Ein mitreißender Roman über Jugend, Außenseitertum und die Suche nach Identität.
Titel: Klapper
Erscheinungstermin: Januar 2025
Genre: Roman
Einband: Hardcover
Seitenzahl: 256 Seiten
ISBN: 978-3-98816-024-9
Verlag: Park x Ullstein

Mit „Klapper“ legt Kurt Prödel einen eindrucksvollen Debütroman vor, der sich auf einzigartige Weise mit dem Erwachsenwerden im digitalen Zeitalter auseinandersetzt. Der Autor, der sich bislang vor allem durch seine Arbeit als Musiker und Satiriker einen Namen gemacht hat, zeigt hier seine erzählerische Stärke und sein Gespür für die Feinheiten jugendlicher Gefühlswelten.
Die Handlung: Zwischen Counter-Strike und echter Nähe
Der Roman erzählt die Geschichte des 15-jährigen Thomas, genannt Klapper, der sich als Außenseiter in seiner Schulklasse fühlt. Er verbringt die meiste Zeit mit dem Computerspiel Counter-Strike, in dem er sich sicherer und kompetenter fühlt als in der realen Welt. Seine Eltern sind getrennt, die Mutter überfordert, der Vater abwesend – typische Elemente einer Jugend, die von Unsicherheit und fehlender Orientierung geprägt ist.
Als die selbstbewusste und eigensinnige Bär in Klappers Klasse kommt, ändert sich sein Leben schlagartig. Die beiden teilen ihre Leidenschaft für Videospiele und beginnen, ihre Schule in der virtuellen Welt nachzubauen. Doch während sie in der digitalen Welt ein perfektes Abbild ihrer Umgebung erschaffen, bleibt die Realität chaotisch und unvorhersehbar. Sowohl Klapper als auch Bär kämpfen mit Problemen, die über die Grenzen ihrer Pixelwelt hinausgehen.
Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen: Einerseits begleiten wir Klapper im Jahr 2011 während seiner Jugend, andererseits begegnen wir ihm im Jahr 2025 als Erwachsenen, der auf diese prägende Zeit zurückblickt. Durch diesen Perspektivwechsel erhält die Geschichte eine tiefere Dimension, denn sie zeigt, wie bestimmte Erlebnisse die Entwicklung eines Menschen langfristig beeinflussen können.
Authentizität und sprachliche Feinfühligkeit
Kurt Prödel versteht es meisterhaft, die Gefühlswelt eines Jugendlichen einzufangen, ohne dabei in Klischees zu verfallen. Die Sprache ist direkt, manchmal lakonisch, aber immer auf den Punkt. Besonders beeindruckend ist, wie er die innere Zerrissenheit von Klapper darstellt: das Bedürfnis nach Nähe und Anerkennung, gepaart mit der Angst vor Zurückweisung.
Die digitalen Elemente der Geschichte – das Gaming, die Kommunikation über Chats, die Bedeutung virtueller Identitäten – sind nicht einfach Beiwerk, sondern essenzieller Bestandteil der Erzählung. Prödel schafft es, diese Themen so zu integrieren, dass sie sowohl für junge als auch für ältere Leser:innen nachvollziehbar bleiben. Wer in den 2000er-Jahren selbst in Online-Welten wie Counter-Strike oder World of Warcraft unterwegs war, wird viele der beschriebenen Szenen wiedererkennen und sich an die Faszination erinnern, die diese Spiele auslösten.
Eine Geschichte über Freundschaft, Verlust und Veränderung
Klapper ist weit mehr als nur ein Roman über Gaming oder Außenseitertum – es ist eine tiefgründige Geschichte über Freundschaft, Verlust und die Herausforderungen des Erwachsenwerdens. Besonders berührend ist die Beziehung zwischen Klapper und Bär, die zwischen gegenseitiger Unterstützung und der Last ihrer persönlichen Probleme schwankt. Ihre Freundschaft ist intensiv, manchmal kompliziert, aber immer authentisch.
Prödel zeigt eindrucksvoll, wie junge Menschen mit Schwierigkeiten umgehen, sich zurückziehen, aber auch immer wieder Wege finden, sich selbst und anderen näherzukommen. Die Rückblenden aus der Zukunftsperspektive von 2025 machen deutlich, wie prägend diese Jugendjahre waren und wie schwer es ist, sich von der Vergangenheit zu lösen.
Fazit: Ein starkes Debüt mit Tiefgang
Klapper ist ein berührender und kluger Roman über das Erwachsenwerden in einer digitalisierten Welt. Kurt Prödel gelingt es, einfühlsam und zugleich humorvoll die Unsicherheiten und Herausforderungen der Jugend darzustellen. Mit einer authentischen Erzählweise und präzisen Beobachtungen über das Leben zwischen virtueller Flucht und realen Problemen hebt sich dieser Roman deutlich von anderen Coming-of-Age-Geschichten ab.
Obwohl das Buch besonders für Leser:innen interessant ist, die in den 2000er-Jahren selbst mit Online-Spielen aufgewachsen sind, bleibt die Geschichte universell und berührt durch ihre Themen von Identität, Freundschaft und Veränderung. Ein absolut empfehlenswertes Debüt!