der Auswahl der Supporter gelegen haben. DJ KidCutUp und die beiden Vorbands, ClockClock und The Script heizten ordentlich ein und wären für sich genommen schon ein Konzert wert gewesen. Immerhin verzeichnen beide Bands eine Fangemeinde auf Spotify von mehreren Millionen Hörern.

DJ KidCutUp, ein US-amerikanischer DJ, war ab etwa 18:00 Uhr verantwortlich für die musikalische Gestaltung der Vor- und Zwischenzeiten. Mit seinem einzigartigen Stil mischte er Hits der Achtziger und Neunziger mit aktuellen Chartstürmern. Von Eminems „Lose Yourself“ nahtlos übergehen zu Falcos „Rock me Amadeus“ oder Madonna zu Tina Turner – DJ KidCutUp kreierte eine mitreißende Stimmung und sorgte dafür, dass keine Atempause entstand. Seine Vielseitigkeit und das Talent, die verschiedenen Musikgenres geschickt zu kombinieren, erzeugten eine Rummelplatzatmosphäre und machten Lust auf die bevorstehenden Konzerte.

Als erste Live-Band des Abends trat ClockClock auf. Eine aufstrebende Indie-Band aus der Pfalz mit monatlich 2,7 Mio Hörerinnen und Hörern. Die Gruppe spielte in traditioneller Indie-Besetzung mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und atmosphärischen Keyboards. Angeführt von Sänger Bojan Kalajdzic präsentierten sie ihre einzigartige Musik, die Elemente des Alternative Rock und Indie-Pop vereint. ClockClock bedankte sich mehrmals für die große Chance, vor einem so großen Publikum auftreten zu dürfen. Mit Hits wie „Someone Else„, „Over“ und „Sorry“ die bereits aus dem Radio bekannt waren, konnten sie das Publikum begeistern und eine energiegeladene Stimmung erzeugen.

Eine weitere Supportband war The Script, eine irische Band mit vielfältigen Einflüssen. Bekannt aus Funk, Fernsehen und Filmmusik, darunter ihrem Song „Hall of Fame“ aus Til Schweigers „Kokowääh 2“, präsentierten sie ihren einzigartigen Stil. Angeführt von Sänger Daniel O’Donoghue, der mit seiner markanten Anakin-Skywalker-Frisur auffiel, verschmolzen sie verschiedene Musikgenres wie Postpunk, Indiepop und Irish Folk zu einer einzigartigen Klangmischung. Ein besonderer Moment ihres Auftritts war die Widmung des Songs „If You Could See Me Now“ an ihren verstorbenen Gitarristen Mark Sheehan. Mit emotionalen und kraftvollen Darbietungen hinterließ The Script einen starken Eindruck beim Publikum. Ebenfalls eine Band mit monatlichen Hörern im Millionenbereich bei Spotify.

Pink mit atemberaubenden Akrobatikeinlagen und künstlerischer Vielseitigkeit

Um 20:45 Uhr war es dann (endlich) soweit und P!NK betrat ohne großartige Vorankündigung die Bühne. Lediglich eine per KI erzeugte, „künstliche Pink“ erschien auf den Leinwänden und sprach zum Publikum. „Get the party started“ – wer einen Song mit solch einem Name im Repertoire sein Eigen nennt, der muss sich wohl über den Opener nicht lange Gedanken machen. Und durch die Supporter aufgeheizt brauchte es auch nur Bruchteile von Sekunden, bis die Stimmung bei den Zuschauern voll da war.

Kein Wunder, denn als eine der bekanntesten Rock-Pop-Ikonen begeistert Pink ihr Publikum seit über zwei Jahrzehnten mit einer einzigartigen Mischung aus Pop, Rock und Punk. Mit ihrer charakteristischen Stimme, ihrer energiegeladenen Bühnenpräsenz und ihrer beeindruckenden Vielseitigkeit ist Pink für ihre mitreißenden Live-Shows bekannt.

Fun Fact: Vor ein paar Tagen veröffentlichte Pink auf ihrem Instagram-Account einen Post, auf dem ein Plakat aus dem November 2002 gezeigt wird – Köln E-Werk – mit 2.000 Tickets ausverkauft. Daneben ein Plakat: 8+9 Juli 2023 – Sold Out mit 82.000 Tickets!!! Was für ein fast kometenhafter Aufstieg.

