Werfen wir einen Blick nach Hannover! Die 2009 gegründete Dark Rock Band Unzucht hat sich am 15.05.2026 mit ihrem neuesten Werk „Neon Dom“ zurückgemeldet. Bisher durfte sich die Band über einige Touren mit großen Namen wie Mono Inc., End of Green oder auch Stahlmann freuen und mit dem letzten Album „Jenseits der Welt” (2020) schaffte sie es sogar unter die Top 10 der deutschen Charts. 6 Jahre zogen nun ins Land und bei Unzucht hat sich so einiges verändert.
Abgesehen vom Wechsel von Out Of Line Music zu Metalville Records, gab es auch einen Wechsel am Mikrofon. Seit 2024 steht inzwischen Timm Hindorff für die Truppe als Frontmann vor dem Publikum und so waren viele Fans der Band schon gespannt, wie die erste Scheibe mit dem neuen Sänger klingen würde. Wenn man diesen Fakt im Hinterkopf behält ist es nicht verwunderlich, dass der erste Song der Scheibe „Kartharsis” heißt. Jener heizt zum Einstieg schon einmal gut ein und macht direkt Lust auf mehr.
Der Titeltrack „Neon Dom“ folgt dann mit schön stampfenden Rhythmus und stimmlich kann man hier schon auch Vergleiche zu Eisbrecher ziehen. Mit „Feuerregen“ wird ein schön melodische Mid-Tempo-Song losgetreten, welcher auch textlich, speziell durch ehrliche Melancholie und dem Aufbringen des Phoenix-Themas, motiviert. Nach der Wiederauferstehung darf natürlich das Krieger-Motiv nicht fehlen und jenes wird dann mit dem fetzigen Song „Krieger“ abgearbeitet.

Nett ist hier der für das Genre typische Zerr-Effekt auf den Vocals. Der Track bringt, so wie der Folgende, einen mächtigen Rammstein-Vibe. „Chaos“ ist wohl einer der stärksten Songs am Album und jener fährt mit einem Beat durch den Gehörgang, welcher nur so zum Headbangen anregt. Mit „Nie mehr zurück” ist man dann bei der obligatorischen Ballade angekommen. Ich hatte gehofft den Vergleich nicht ziehen zu müssen, doch „1000 Scherben“ folgt mit einem recht direkten Lord Of The Lost Sound.
„Gegen die Zeit” wirkt im Intro noch etwas wie Rammstein, lockert dann aber durch das schon fast punkige Riff des Verses wieder auf. Darauf stampft der „Koloss“ einem die Magengrube durch, bis die „Apokalypsis” ausbricht. Hier hat die Band schon fast etwas von Trivium. Abgeschlossen wird das Album mit den 2 Teilen von „Nachtschatten“. Teil 1 lässt sich schon fast als Intro für Teil 2 bezeichnen, welcher zum Abschluss nochmal gut dahin stampft.
Fazit:
Ich bin ehrlich gesagt schon etwas übersättigt von Dark Rock Bands, welche sich etwas an dem Hype rund um eine gewisse deutsche Dark-Rock Band anhalten. Egal ob Glitzer oder Neon, das Dark-Rock-Genre bleibt etwas der kleine Bruder der schon lange regierenden Neuen Deutschen Härte. Mit “Neon Dom” hat Unzucht sicherlich nicht das Rad neu erfunden, sich aber gekonnt in die Reihe der großen Vertreter des Dark-Rocks gestellt.
Ein Sängerwechsel ist immer eine etwas schwierige Angelegenheit, doch aus meiner Sicht klingen Unzucht nun sogar etwas deftiger als zuvor. Textlich bringt das Album einige Zeilen, welche zum Nachdenken anregen, aber auch genügend Stoff, um sich motivieren zu lassen. Alles in Allem ist “Neon Dom” ein solides Album und hat 7 von 10 Punkten verdient.
Tracklist
- Katharsis
- Neon Dom
- Feuerregen
- Krieger
- Chaos
- Nie mehr zurück
- 1000 Scherben
- Gegen die Zeit
- Koloss
- Apokalypsis
- Nachtschatten 1
- Nachtschatten 2













