BikeNavy: Hitzeschlacht und Weltrekordversuch

Wolfgang Karg

Nordholz, 28. Juni 2026 – Bevor der große Sonntag den Asphalt im wahrsten Sinne zum Glühen brachte, startete das lange Sportwochenende der BikeNavy! an der Wurster Nordseeküste angenehm entschleunigt. Der Freitag stand ganz im Zeichen des gemeinsamen Ankommens. Bei einer entspannten Ausfahrt von Cuxhaven nach Otterndorf ging es vor allem darum, die Beine locker zu machen, die salzige Nordseeluft aufzusaugen und die besondere, familiäre Atmosphäre einzuatmen.

BikeNavy © Nordevents

Der sanfte Vorlauf: Einrollen zwischen Küste und Kontrollzone

Am Samstag wurde die Schlagzahl bereits erhöht. In zwei geführten Trainingsgruppen – eine ambitioniert und pfeilschnell, die andere kürzer und entspannter – durften die Hobbysportler echtes „Feeling“ tanken. Begleitet von ehemaligen Weltmeistern und Olympiasiegern gab es wertvolle Tipps aus erster Hand, bevor der Abend gesellig bei Bier und Bratwurst an der Sportfluggruppe Nordholz-Spieka ausklang. Doch all das war nur das Vorgeplänkel für das, was am Sonntag folgen sollte.

Wenn der Asphalt GLÜHT: Der Race Day auf der Piste

Der Sonntag transformierte das sonst so streng abgeschirmte Militärgelände des Marinefliegerstützpunkts Nordholz in eine Arena des Ausdauersports. Wo normalerweise tonnenschwere Flugzeuge abheben, wurde für die Athleten eine spektakuläre, fünf Kilometer lange Rundstrecke direkt auf der Asphaltpiste eingerichtet. Zwischen 9:30 und 18:00 Uhr jagte hier ein sportlicher Höhepunkt den nächsten.

Leider fegte in der Nacht zuvor eine Windhose über das Gelände und verwüstete einiges. Früh Morgens waren erst einmal Aufräumarbeiten angesagt und so verschob sich der ganze Zeitplan nach vorne.

Wenn die Startbahn zur Sportbahn wird

Begonnen wurde mit einer offiziellen Begrüßung und das Abspielen der Nationalhymne. Moderiert wurde das Spektakel von Georg Poetsch, dessen markante Stimme die Zuschauer peitschte und die Athleten ins Ziel trug. Die Kunstradgruppe des TuS Dorum zeigte ihr Können. Bei der „Last Man Standing-Show“ galt es in einem kurzen Bereich als Letzter im Ziel anzukommen. Während viele Profis schon über die Ziellinie fahren mussten, stand Jule Prins aus Elfleth immer noch auf dem Fahrrad an der Ziellinie kurz hinter René Enders (Deutscher und Europa-Meister im Teamsprint). Nach Ablauf der festgesetzten Zeit wurden beide als Sieger ernannt.

Laut den offiziellen Angaben des Veranstalters bot das Areal der Sportfluggruppe Nordholz/Cuxhaven e. V., das innerhalb der Kontrollzone des Fliegerhorstes liegt, eine Kulisse, die es so in Deutschland kein zweites Mal gibt. Im Mittelpunkt standen die Jedermannrennen über die 20-Kilometer-Distanz sowie der packende Duathlon, der die Sportler mit einer Kombination aus 10 Kilometern Lauf und 20 Kilometern Radfahren an ihre absoluten Belastungsgrenzen trieb. Die weite, offene Startbahn sorgte für eine gnadenlose Topografie: brennende Sonne bei 28 Grad, kein Zentimeter Schatten, was Tempo, Teamgeist und taktisches Geschick forderte. Ein 3-Km-Kinderrennen wurde aufgrund der Hitze gekürzt.

Die Giganten des Windschattens: Legenden hautnah erleben

Was diesen Sonntag so einzigartig machte, war die Dichte an sportlicher Prominenz, die zum Greifen nah an den Zuschauern vorbeiraste. Angeführt von Radsport-Ikonen und Olympiasiegern verwandelte sich das Event in ein echtes Schaulaufen der Extraklasse. Das absolute Highlight des Nachmittags war die traditionelle „Derny“-Show, bei der Profiradsportler im Windschatten der motorisierten Schrittmacher-Motorräder mit atemberaubender Geschwindigkeit über die Bahn flogen.

Ein weiteres Highlight war der Kampfsprint der Giganten, bei dem René Enders knaoo vor Tomas Babek gewann. Besonders im Fokus stand der frühere Bahnrad-Weltmeister Maximilian Levy. Der 38-Jährige versuchte die bestehende Bestmarke von 92,4 Kilometern pro Stunde hinter einem Derny zu übertreffen. Mag es an der Hitze und dadurch bedingtem geringen Sauerstoffgehalt in der Luft gelegen haben, er erreichte bei zwei Versuchen lediglich 83 km/h bzw.79 km/h.

Für die weibliche Spitzenklasse im Duathlon sorgte die Neubrandenburger Deutsche Duathlon Meisterin Madlen Nehring, die eindrucksvoll unter Beweis stellte, warum sie zur nationalen Spitze gehört. Ebenso dabei waren Petra Roßner (25 x Deutsche Meisterin, Weltcupgewinnerin, Weltmeisterin, Olympiasiegerin) und Madlen Nehring (Triathletin),Jens Voigt, Christian Knees, Andre Greipel, Björn Glasner, Jens Fiedler, Björn Schröder, Christian Grasmann, Oldie Werner Otto (holte sich 1972 die Silbermedaille bei Olympia), Tomas Babek sowie Anke Schmitz-Elvenich aus Cuxhaven.

Ein Blick über den Tellerrand: Der Mythos wächst bundesweit

Schaut man sich die Resonanz und die Berichte ähnlicher Events in anderen deutschen Städten an, wird schnell klar: Das Konzept, exklusive und sonst gesperrte Locations für den Breitensport zu öffnen, boomt. So gab es auch mit mehr als 520 Anmeldungen einen neuen Teilnehmerrekord. Die Mischung aus Profisportlern zum Anfassen, logistischer Meisterleistung und dem Gefühl, an einem geschichtsträchtigen Ort über sich hinauszuwachsen, macht das Format zu einem echten Publikumsmagneten im deutschen Sportkalender.

Fazit: Ein Wochenende für die Ewigkeit

Die „Bike Navy 2026“ in Nordholz war weit mehr als ein gewöhnliches Radrennen – es war ein hochemotionales Fest des Radsports. Wenn Hunderte von begeisterten Schulkindern der Grundschule Nordholz gemeinsam mit Olympiasiegern auf derselben Strecke schwitzen und lachen, entsteht eine ganz besondere Energie. Trotz der Gluthitze blieb die Stimmung euphorisch.

Wer diesen Sonntag auf der Startbahn erlebt hat – sei es keuchend im Sattel oder jubelnd an der Bande –, nimmt die Erinnerung an ein perfekt organisiertes, mitreißendes Kultevent mit nach Hause. Nordholz hat trotz Hitze und Sturmschäden nochmals bewiesen, dass es das Zeug zum neuen Mekka des Rad- und Laufsports hat. Und vielleicht versucht es Levy im kommenden Jahr erneut.


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