Und im Rahmen der Summer Carnival Tour bietet Pink den Zuschauern ein spektakuläres Erlebnis. Die Bühnenelemente sind außergewöhnlich und aufwendig gestaltet. So gibt es beispielsweise Elemente wie überdimensionale Disco-Kugeln, ein umgestürztes Softeis oder eScooter in Gestalt von Flamingos. Spektakuläre Lichteffekte mit Feuer und Feuerwerk, aufwendige Kostüme bis hin zu beeindruckenden Bühnenaufbauten ist jedes Detail sorgfältig geplant.

Darüber hinaus präsentiert Pink atemberaubende Akrobatikeinlagen, die ihre künstlerische Vielseitigkeit unterstreichen und das Publikum in Staunen versetzen. Für mich persönlich wirkt die ein oder andere Einlage jedoch eher gequält und auf Zwang in die Show eingebaut. Es wirkt nicht so ehrlich und ungeplant wie die zahlreichen Interaktionen mit dem Publikum. Und davon gab es beim Konzert wirklich zahlreiche.

Was hingegen völlig überzeugte, das war Pink selbst! Sie wirkte in nahezu jeder Situation gut gelaunt, man sah ein strahlendes Lächeln und die Freude am Performen. So überzeugte Pink mit ihrer beeindruckenden Bühnenpräsenz und ihrer einzigartigen Energie. Hiervon könnten sich so manche deutlich jüngeren Künstler eine ganze Scheibe abschneiden. Mit ihrer kraftvollen Stimme und ihrer leidenschaftlichen Performance brachte sie auch gestern wieder das Publikum zum Toben. Von ihren größten Hits wie „Raise Your Glass“ und „Just Like a Pill“ bis hin zu neuen Songs wie „What About Us“ und „Try“ präsentierte sie eine mitreißende Songauswahl, die das Publikum zum Singen und Tanzen brachte.

Besondere Momente des Konzerts waren die, in der Pink Nähe zum Publikum herstellte. Sie sprach mit ihren Fans, gab Autogramme, machte Witze mit dem Publikum und wirkte in diesen Situationen so menschlich und so nahbar. Aus der Powerfrau wurde für einige Momente ein ganz natürlicher emotionaler Mensch, als ihr ein weiblicher Fan ein selbstgemaltes Bild von Pinks Familie überreichte, über der augenscheinlich ihr Vater wachte.

Oder als ein Vater ein Plakat mit Fotos seiner Kinder zur Unterschrift reichte und Pink das Foto vom Plakat nahm und nah an ihr Herz hielt. Ohnehin spielten ihre Kinder eine gewisse Rolle beim Konzert, da sie immer wieder kleine Anekdoten von ihnen erzählte. Und wer nun gespannt auf das Duett mit ihrer Tochter wartete, wurde enttäuscht. Ihre Familie, die bei den Touren immer mit dabei ist, war bereits abgereist, sodass die Stimme ihrer Tochter vom Band kam.

Eine Vielfalt an Hits und emotionaler Tiefgang

Auch die restliche Songliste des Konzerts bot eine Vielfalt an Hits und emotionalem Tiefgang. Von kraftvollen Rockhymnen wie „So What“ bis hin zu einfühlsamen Balladen wie „Just Give Me a Reason“ berührte Pink mit ihrer Musik die Herzen der Zuschauer. Jeder Song wurde mit Leidenschaft und Hingabe präsentiert und sorgte für Gänsehautmomente oder euphorische Begeisterung.

Absolutes akrobatisches Highlight des Abends war mit Sicherheit der Moment, als Pink wie ein Flummi an Drahtseilen quer durch Stadion „geschossen“ wurde und sich so gefühlt von jedem Zuschauer einzeln verabschieden konnte. Zumindest konnten in diesen Momenten zahlreiche Zuschauer ihrem Star noch ein Stück näher sein. Fakt ist aber, dass diese Showeinlage nicht neu und schon auf ihrer frühen Touren zu sehen war. Aber wie sang Pink so passend dazu: „So what, I am a popstar.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Die Reaktionen des Publikums während und nach dem Konzert sprachen Bände. Gefühlt schwärmten ausnahmslos alle von der energiegeladenen Performance, der spektakulären Inszenierung und der Nähe, die Pink zum Publikum aufgebaut hatte. Mit der Summer Carnival Tour hat Pink erneut gezeigt, dass sie auch mit 20 Jahren Bühnenpräsenz zu den ganz Großen der Musikszene gehört. Der „Pink´sche Karneval“ meiner Meinung nach wird mit Sicherheit als eines der bemerkenswertesten musikalischen Darbietungen des Jahres in Hannover gelten.

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